„Explosion“ in der Chemiestunde

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Die Johanniter-Jugend arbeitete bei der Großübung mit der Jugendfeuerwehr Hand in Hand.

Nieder-Roden (eh) - Eine spektakuläre Übung absolvierten die Jugendfeuerwehren aus Rodgau, Rödermark, Dietzenbach und Heusenstamm am Samstag in der Heinrich-Böll-Schule. Das Thema: „Explosion in der Chemiestunde“.

120 Jugendliche arbeiteten Hand in Hand, um Menschen zu retten, Feuer zu löschen und eine Katastrophe zu verhindern. Währenddessen tönte eine Lautsprecherdurchsage in der Schule von einer „technischen Störung“.

Im Schulhaus konnte man kaum die eigene Hand sehen. Dichter „Qualm“ flutete die Räume, Flure und Treppenhäuser. Nebelwerfer produzierten unablässig neuen Disconebel. Aus vier Klassenzimmern im Obergeschoss riefen Schüler um Hilfe. Flammen loderten an zwei großen „Lagerfeuern“ und aus Metallwannen auf dem Flachdach . Und im Chemiesaal befand sich ein Fass, aus dem angeblich brandgefährliche, ätzende Perchlorsäure austrat. Als wäre das noch nicht genug, stand ein Heizöllaster auf dem Parkplatz. Eine dicke Schaumschicht sollte ihn vor dem Bersten bewahren.

Bilder von der spektakulären Übung

Großübung der Jugendfeuerwehren

Die Jugendlichen mussten fast 30 Menschen aus dem Gebäude holen. Das Schwierigste war, sie in der Nebelsuppe erst einmal zu finden - und dabei keinen zu übersehen. Viele der „Verletzten“ hatten furchtbar realistische Wunden aufgemalt: Resultat eines Kurses zur „realistischen Unfalldarstellung“, der am Wochenende stattfand. Die Johanniter-Jugend versorgte die Geretteten auf einem improvisierten Verbandplatz auf dem Schulhof.

Zwei Mitglieder der Jugendfeuerwehr waren selbst auf Erste Hilfe angewiesen. Die Hitze war zu viel für sie gewesen. Im kühlen Schatten konnten sie etwas trinken und sich erholen. Auch die Kinderfeuerwehr Rodgau-Süd war an der Übung beteiligt. Die Sechs- bis Zehnjährigen passten an einem Hydranten auf die Wasserversorgung auf.

Schulen haben Chemiesammlungen entrümpelt

Nach einer Stunde packten die erschöpften Kinder und Jugendlichen ihre Einsatzgeräte zusammen. Ihre Würstchen und Getränke hatten sie sich redlich verdient. Einig waren sie sich in der Hoffnung, dass aus dieser Übung nie Ernst werden soll. Gefährliche Stoffe wie Perchlorsäure werden im Unterricht nicht verwendet. Viele Schulen hatten ihre Chemiesammlungen entrümpelt, nachdem im Jahr 2008 bundesweit explosive Pikrinsäure sicher gestellt worden war - unter anderem an der Claus-von-Stauffenberg-Schule in Dudenhofen.

Vor drei Jahren waren die Chemieräume der Heinrich-Böll-Schule dennoch der Schauplatz eines Feuerwehreinsatzes. Im März 2009 war bei einem Chemieversuch eine Wasserstoffflasche in Brand geraten - glücklicherweise ohne ernste Folgen. Nach dem Alarm war das Schulgebäude innerhalb kürzester Zeit menschenleer. Ironie des Schicksals: Für denselben Tag hatte die Schule ohnehin eine Räumungsübung geplant.

Quelle: op-online.de

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