Kinder füttern wolligen Nachwuchs

Lämmchen hängen an der Flasche

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Wolliges Flaschenkind: Beim Familienausflug zum Schäfer durften Kinder während eines Volkshochschulkurses dieser Tage ein frischgeborenes Lämmchen füttern.

Nieder-Roden - Fast täglich wächst die Kinderstube. Auf dem Gelände an der S-Bahn südlich des Krümmlingswegs hat Markus Metzger derzeit gut zu tun: 27 Lämmer hatten bis Ende März das Licht der Welt erblickt.

Gut möglich, dass bis Ostern jedes der 37 Mutterschafe Nachwuchs bekommen hat. Außerdem hat der Nieder-Röder Schäfer jetzt oft Besuch. Wer Tieren auf der Weide begegnen und den Alltag eines Schäfers einmal selbst erleben will, schlägt in Rodgau am besten im Programmheft der Volkshochschule (Vhs) nach. Seit rund zehn Jahren taucht Markus Metzger dort regelmäßig mit seinen Angeboten auf. „Gefühlt gehöre ich längst zum lebenden Inventar“, sagt der 44-jährige gelernte Tierwirt, der von den hessischen Ministerien für Umwelt und Kultus sowie beim Bauernverband auch als Naturpädagoge gelistet ist. Erstmals offeriert er im laufenden Semester einen Spezialkurs für Männer. Teilnehmer lernen, Schafe einzufangen und mit dem Schäfermesser umzugehen.

Längst ein Selbstläufer ist der „Familienausflug zu den Lämmern“, der laut Metzger von Jahr zu Jahr beliebter wird. Dieses Jahr musste der Klassiker sogar an zwei Terminen stattfinden, jedes Mal mit über 20 Teilnehmern. „Es gibt nicht mehr viele Weidetierhalter und da nutzen viele Leute die Chance“, so Metzger. Der Kundenkreis werde offenbar immer größer, ebenso der Einzugsbereich. Neben Kita-Gruppen und Schulklassen aus Rodgau und Umgebung heißt der Schäfer immer öfter Besucher aus Offenbach und Frankfurt willkommen.

Lernen und erleben können Kinder und Erwachsene Gäste beim Nieder-Röder Schäfer jede Menge. So begegnen sie den sonst seltenen Zackelschafen, die in Hessen nur Markus Metzger züchtet. Mit ihrer schwarz-grauen Wolle und den geraden, korkenzieherähnlichen Hörnern sind diese Tiere, ursprünglich aus Österreich-Ungarn stammend, etwas zierlicher als ihre hierzulande dominierenden hellen Verwandten, liefern aber neben Wolle, Milch und Fleisch auch Horn als landwirtschaftliches Produkt. Im Vor-Plastik-Zeitalter sei dieses Material sehr gefragt gewesen, weiß Metzger. Zudem will er mit seiner Herde dazu beitragen, den Genpool der vom Aussterben bedrohten Rasse zu erhalten.

Hauptattraktion nicht nur für die jüngeren Besucher sind im Frühjahr freilich die Lämmer, die zwischen den Mutterschafen, einigen Ziegen und etlichen Hühnern frei auf dem eingefriedeten Gelände herumtollen, ab und zu mit ihren hohen Stimmchen nach der Mutter rufen und mit ulkigen Bocksprüngen versuchen, die wachsamen Hütehunde auszutricksen. Zwischen 750 Gramm und einem Kilo wiegt so ein Tierchen bei der Geburt.

Nicht allen Lämmern helfen Markus Metzger und sein achtjähriger Sohn Leonhardt, der in Papas Betrieb kräftig mit anpackt, eigenhändig auf die Welt. Binnen einer halben Stunde müssen die Schäfchen dann auf die Beine kommen, um bei ihrer Mutter die sogenannte „Biestmilch“ trinken zu können.

Wie werde ich..? Schäferin/Schäfer

„In der Regel kommen die Mütter gut klar und versorgen ihre Lämmer dann selbst“, sagt der Schäfer. Wenn ein Mutterschaf zu schwach ist und keine Milch hat, springen die Metzgers mit der Flasche ein. Beim zweiten Vhs-Termin durften die Kinder ein solches „Flaschenlamm“ füttern, außerdem dabei helfen, die von der EU vorgeschriebenen Ohrmarken zu setzen. Im ersten Durchgang erlebten die Besucher laut Metzger sogar eine Geburt mit. Zum Programm gehört regelmäßig auch das Füttern der Herde mit Raps- oder Sonnenblumenkuchen, alten Brötchen von einem Nieder-Röder Bäcker und Heu von eigenen Wiesen.

Dass ein Schäfer immer auch ein Landwirt ist, hat Markus Metzger nicht erst in seiner Ausbildung gelernt. Sein Großvater betrieb noch einen Bauernhof im Vollerwerb, den sein Vater und er selbst dann im Nebenerwerb weiter führten. Wer ihn und seine Schafe besucht, gewinnt daher auch Einblicke über die Tierhaltung hinaus. (zrk)

Infos unter www.schafe-im-rodgau.de

Quelle: op-online.de

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