Kiesgrube für 40 Jahre

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Das Strandbad nimmt nur einen kleinen Teil des Rodgau-Sees ein. Wie weit sich der See bereits ausdehnt, ist vom Badestrand aus nicht zu erkennen. Die genehmigte Abbaufläche reicht laut Kieswerk noch für sechs bis acht Jahre. Darüber hinaus will der Magistrat dem Unternehmen zunächst die beiden rot umrandeten Dreiecksflächen zugestehen. Die Zeichnung ist nicht ganz maßstabsgerecht.

Nieder-Roden - Der Rodgau-See soll noch größer werden. Die Firma Kaspar Weiss GmbH & Co. KG (Goldbach) will den Abbau von Quarzsand und -kies um 23,69 Hektar ausdehnen und damit den Betrieb auf Jahrzehnte hinaus sichern. Bisher ist der See 26,3 Hektar groß. Von Ekkehard Wolf

Die Erweiterungsfläche liegt nördlich und nordwestlich des Sees. Das Stadtparlament hatte diese Richtung im Jahr 1999 vorgegeben. Eine Ausdehnung nach Westen in den Wald hinein hatten die Stadtverordneten abgelehnt.

„Saint-Tropez am Baggersee“ haben 213.751 Badegäste seit Mai erlebt. Wer sich in die 19 Grad warmen Fluten stürzen will, hat nur noch wenige Tage Zeit: Am Sonntag, 20. September, geht die Strandbad-Saison zu Ende.

Aus Nieder-Roden kommen unter anderem Quarzsand, Kiessand, Grubenkies und Schwemmsand in unterschiedlichen Körnungen. Bis zu 500.000 Tonnen Sand und Kies pro Jahr werden mit einem Schwimmgreifer ausgebaggert und für die Bauindustrie aufbereitet. Das Kieswerk beschäftigt zehn Mitarbeiter.
Der bisher genehmigte Tagebau sichert den Betrieb nach Angaben des Unternehmens noch für sechs bis acht Jahre.
Mit den 6,8 Millionen Kubikmetern Gestein in der Erweiterungsfläche könnte das Kieswerk etwa 40 Jahre länger arbeiten - je nach der Baukonjunktur. Um die Vorräte auszuschöpfen, soll der Sand bis zu 37 Meter tief ausgebaggert werden. Den Waldverlust von 11,5 Hektar will das Unternehmen durch Aufforstungen ausgleichen. Auf gefährdete Tierarten wie Flussregenpfeifer, Steinschmätzer, Zauneidechse und Kreuzkröte soll Rücksicht genommen werden.

Magistrat will Zukunftschance auf Naherholung sichern

Der Magistrat will das Wachstum des Rodgau-Sees bremsen. Er schlägt vor, die Erweiterung des Tagebaus auf zwei Teilflächen zu beschränken. Die Stadt ist allerdings nicht Herrin des Verfahrens. Sie kann lediglich eine Stellungnahme an das Regierungspräsidium Darmstadt abgeben. Was in dieser Stellungnahme stehen soll, entscheidet das Stadtparlament am 21. September.

„Es bestehen zwar keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Erweiterung der Auskiesung, allerdings gegen die geplante Größenordnung“, schreibt der Magistrat. Zur Kreisquerverbindung sei ein Abstand von 50 Metern notwendig, um die parallel verlaufenden Feldwege zu erhalten: „Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs“ auf der Kreisstraße dürfe nicht beeinträchtigt werden.

CHRONIK

1976 wurde der Tagebau am Baggersee Nieder-Roden erstmals genehmigt. Sand und Kies wurden unter anderem zum Bau der Gartenstadt benötigt.

1977 begann die offizielle Freizeitnutzung: Das Strandbad wurde eröffnet.

1989 genehmigte das Regierungspräsidium eine Erweiterung des Kiesabbaus.

1992 erhielt das Kieswerk eine Betriebsstraße mit Anschluss an die Kreisquerverbindung.

Zudem fordert der Magistrat, die Belange der Freizeit und Naherholung im so genannten Wiedernutzbarmachungskonzept“ stärker zu berücksichtigen. Dieser Teil der Planung legt fest, was nach dem Ende des Abbaus aus dem See wird. Für einen See-Rundweg, den die Stadt eines Tages anlegen will, ist in diesem Plan bisher kein Raum. Das Konzept der Firma Weiss sieht geradlinige Steilufer hinter den drei Meter hohen Schutzwällen vor. Der Magistrat hingegen wünscht sich eine geschwungene Uferlinie mit Ausbuchtungen und Halbinseln sowie eine Wegeführung, die den Blick auf den See ermöglicht.

In einer Sondersitzung am Freitag, 18. September, um 19 Uhr will sich der Ortsbeirat Nieder-Roden ausführlich mit dem Vorhaben auseinander setzen. Ortsvorsteher Steffen Hartmann (CDU) kritisiert die geometrischen Formen der Abbauflächen: „Das sieht ja aus wie auf dem Reißbrett geplant.“ Nun komme es darauf an, im Genehmigungsverfahren die unterschiedlichen Interessen abzuwägen: „Es ist klar, dass ein Unternehmer zunächst eine Maximalplanung vorlegt, weil er genau weiß, er bekommt noch die Fingernägel gestutzt.“

Neben den städtischen Gremien hat auch jeder Bürger Gelegenheit, seine Meinung zur Auskiesung zu sagen. Die Planunterlagen liegen noch bis zum 17. September im Rathaus aus. Bis zum 1. Oktober ist dann Gelegenheit, Einwände zu äußern.

Strandbad weiter verbessern

Dem Kiesabbau verdankt Rodgau ein Freizeitgebiet von überregionalem Ruf. Der Badesee glänzt mit einer ausgezeichneten Wasserqualität, wie die Messungen auch in diesem Jahr ergeben haben (Internet: badeseen.hlug.de).

Zum Freizeitwert des Sees gehören neben saftigen Wiesen und sauberem Sand am Textil- und FKK-Strand auch ein Wasserspielplatz, mehrere Beachvolleyballfelder und eine schwimmende Insel mit Baum. Diese Ausstattungsdetails entstanden in den Jahren 2000/2001 auf Kosten des Umlandverbandes Frankfurt zur Amtszeit von Bürgermeister Thomas Przibilla (SPD).

Eine Weiterentwicklung des Strandbades hat sich auch SPD-Bürgermeisterkandidat Jürgen Hoffmann auf die Fahnen geschrieben. Er fordert unter anderem eine Bushaltestelle am Eingang mit Kombi-Ticket für Bus und Badesee, befestigte Parkplätze, eine Rollstuhlzufahrt bis ins Wasser und die erneute Freigabe des schwimmenden Sprungturms. Ein neuer Rettungssteg soll die Sicherheit verbessern. Mit einer „AG Badesee“ will Hoffmann die Bürger in die Planung einbeziehen.

Quelle: op-online.de

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