Mit den Kastanien geht ein Stück Stadtgeschichte

Roland Walden (stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender), Verwaltungsratsmitglied Dietmar Wilhelm und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Yvonne Hartelt werfen skeptische Blicke in das Baumgutachten. Gefällt werden müssen vier Bäume entlang der Kirchgasse und einer rechts vom Hauptportal der Kirche St. Nikolaus.Foto: Pelka

Jügesheim - (bp) Es wird ein trauriger Abschied, der aus Sicherheitsgründen allerdings zwingend nötig ist: Der Verwaltungsrat der katholischen Kirche St. Nikolaus beugt sich den Argumenten von Baumexperten und hat dem Auftrag zum Fällen von fünf nicht mehr standfesten Kastanien rund um die Kirche zugestimmt.

Das geschieht im Herbst. Es besteht also noch ein letzten Mal Gelegenheit, die Blüte der Bäume zu genießen. 13 Kastanien säumen das Gotteshaus. Sie sind teils 140 Jahre alt. Für die abgesägten Bäume gibt es Ersatz.

Die Entscheidung schmerzt die Gemeinde besonders, weil im Schatten der historischen Kastanien seit mehr als einem Jahrhundert Tausende Kinder getauft wurden, dort zur ersten Heiligen Kommunion gingen, gefirmt wurden und sich später das Jawort gaben. Gepflanzt wurden die Bäume nach dem Kirchenneubau 1871. Sie haben zwei Weltkriege überlebt und waren eine große Freude für zahlreiche Kinder, die unter ihnen Kastanien sammelten.

Zwei Bäume waren bereits vor Jahren, kurz nachdem Kirch- und Vordergasse neu gestaltet worden waren, gefällt worden. Bei den Bauarbeiten waren die Wurzeln so stark beschädigt worden, dass die Standfestigkeit gefährdet war. Bereits 2008 sorgte ein Gutachten der Stadt Rodgau zur Standfestigkeit der Baum-Oldies für sorgenvolle Mienen. Hatte doch im Sommer 2007 ein Sachverständigenbüro seine Bedenken mitgeteilt. Ein Eintrag in das Baumkontrollbuch dokumentierte seither, dass einige Kastanien eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen. Die Hoffnung, sie durch anders lautende Gutachten zu retten, musste beerdigt werden. Im Gegenteil: Gemeindemitglied Thorsten Schüler kam mit seiner Baumschule zu gleichen Erkenntnissen: Einige Bäume sind im Inneren abgestorben und hohl. Revierförster Bernhard Gerstner ermutigte die Kirchengemeinde die Bäume als Naturdenkmal so weit wie möglich zu erhalten. Die Hälfte der Kastanien kann noch 20 bis 30 Jahre stehen bleiben. Ein weiteres Gutachten soll aber noch über eventuelle Pilzschäden aufklären.

Die Kosten der Baumfällung trägt die Kirchengemeinde, die auf einen Zuschuss der Stadt hofft. Außerdem werden für die Kastanien Paten gesucht. Interessenten können für 1000 Euro einen Baum symbolisch erwerben. Aber auch „stille“ Spender haben sich schon gefunden.

Wer Interesse hat, sich im Herbst eine Scheibe abzuschneiden oder als Brennholz zu verwenden, setzt sich mit Thorsten Schüler in Verbindung, 06106 9383. Spenden gehen an: Konto 8901120 bei der Vereinigten Volksbank Maingau, BLZ 505 613 15. Patenschaften vermittelt Roland Walden, 06106 18600.

Quelle: op-online.de

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