Karikaturenstreit zwischen FCB und Rodgauer

Rote Karte für Kartenverkauf im Internet

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Designer Gerhard Cramer hat wegen dem Verkauf dieser Postkarten Ärger mit dem FC Bayern.

Rodgau - Das Kinn stark überzeichnet, die Ohren riesig: So malt der Nieder-Röder Karikaturist Gerhard Cramer den Mittelfeldstar des FC Bayern, Sebastian Schweinsteiger. Auch Uli Hoeneß kommt nicht besser weg - wobei die Abbildung nicht ehrverletzend ist.

Aber sein ohnehin breites Gesicht wirkt auf Cramers Postkarte noch massiger. Eine ganze Serie mit Bayern-Größen hat der frühere Webdesigner gezeichnet. Auf seiner Internetseite warb er für Karten, Fan-Shirts und Drucke. Bei Ebay bot er sie an - bis die großen Bayern dem kleinen Karikaturisten die rote Karte zeigten.

Die „Direktion Recht“ der FC Bayern München AG, vertreten durch Dr. Michael Gerlinger, ließ in einem Brief wissen: „ (. . .) diese Auktionen haben wir bereits löschen lassen“. Und: „Ihrem Hobby der Zeichnung von Karikaturen für den privaten Bereich möchten wir nicht im Wege stehen, jedoch können wir einer kommerziellen Nutzung unserer geschützten Marke sowie der Abbildungen von aktuellen und ehemaligen Spielern, Trainern und Vorständen des FC Bayern München für den Verkauf in Form von Karten, Fan-Shirts, Drucken ect. nicht zustimmen.“

Persönlichkeitsrechte verletzt

Cramer solle den Verkauf „mit sofortiger Wirkung beenden“. Überdies würden die Bilder Persönlichkeitsrechte verletzen. Cramer sieht ein, dass das von ihm auf manchen Postkarten abgebildete Bayern-Logo geschützt ist. „Das ist in Ordnung. Die Postkarten habe ich aus dem Verkehr gezogen.“ Wie seine Zeichnungen aber die Persönlichkeitsrechte verletzen könnten, ist ihm schleierhaft. Auch findet er es sehr fragwürdig, dass die Bayern seine E-Bay-Auktion einfach stoppen konnten. Der Rentner zeichnet aus Spaß an der Freud und verfolgt „keinerlei kommerzielle Interessen“, versichert er.

„Das sollte eine Huldigung sein. Dieses Jahr habe ich damit keinen Cent verdient. Und wenn etwas zusammengekommen wäre, hätte ich es einer befreundeten Familie gespendet, deren Sohn nach einem Unfall im Koma liegt.“

Als Prügelknaben ausgesucht

Weitere Karikaturen von Gerhard Cramer gibt es auf seiner Internetseite oder auf Facebook.

Grotesk findet Cramer, dass die Bayern sich ihn ausgerechnet jetzt als Prügelknaben ausgesucht haben. „Ich hatte denen die Postkarten schon 2011 und 2012 angeboten mit der Bitte, sie im Fan-Shop ins Sortiment aufzunehmen. Die haben aber nie reagiert. Auch nicht der Uli Hoeneß. Auch den hatte ich informiert.“ Der 62-Jährige hat eine dunkle Ahnung, weshalb der Dreifach-Champion aus dem Süden nun doch die große juristische Keule auspackt. Zuletzt hatte Cramer eine Karikatur von Steuersünder Hoeneß angefertigt mit dem spitzen Kommentar: „Wer im Glashaus sitzt.“ „Das hat die vielleicht sehr geärgert.“

In einer Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung betonte die Rechtsabteilung der FC Bayern AG gestern nochmals, dass der Club die urheberrechtliche Verbreitung der Zeichnungen niemals untersagt habe. Es gehe lediglich um den Verkauf: „Die urheberrechtliche Möglichkeit der Verbreitung wurde nie bemängelt. Die FC Bayern München AG hat Herrn Cramer die kommerzielle Nutzung dieser Zeichnungen im Sinne §§14 MarkenG (Markengesetz, die Red.) und §23 Abs. 1 Nr. 1 KUG (Kunsturheberrechtsgesetz, die Red.) untersagt“, ließ Rechtsreferentin Heidi Schwarzenbeck schriftlich in einer E-Mail an die Redaktion wissen.

Karikaturenstreit: Diese Bilder mag der FCB nicht 

Karikaturen von Gerhard Cramer

Designer Gerhard Cramer will sich diesem Ansinnen zwar vorläufig beugen. Trotzdem gibt er nicht klein bei. In einem Brief an den FCB fordert er, der Verein möge nachweisen, „welche darstellenden Details in meinen Karikaturen bei den Personen Persönlichkeitsrecht verletzen“. Der Club versuche „ganz massiv mein Recht auf Meinungsfreiheit zu beschneiden. Die mir zustehende künstlerische Freiheit meinen Sie mit Füßen treten zu können.“ Um den Verkauf zu stoppen, bedürfe es einer gerichtlichen Verfügung. „Her damit!“, fordert der Nieder-Röder Karikaturist provokant.

(bp)

Quelle: op-online.de

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