Urkunde gefunden

Jügesheim ist sechs Jahre älter als bisher bekannt 

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Auf dieser Urkunde aus dem Jahr 1255 ist Jügesheim erstmals erwähnt. Das historische Pergament liegt im bayerischen Staatsarchiv Würzburg. Volker Böres und Helmut Trageser vom Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen konnten das Original einsehen. Sie waren darauf gestoßen, als sie im Online-Findbuch nach Urkunden über das Rittergeschlecht Bunre suchten.

Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen sind im Staatsarchiv Würzburg auf eine Urkunde aus dem Jahr 1255 gestoßen, in der Jügesheim indirekt genannt wird.

Rodgau – Beim Quellenstudium sind die Weiskircher die aktivsten unter den vier Heimatkunde-Vereinen Rodgaus. In staatlichen und kirchlichen Archiven forschen sie regelmäßig nach Informationen, die den Wissensstand über die Regionalgeschichte erweitern können. Diese Sorgfalt schlägt sich auch in den Publikationen des Vereins nieder. "Wir veröffentlichen nichts, was wir nicht selbst überprüft haben", sagt Vorsitzender Helmut Trageser.

Alte Urkunden sind oft in lateinischer Sprache abgefasst – und in einer Schrift, die heute kaum noch jemand lesen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Begriffe abgekürzt sind. Die Hobby-Historiker arbeiten im Team: Einer entziffert die Schrift und tippt sie ab, einer übersetzt den Text ins Deutsche und alle gemeinsam interpretieren den Inhalt.

Neue Technik erleichtert die Suche

Die Informationstechnik des 21. Jahrhunderts erleichtert die Suche nach relevanten Dokumenten enorm. Viele Findmittel-Datenbanken sind im Internet verfügbar, zum Teil mit ausführlichen Inhaltsangaben. So kann man schon Schriftstücke aussuchen und bestellen, bevor man ins Archiv fährt. Früher musste man Karteikarten, Findbücher und Spezialinventare vor Ort durchforsten – und dann warten, bis die Archivare das gewünschte Dokument herausgesucht hatten. Nicht immer war das am gleichen Tag möglich.

Die älteste bekannte Urkunde über Jügesheim stammt aus den Beständen des Klosters Schmerlenbach, das heute zur Gemeinde Hösbach gehört. Darin geht es um eine Schenkung landwirtschaftlicher Güter und die jährlichen Abgaben, die dafür zu leisten sind. Unter den zahlreichen Zeugen ist „im Jahre des Herrn 1255“ auch Arnold von Gugensheim genannt.

Erwähnung von 1261 nicht die älteste

Eine Fotografie dieser Urkunde kann man jetzt im Heimatmuseum Jügesheim sehen – zusammen mit einer Übersetzung, die der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Weiskirchen angefertigt hat. Dort können historisch Interessierte auch eine schriftliche Dokumentation zur Bedeutung dieser Urkunde erhalten. Der stellvertretende HGV-Vorsitzende Volker Böres tritt darin auf 14 Seiten den Nachweis an, dass Arnold von Gugensheim identisch mit jenem Ritter Arnold Burne sei, dessen Bruder Hartlieb im Juni 1261 einen Vergleich zwischen dem Kloster Patershausen und dem Ritter Merbold aus Auheim bezeugte. Damals ging es um Güter in Guginsheim – die bisher älteste bekannte Erwähnung des Orts.

Theoretisch könnte es noch ältere Dokumente über Jügesheim geben als die Urkunde von 1255. Einiges spricht dafür, dass der Ort mehrere hundert Jahre älter ist. Die Heimatforscher Günther Hoch (1953) und Karl Nahrgang (1963) datierten die Gründung Jügesheims auf das 6. oder 7. Jahrhundert. Volker Böres erklärt, wieso: „In der Nähe von Römerstraßen, die sich hier kreuzten, errichteten die Franken im Waldgebiet des Maingaus Militärkolonien, um das Land zu kontrollieren.“

Die ersten Siedler waren weitaus früher in der Gegend. Das beweisen fünf Hügelgräber aus der Bronze- und Eisenzeit, die vor mehreren Jahrzehnten am nördlichen Ortsrand entdeckt wurden. Von ihnen ist heute nichts mehr übrig.

Ekkehard Wolf

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Quelle: op-online.de

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