Neuanfang auf der Lichtung

Die „Wolfschlucht“ nach dem Sturm: Folgen noch lange spürbar

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Pläne für die Neugestaltung des Geländes schmieden Hamdi Cetinkaya und seine Tochter Eda Pospischil.

Fast fünf Wochen nach dem verheerenden Sturm vom 18. August sind die schlimmsten Schäden beseitigt. Aber es dürfte noch lange dauern, bis alles wieder so ist, wie es vorher war.

Jügesheim – Am Hotel-Restaurant „Wolfschlucht“ beim Jügesheimer Wasserturm kann man das gut beobachten. Zwar kann man im neuen Zelt wieder Hochzeiten feiern, am Holzsteg blühen wieder Blumen und die Terrasse ist mit neuen Möbeln ausgestattet; aber dort, wo früher Bäume standen, sind nun kahle Flächen.

„Wir haben Glück gehabt, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, sagt Hotelier Hamdi Cetinkaya. Zwei Äste hatten das Zeltdach durchstoßen und sich in den Boden gebohrt. Am Tag zuvor hatten dort noch 70 Gäste gesessen.

70 Bäume fielen dem Sturm zum Opfer

Rund 70 Bäume fielen dem Sturm zum Opfer. Die Tische auf der Terrasse wurden kurz und klein geschlagen. Drei Autos wurden beschädigt, davon zweimal Totalschaden.

Seit der Übernahme vor zwei Jahren hatte die Familie den Betrieb systematisch aufgebaut und das Gelände umgestaltet. „Wir haben ein kleines Paradies daraus gemacht“, sagt Hamdi Cetinkaya. Ein paar Minuten reichten aus, um es zu zerstören.

Pläne für die Neugestaltung des Geländes schmieden Hamdi Cetinkaya und seine Tochter Eda Pospischil.

Der Sturm wütete an einem Sonntag kurz nach 18 Uhr. Die Mitarbeiter in Küche und Service bereiteten sich gerade auf den Abend vor. Etwa 30 Gäste hatten Tische reserviert. Das Abendessen fiel aus, stattdessen wurde eine Kettensäge gebraucht. Ein Bekannter des Chefkochs sägte einen quer liegenden Baumstamm durch, damit die Mitarbeiter nach Feierabend überhaupt heimfahren konnten.

„Wolfschlucht“ liegt nun auf einer großen Lichtung

Auf rund 250 .000 Euro beziffert der Hotelier den Schaden. Er hatte das Glück, nicht nur eine erste Deckungszusage der Versicherung zu bekommen, sondern auch die notwendigen Handwerker zu finden. Besonders dankbar ist Hamdi Cetinkaya für die vielen Freunde und Bekannten, die ihm ihre Hilfe anboten: „Dass du an solchen Tagen nicht alleine bist, ist schon viel wert.“

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Im Restaurant läuft der Betrieb weiter. „Für uns war das eine Herausforderung, dass es mitten in der Saison passiert ist“, berichtet Eda Pospischil, eine Tochter des Inhabers. „In den ersten zwei Wochen haben wir zwar offen gehabt, aber es kamen kaum Gäste.“ Eine Hochzeitsfeier musste sogar nach Babenhausen verlegt werden. Die weiteren Hochzeitsgesellschaften konnten zwar wie geplant stattfinden, „aber leider nicht im gewohnten Ambiente“. Eine ungewöhnliche Situation gab es in zwei Trauerfällen. Weil der Friedhof gesperrt war, konnten die Beisetzungen zunächst nicht stattfinden. Die Trauergäste trafen sich dennoch am geplanten Termin, um sich bei Kaffee und Kuchen an ihre Verstorbenen zu erinnern.

Statt mitten im Wald liegt die „Wolfschlucht“ nun auf einer großen Lichtung. Ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb arbeitet bereits an einem Plan zur Neubepflanzung. Dabei werde man besonders auf geeignete Bäume achten, kündigt Hamdi Cetinkaya an: „Wir werden wieder eine schöne Ecke daraus machen.“

Von Ekkehard Wolf

Quelle: op-online.de

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