Kerry-Jobs sind nicht zu retten

Jügesheim (eh) - Die Arbeitsplätze bei der Kerry Ingredients GmbH sind nicht mehr zu retten. Das Gewürzwerk an der Gutenbergstraße macht am 30. November zu. Ein Sozialplan sichert den Beschäftigten eine Abfindung von 1,2 Monatsgehältern für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit.

Nach einem mehrtägigen Verhandlungsmarathon hatten sich die Geschäftsleitung und die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) am Montag überraschend auf einen Sozialplan-Tarifvertrag geeinigt. Gewerkschaftsmitglieder erhalten demnach pro Beschäftigungsjahr eine Abfindung in Höhe des 1,2-fachen Monatslohns. Für jedes Kind kommen 1000 Euro dazu, Schwerbehinderte erhalten 3000 Euro zusätzlich. Die NGG-Mitglieder bei Kerry nahmen das Verhandlungsergebnis gestern einstimmig an. Ein Sozialplan dehnt diese Regeln auch auf Nichtmitglieder aus.

Von Betroffenheit und Tränen berichten Teilnehmer der Betriebsversammlung. „Die Hoffnung war bis zum Schluss, dass wir unsere Arbeitsplätze erhalten“, sagt Jens Treff vom Betriebsrat. Seit Februar habe sich jeder seine Gedanken gemacht, aber das endgültige Aus sei dennoch ein harter Schlag. „Am Standort Rodgau hat es noch nie Tarifverträge gegeben“, so Treff, „wir haben zur Schließung des Werks unseren ersten Tarifvertrag. Das ist schon makaber.“

Eine „dramatischen Entwicklung“

Von einer „dramatischen Entwicklung“ berichtet Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der NGG in der Region Rhein-Main. Am späten Freitagnachmittag habe die Geschäftsleitung erstmals ein Angebot unterbreitet: „Die deutschen Arbeitgeber wollten nicht, dass wir nach Irland fahren.“ Die Koffer waren schon gepackt: Eine neunköpfige Delegation von Gewerkschaft und Betriebsrat wollte am Montag zur Kerry Group nach Tralee (Irland) fliegen, um mit der Konzernspitze zu sprechen.

„Wir konnten den Standort nicht retten“, bedauert Cox. Die 1,2 Monatslöhne pro Jahr als Abfindung seien aber kein schlechtes Angebot: „Vor Gericht liegt man bei 0,5.“ Die Gewerkschaft zitiert den Betriebsratsvorsitzenden Nico Mallevadore: „Der Faktor 1,2 lässt sich sehen.“

Abfindung geregelt

Die erfahrensten Mitarbeiter sind laut Betriebsrat etwa 20 Jahre im Betrieb; zuletzt wurden fünf Personen mit Halbjahresverträgen eingestellt. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liege unter zehn Jahren. Neben Fachkräften der Lebensmittelbranche arbeiten auch viele angelernte Arbeiter in der Produktion. Sie können bei Stundenlöhnen zwischen 12 und 13 Euro zum Beispiel nach fünf Jahren mit einer Abfindung zwischen 12.000 und 14.000 Euro rechnen.

NGG-Geschäftsführer Peter-Martin Cox zeigt sich nach wie vor überzeugt, dass das Jügesheimer Werk zu retten gewesen wäre: „Die Vision, dass man dort einen Musterbetrieb für Kerry hätte machen können, war kein Hirngespinst.“ Das Management habe sich mit den Verbesserungsvorschlägen jedoch nicht auseinander gesetzt: „Sie wollten schließen, das war festgelegt.“

Nicht betroffen von der Schließung sind die rund 25 Mitarbeiter der Kerry Tukania Proca GmbH, die unter anderem in der Produktentwicklung tätig sind. Was aus dem Gebäude und den Maschinen in der Gutenbergstraße 7 wird, ist noch offen. Gewerkschafter Cox hat in der Betriebsversammlung gehört, das Inventar werde „eingemottet“.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/S. Hofschläger

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