Höhepunkt der Saalfastnacht werden

Prinzenball feiert Jubiläum

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Willibald Englert, Karl Schreiber , Gerti Fisch und Hermann Becker haben an den Prinzenball nur gute Erinnerungen.

Jügesheim - Ein närrisches Jubiläum feiert am kommenden Samstag der Prinzenball der TGS Jügesheim. Am 9. Februar vergnügen sich die Narren bei ihrem 66. Ball. Von Bernhard Pelka

Seit 1947 ist die Veranstaltung (mit einer einzigen Ausnahme während des Golf-Kriegs) ein Höhepunkt im fastnachtlichen Terminkalender. Zeitzeugen erinnern sich: „Der Willibald hat Purzelbäume geschlagen und die Gerti hat auf den Tischen getanzt“, sagt Hermann Becker. Dabei verrät sein verschmitztes Lächeln, wie hoch es bei den Prinzenbällen früherer Jahre her gegangen sein muss. Als Pianist der Band „Metropol“ und des Orchestervereins Jügesheim gehörte der heute 85-Jährige dazu, als in den Nachkriegsjahren mit dem Prinzenball die grandiose Zeit der Maskenbälle in der TGS-Halle am Ostring an bracht.

„Das war nicht einfach, nach dem Krieg wieder lustig zu sein“, erinnert sich Becker, der viele Tanzgruppen am Klavier begleitete. Trotzdem reaktivieren 1947 junge Männer des Jahrgangs 1927/28 der TGS-Handballmannschaft (Heinz Sahm, Philipp Rupp, Reinhard Jäger, Günter Koser, Willibald Englert) die Karnevalsabteilung. Sie küren das Prinzenpaar Prinz August I. (Bonifer) und Prinzessin Helma I. (Subtil) und tragen es in einer Sänfte in den Saal. Freilich ist das keine Sänfte im herkömmlichen Sinn, sondern lediglich ein umgedrehter Tisch. Mangel und Not machen eben erfinderisch.

Die erste Fremdensitzung organisiert Heinrich Jäger („Kunni“). Die Dekoration ist spärlich, die Stimmung aber umso besser. Mehr als ein paar Luftschlangen an den Decken und Krepppapier an den Wänden gibt es auch beim Prinzenball anfangs nicht. Die Kapelle spielt Klassiker wie „Heile, heile Gänsje, Ritz am Baa, Kornblumenblau, Waldeslust und Schützenliesel“. Aber auch „Gib acht auf den Jahrgang“ erklingt. Das Lied spiegelt die Gesinnung der damaligen Zeit des Zusammenhalts. Wenn die Musiker im Saal Pause machen, geht es oben auf der Galerie tönend weiter. Dort greift Karl Schreiber vom Orchesterverein in der „Haifischbar“ in die Tasten seines Akkordeons, begleitet von Fritz Breitenbach aus Weiskirchen am Schlagzeug.

„Legendär war der Kuss-Walzer“, erzählt Karl Schreiber (83) mit leuchtenden Augen. „Da sind die Paare die Stehleiter hochgeklettert und oben haben sie sich geküsst. Dann ging’s wieder runter. Einmal ist mein Hut oben an der Dekoration hängen geblieben.“ Oder der „Wecker-Walzer“. Der ist Gertrude („Gerti“) Fisch (geborene Emge) noch in lebhafter Erinnerung: „Auf Stühlen standen Wecker. Wenn sie geklingelt haben, musste man drüber springen. Dazu spielte die Kapelle“, ergänzt die 91-Jährige. Ein kleines Bier kostet 25 Pfennig. „Für en Knopp und en Klicker“ (also günstig) gibt es in der Kellerbar verführerisch duftende Pferdewurst vom „Säu Raab“, dem Opa des heutigen Landwirts und Schweinemastbetriebs von Stefan Raab.

Hofmarschall und Zeremonienmeister dieser Tage ist Willibald Englert. Der mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen hoch dekorierte TGS-Ehrenvorsitzende ist auch heute noch Gast aller Veranstaltungen seines Vereins. Seinen schelmischen Humor hat sich der 88-Jährige bewahrt: „Ich habe drei Fehler. Ich höre nicht gut, ich sehe nicht gut und ich gehe nicht heim, wenn es Zeit ist.“

Die Garderobe ist damals im Eingangsbereich vor der Kegelbahn. Ein Koksofen erwärmt die Luft, die in den Saal geblasen wird. Die Wände sind trotzdem bitterkalt, die Stimmung aber ist ausgelassen-hitzig.

Der Service ist im Vergleich zu früher deutlich verbessert

Am 9. Februar jährt sich der Prinzenball zum 66. Mal. Die Karnevalisten feiern inzwischen nicht mehr in der alt ehrwürdigen Halle am Ostring, sondern in der Aula der Georg-Büchner-Schule. Das Foyer und der Saal der Aula sind bunt geschmückt. Die von Peter Perl gebauten „Schwellköpp“, die Kulissenbemalung und zahlreiche Bilder dominieren die bunte Szenerie. Der Service ist im Vergleich zu früher deutlich verbessert. Schnelle Zugangswege in den Schankbereich und zur Küche lassen ein erweitertes Angebot zu. Eine Cocktailbar, sowohl zur Aula als auch zum Foyer hin geöffnet, bildet die Schnittstelle zwischen dem Livemusikbereich und der Entspannungszone. Gute Livemusik garantiert die Band „fullstop“. Sie bringt mehr als 100 Lieder mit.

Noch gibt es Eintrittskarten für zehn Euro im Café „Latte Macchiato“ in Jügesheim und für elf Euro an der Abendkasse.

Quelle: op-online.de

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