Eigenbetrieb kauft Erweiterungsfläche

Stadtwerke an vielen Standorten

Hans-Böckler-Straße 1: ehemaliges Wohnhaus mit angrenzender Halle, 2002 aus Konkursmasse erworben und umgebaut, Freigelände diente zeitweise als Recyclinghof; seit Jahren zusätzlich Bürocontainer.

Obwohl die neue Stadtwerke-Zentrale noch nicht fertig ist, kauft der Eigenbetrieb schon eine Erweiterungsfläche in der Nachbarschaft (Justus-von-Liebig-Straße 8). Die Stadtverordneten segneten das Grundstücksgeschäft einstimmig ab.

Jügesheim - Der Quadratmeterpreis von 199,90 Euro wirkt wie ein Schnäppchen. Er liegt um 25 Prozent über dem Bodenrichtwert. Die Eigentümer hatten sogar 210 Euro gefordert, ließen sich aber herunterhandeln.

Eine „vernünftige, sachgerechte Planung, wie dieses Grundstück genutzt werden soll“ fordert CDU-Fraktionschef Clemens Jäger (CDU). Die Stadtwerke müssten sich aber auch von Immobilien trennen, die sie nicht mehr benötigen.

„Es kann nicht sein, dass Grundstück um Grundstück gekauft wird und nicht darüber nachgedacht wird, wie andere Grundstücke zur Refinanzierung herangezogen werden können“, betont Jäger. Sonst müssten alle Gebührenzahler die Zeche zahlen. Die Christdemokraten hatten in den letzten Jahren erfolglos gefordert, Gebühren zu senken, um die Bürger zu entlasten. Stattdessen flossen die Überschüsse in die allgemeine Rücklage. Dadurch haben die Stadtwerke nun genügend Geld übrig, um eine Erweiterungsfläche zu kaufen, die sie vielleicht erst in der Zukunft brauchen.

Justus-von-Liebig-Straße 20: Bauhof mit Werkstätten, Garagen und Salzlager für den Winterdienst, 2015 um eine Werkstatthalle erweitert (1,4 Mio. Euro). Der Wertstoffhof befindet sich seit Mai 2016 wieder auf dem Nachbargrundstück Philipp-Reis-Straße 19. Fotos: Wolf

Die Hans-Böckler-Straße 1 könnte laut Clemens Jäger bald für die Stadtwerke überflüssig sein. Die Stadt hatte das Anwesen 2002 aus der Konkursmasse von Eisen-Jäger übernommen. Das Wohnhaus war von Anfang an zu klein und wurde für viel Geld in Büros umgebaut. Seit Jahren müssen einige Mitarbeiter in Bürocontainern arbeiten; in jüngerer Zeit kamen weitere Container dazu.

Bestätigt sieht sich die CDU auch in ihrer Kritik am Kauf des Bürogebäudes Philipp-Reis-Straße 7, das seit vielen Monaten für die Stadtwerke umgebaut wird. Obwohl das Gebäude seit Anfang 2016 dem Eigenbetrieb gehört, ist er noch immer nicht eingezogen. Jäger findet das „mehr als bedenklich“.

Die Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Rodgauer Liste hatte 2015 den Erwerb des Bürohauses beschlossen. Vier Jahre später spricht FDP-Fraktionsvorsitzender Heino Reckließ nun von einem Fehlkauf.

Philipp-Reis-Straße 7: Bürogebäude (ehemals „Consult-Center“), Baujahr 1994, seit 1. Januar 2016 im Besitz der Stadtwerke, Kaufpreis 2,44 Mio. Euro, Umbaukosten von 1,7 auf 2,8 Millionen Euro gestiegen, Einzug auf 2020 verschoben.

Otto Melzer, der frühere Eigentümer der Philipp-Reis-Straße 7, widerspricht vehement. Das Gebäude sei in gutem Zustand gewesen. Probleme seien erst entstanden, als die ursprüngliche Umbauplanung gestoppt und umgeworfen worden sei. Heute bereue er, das Anwesen verkauft zu haben, sagte er als Mitglied der Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments. An diesem Punkt sah sich die Vorsitzende Anette Schweikart-Paul veranlasst, den ZmB-Redner zu ermahnen: „Bitte sprechen Sie zur Sache und achten Sie auf die Befangenheit.“ Otto Melzer ließ sich davon nicht beirren. Er forderte den Magistrat auf, sämtliche Gutachten über den baulichen Zustand des Bürogebäudes der Presse vorzulegen: „Wenn der Magistrat das nicht tut, werde ich es machen.“  Von Ekkehard Wolf

Quelle: op-online.de

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