Apotheke weckt Erinnerungen

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Die alte Apotheke ist ein Rodgauer Kleinod und immer einen Besuch wert.

Jügesheim - Wer durch die Glasscheiben im Haupteingang des Hauses Schwesternstraße 10 blickt, hat Rodgauer Geschichte vor Augen. Der Heimatverein hat dort mit Sachverstand und Liebe zum Detail Rodgaus erste Apotheke wieder eingerichtet.

Auch das Gebäude, in dem Apotheker Hippauf noch bis 1989 verkaufte, ist markant. Der Baumeister Hermann Kämmerer (1887-1944) aus Jügesheim hat das Haus errichtet. Das ist jetzt 100 Jahre her. Der Architekt war zweifelsohne einer der kreativsten Köpfe von Jügesheim. Ihm hat Rodgau seine interessantesten Bauwerke zu verdanken. In Jügesheim prägen sie einen ganzen Straßenzug: die Schwesternstraße Richtung Ostring. Die unverwechselbaren Klinkerfassaden, gehalten in unterschiedlichen Farben, machen die als Wohnhäuser konzipierten Liegenschaften so einmalig. Auch Giebel, Gauben, Erker und kunstvoll gerahmte Fenster machen die stattlichen Bürgerhäuser zu etwas Besonderem.

Am 21. Januar 1887 als eines von fünf Kindern der Eltern Ferdinand und Appolonia an der Hintergasse in eine Bauern- und Bäckerfamilie hineingeboren, schuf sich Kämmerer nach dem Studium 1913 in seinem Heimatort mit der Rodgau-Apotheke ein Denkmal. Nach dem Ersten Weltkrieg fand der bei Verdun schwer Verwundete Anstellung bei der Firma Holzmann in Frankfurt. Dort wurde er zum Architekten reicher Leute, baute prächtige Villen im noblen Westend. Auch an Großprojekte wagte sich der Ingenieur und Planer heran. Am Bau des Elbtunnels und der Bagdadbahn war er beteiligt.

Im typischen Kämmererstil errichtet: die alte Apotheke.

Zurück zur Apotheke. 1920 kaufte die damals noch selbstständige Gemeinde Jügesheim das Gebäude für 45 000 Goldmark und siedelte dort den ersten Rodgauer Apotheker Friedrich Hotz an. Lange Jahre war er der Einzige seines Berufsstandes weit und breit. Kuriere brachten ihm aus umliegenden Gemeinden die Verordnungen der Ärzte und holten die Arzneimittel täglich ab. 1938 übernahm Alois Adolf Hippauf die Apotheke, 1960 dessen Sohn Adolf. Bis 31. März 1989 war die Apotheke für ihre Kunden da, dann setzte sich Adolf Hippauf im Alter von 75 Jahren zur Ruhe.

Heute zieren die Apotheke nicht nur die nostalgische Waage und zahlreiche (leere) Arzneigläser. Auch die Portraits der drei Apotheker hängen dank Engagement des Heimatvereins an einer Wand. Demnächst werden in der alten Apotheke bisher noch nicht veröffentlichte Fotos von damals ausgestellt. „Das wird spannend“, sagt Josef-Herbert Spahn vom Heimatverein. Mehr möchte er noch nicht verraten.

(bp)

Quelle: op-online.de

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