Kirche wird zur Baustelle

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Mit vereinten Kräften räumten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die evangelische Kirche in Weiskirchen leer.

Weiskirchen - (eh) Die Renovierung der evangelischen Kirche in Weiskirchen kann beginnen. In den nächsten 14 Wochen soll das kleine Gotteshaus einen neuen Innenanstrich, einen neuen Parkettboden, moderne Stühle und eine neue Lautsprecheranlage erhalten.

Den Reformationstag am 31. Oktober will die Trinitatisgemeinde Rodgau-Rembrücken wieder in ihrer Kirche feiern. Bis dahin finden alle Gottesdienste im Dietrich-Bonhoeffer-Haus statt.

Das Kreuz ist abgehängt, die Bibel auf dem Altar ist zugeklappt und die Orgel steht jetzt im Gemeindehaus. Das Kreuz hat an den kahlen Wänden helle Flecken hinterlassen, die deutlich zeigen, dass es Zeit für eine Renovierung ist. Auch undichte Stellen und klemmende Beschläge an den Bleiglasfenstern müssen aufgearbeitet werden.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer packten am Montag feste mit an. Sie stapelten Gesangbücher in Umzugskartons, brachten Kerzenständer in Sicherheit und bauten ein grün-weiß gestreiftes Zelt auf, das in der nächsten Zeit als Zwischenlager für 130 Holzstühle dient. Die Jesusfigur wurde mit dem Auto ins Bonhoeffer-Haus chauffiert - auf dem Beifahrersitz und ordnungsgemäß angeschnallt.

Schon länger aus der Kirche entflogen ist der hölzerne Engel, der seit Jahrzehnten von der Decke herabhing. Die geschnitzte Figur ist im Zwei-Wochen-Turnus in Privatwohnungen zu Gast: Ein Engel auf Reisen.

Mit vereinten Kräften räumten ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die evangelische Kirche in Weiskirchen leer.

Der Engel ist eine Symbolfigur der Spendenaktionen, mit denen die Trinitatisgemeinde ihren Eigenanteil an den Renovierungskosten aufbringen will. Dazu zählen auch handlich kleine Engelfiguren, aus den Seiten ausrangierter Gesangbücher gebastelt. Bereits an Weihnachten hatten Kirchgänger die fragilen Figürchen in die Hand gedrückt bekommen. Das Motto: „Ich geb‘ dir einen Engel mit.“

Rund 8 000 Euro haben sich seither auf dem Spendenkonto angesammelt. Eine stattliche Summe, aber noch nicht genug, obwohl die Renovierung jetzt beginnt. Zwischen 60 000 und 70 000 Euro müssen die evangelischen Christen in Weiskirchen, Hainhausen und Rembrücken aufbringen. Das 200 000-Euro-Projekt hat zwar grundsätzlich den Segen der Landeskirche, doch für einzelne Teile gelten unterschiedliche Zuschusssätze. Während die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau 80 Projekt der Handwerkerkosten übernimmt, beteiligt sie sich an der Bestuhlung nur mit 50 Prozent. Da können sich die Weiskircher noch glücklich schätzen, wie Andreas Finkeldey vom Kirchenvorstand sagt: „Stühle sind normalerweise Gemeindesache.“

Die neuen Stühle sind stapelbar und lassen sich mit einem Handgriff zu Sitzreihen verbinden. Der Clou sind einlegbare Filzpolster, die oben rot und unten grau sind. „Damit können wir den Charakter des ganzen Raums verändern“, erläutert Kirchenvorsteher Winfried Steil.

Die Renovierung nimmt auch Rücksicht auf hörgeschädigte Gemeindemitglieder. Die Lautsprecheranlage erhält eine Induktionsschleife, die sich direkt in die Hörgeräte einkoppelt.

Stabil und bequem, aber unpraktisch: Von ihren Holzstühlen will sich die Gemeinde trennen.

Den kleinen Vorraum der Gustav-Adolf-Kirche wollen die Architekten mit geringem Aufwand aufwerten. Ein Beispiel: Der Abstellraum mit Spüle, rechts vom Eingang, soll zu einer Teeküche ausgebaut werden. Nach einer Hochzeit oder nach der Konfirmation ist dann zumindest eine bescheidene Bewirtung möglich. Das soll aber fast das einzige Extra bleiben. „Wir wollen den schlichten Charakter unserer Kirche erhalten“, sagt Finkeldey.
Die Renovierung ist auch so schon teuer genug. Auf rund 120 000 Euro beläuft sich der erste Bauabschnitt. Die restlichen 80 000 Euro hat die EKHN auf nächstes Jahr verschoben. Dazu zählen die Gestaltung der Außenanlage vor der Kirche und eine neue Orgel.

Aktionen

Die Aktionen zugunsten der Kirchenrenovierung gehen weiter:

- „Pop and Rock around the church“ (Pop und Rockmusik rund um die Kirche) heißt das Motto eines Benefizkonzerts am Samstag, 5. September, um 19.30 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

- Ein „kreativer Stuhlkreis“ steht am Samstag, 26. September, auf dem Programm. Gegen eine Spende kann man einen oder mehrere Kirchenstühle künstlerisch umgestalten und nach Hause mitnehmen. Die Stühle sind zwar mehr als 50 Jahre alt, aber sie bestehen aus Vollholz und sind sehr bequem, wie Generationen von Kirchgängern bestätigen können. Eine eingebrannte Markierung auf mehreren Exemplaren bezeichnet sie als „bombenstabil“.

- Die Hainhäuser Künstlergruppe „Unsere Art“ unterstützt die evangelische Trinitatisgemeinde mit einer Ausstellung am Sonntag, 8. November, nach dem Gottesdienst im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Quelle: op-online.de

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