Stadt und Kreis würdigen wertvolle Arbeit

Kinderschutzbund hat seit 40 Jahren das Kindeswohl im Blick

+
Ein blühendes Dankeschön erhielten Vorstandsmitglieder und hauptamtliche Mitarbeiterinnen des Kinderschutzbundes. 

Rodgau - „Der Deutsche Kinderschutzbund ist die Lobby für eine Gruppe, die sonst keine Lobby hat.“ Das sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann in einer Feier zu einem doppelten Jahrestag: 40 Jahre Kinderschutzbund (DKSB) in Rodgau und 25 Jahre Beratungsstelle für Kinder und Familien.

Den Druck, dem Kinder und Eltern ausgesetzt sind, stellte Rodgaus DKSB-Vorsitzende Sybille Stallmann-Beseler in Form einiger Fragen dar. Wer wagt es heute, seine Kinder noch auf der Straße, am Feldrand oder auf unbebauten Grundstücken spielen zu lassen? Wie viel schwieriger ist es, der ständigen Verfügbarkeit Medien und dem Konsumdruck zu widerstehen? Wo können Kinder außerhalb organisierter Kurse noch ihre Kreativität entdecken? Wie groß ist der Druck auf Eltern und Kinder, schon ganz früh viel zu fördern, damit in der Schule der richtige Abschluss erreicht wird? Wer schaut da nach den Schwächeren?

Die Statistik der Beratungsstelle spiegelt wider, wo die aktuellen Probleme liegen. Ein Beispiel: In unserer Region wird jede zweite bis dritte Ehe geschieden und das ist ein großes Armutsrisiko. Lebensformen wie die sogenannten „Patchworkfamilien“ werden immer üblicher und bringen neue Herausforderungen. Die Zahl psychisch kranker Eltern steigt. Der wirtschaftliche Aufschwung geht an vielen Menschen vorbei, die für heutige Anforderungen nicht richtig ausgebildet oder gesundheitlich eingeschränkt sind. Leben und Wohnen im Ballungsgebiet sind so teuer, dass oft ein Gehalt nicht mehr reicht.

Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller bezeichnete den Kinderschutzbund als wichtigen Partner: „Wir brauchen Ihre Erfahrung und Fachwissen, um auch unsere Arbeit machen zu können, da Sie viele Probleme schon im Vorfeld abfangen.“ Als erschreckend bezeichnete er die Tatsache, dass 340 Kinder aus dem Kreis Offenbach, die in Kinderheimen oder Pflegefamilien untergebracht seien, weil in ihrer Familie gar nichts mehr gehe. Diese Zahl mache deutlich, wie hoch die Belastung der Familien aus verschiedensten Gründe ist. „Wir brauchen Ihre Erfahrung auch für zukünftige Herausforderungen“, warb Müller. Er dankte auch für kritische Worte, „denn es gibt unterschiedliche Sichtweisen“.

Kürbisfest in Rodgau-Jügesheim: Bilder

Die Glückwünsche des Landesverbandes überbrachte dessen Vorsitzende Verone Schöninger. „Kinder sind Experten in eigener Sache und eigenständige Persönlichkeiten, die Rechte haben. Wir wollen, dass die Kinderrechte in die Verfassung aufgenommen werden.“ Durch Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben könnten sich Kinder als Mitglieder der Gemeinschaft ansehen. Die Chancengerechtigkeit müsse gestärkt werden. Familien brauchten Angebote von Anfang an, aber auch in späteren Lebensjahren. Wertschätzung sei eine wichtige Grundlage für das Selbstwertgefühl der Kinder und ihrer Eltern.

In der Feier wurden auch das Projekt „Wellcome“, das „Insel-Projekt“ an der Gartenstadtschule und die Arbeit der Beratungsstelle vorgestellt. Neben der Einzelberatung bietet das Team auch regelmäßige Sprechzeiten in zwei Schulen und acht Kitas an, um alle Beteiligten ins Boot zu holen: Eltern, Kinder, Erzieher und Lehrer.

Die nächste Veranstaltung im Jubiläumsjahr ist das Kinder-Familien-Kino „Molly Monster“ am Samstag, 18. November, um 14 Uhr in den Saalbau-Lichtspielen. Der Eintritt ist frei. (ha)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare