Prozession

Blumen zum Lob des Herrn

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Kurt und Christine Raab haben schon gestern damit begonnen, den Altar für die Fronleichnamsprozession zu schmücken. Heute Morgen, ab 5 Uhr, arbeiteten die beiden dann am Feinschliff.

Rodgau - Sobald heute die Katholiken der Jügesheimer Pfarrgemeinde St. Nikolaus bei der Fronleichnamsprozession Station am Haus Alter Weg 49 machen, dürfen sie sich an einem festlich geschmückten Altar erfreuen. Von Bernhard Pelka und Ekkehard Wolf

Dass in diesem Haus Blumenliebhaber wohnen, erschließt sich auf den ersten Blick. In den Balkonkästen leuchten herrliche Hängegeranien in satten Farben, in Kübel strahlen prächtige Petunien, und kleine Beete mit Tagetes, Verbenen und Begonien säumen den Weg zum Hauseingang. Viele Stunden haben Christine und Kurt Raab damit verbracht, den Altar zu schmücken. Begonien und Farn aus dem eigenen Garten bilden das florale Gerüst des naturbelassenen Arrangements. Die Pflanzen flankieren das aus rohen Brettern gestaltete Holzkreuz. Es schmückt eine Christus-Ikone. Für Kurt Raab hat das Bildnis große Bedeutung. Er hat die religiöse Darstellung vor Jahren aus dem russischen Nowgorod mitgebracht. Vier Mal war er dort, bis er das Grab seines im Krieg gefallenen Vaters gefunden hatte.

Der Altarschmuck ist bei Christine und Kurt Raab in besten Händen. Für den früheren Obergärtner der Stadt Offenbach sind Pflanzen quasi der Beruf. Und die ehemalige Erzieherin findet schon immer großen Gefallen am Gestalten mit Blumen. „Außerdem hat immer sie die guten Ideen. Ohne sie könnte ich das nicht“, lobt Gärtnermeister Kurt Raab das Talent und die Kreativität seiner Frau. Zusammen sind die beiden schon seit 20 Jahren für die weihnachtliche Bühnendekoration der Kolpingsfamilie im Haus der Begegnung zuständig. Jetzt also der Altar. Er ist eine von drei Stationen, an denen die Prozession heute in Jügesheim Halt macht.

Etwas ganz Besonderes ist auch der dritte und letzte Altar der Fronleichnamsprozession in Nieder-Roden: Er wird seit Jahren von Kindern gestaltet. Wie er genau aussieht, entscheidet sich heute zwischen 9.30 und 10 Uhr während der Kinderkirche in der katholischen Kindertagesstätte Otzbergstraße. „Die Idee wächst immer aus der Kinderkirche“, berichtet Gemeindereferentin Petra Licht. Passend zum Jahresthema der Gemeinde St. Matthias „Kirche bauen, Kirche sein“ haben Hortkinder ein helles Haus aus Pappe gebastelt. Das Haus hat offene Türen. Petra Licht: „Im Haus Gottes stehen die Türen immer offen, auch wenn wir uns verirrt haben.“ Die Kinder schmücken den Altar mit bunten Ketten, Glassteinen und mitgebrachten Blumen. Das Ergebnis ist unvorhersehbar und jedes Mal einzigartig. „Ich habe über die vielen Jahre gelernt, auf die Kreativität der Kinder zu vertrauen“, betont Petra Licht: „Ich glaube und vertraue darauf, dass Gott in den Kindern gestaltet. Da muss ich ihm auch Raum lassen.“

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Normalerweise gehen jede Woche um die 30 Jungen und Mädchen in die Kinderkirche. An Fronleichnam aber ist der Turnraum der Kita Otzbergstraße randvoll. Die Größeren aus dem Hort tragen in der Andacht ihre Fürbitten vor - und alle gehen das letzte Stück der Prozession bis zur Kirche mit. „Die Kinder dürfen dann ganz nah am Allerheiligsten gehen und die gelb-weißen Fahnen tragen“, sagt die Gemeindereferentin. Ein Fest wie Fronleichnam wirft für Kinder viele Fragen auf: „Was trägt der Pfarrer da rum?“ Petra Licht gibt geduldig und kindgerecht Antworten. Der Altar an der Otzbergstraße hat für sie eine hohe symbolische Bedeutung: „Jesus kommt in den Kindergarten. Der Kindergarten ist das Haus, in dem Gott wohnt.“

Quelle: op-online.de

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