Predigt per Podcast

Kirchenglocken in der Jackentasche

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Glockenläuten aus dem iPhone: Dietmar Wilhelm (links) und Roland Walden vor St. Nikolaus.

Rodgau - Die Glocken der katholischen Kirche St. Nikolaus passen in jede Jackentasche: Das Gottesdienstläuten ist als Handy-Klingelton erhältlich. Das Läuten fürs Smartphone gehört mit zum Originellsten, was auf den Internetseiten der Rodgauer Kirchengemeinden zu finden ist. Von Ekkehard Wolf

Besonders agil sind die Katholiken. Die bunte Vielfalt reicht von Kirchenchor- und Orgelmusik über Predigttexte bis zur theologischen Abhandlung. Manche Predigten kann man sich sogar auf den MP3-Player überspielen und nach dem Gottesdienst noch mal hören. 36 Sekunden lang läuten die Jügesheimer Kirchenglocken auf dem Handy. Das Geläut der Schwesterkirche St. Marien aus Dudenhofen klingt sogar fünf Sekunden länger. Dietmar Wilhelm vom Verwaltungsrat St. Nikolaus hat das Gottesdienstläuten beider Kirchen aufgenommen: „Dazu bin ich auf eine zehn Meter hohe Leiter geklettert.“ Das größte Problem waren die Hintergrundgeräusche. Vor allem fahrende Autos machten so manche Tonaufnahme unbrauchbar.

„Seit mindestens zwei Jahren“, so Wilhelm, stehen diese besonderen Klingeltöne auf der Kirchenhomepage zum Herunterladen bereit. Für den Jügesheimer ist es Ehrensache, dass er die Kirchenglocken ebenfalls auf dem iPhone hat. Das führt mitunter zu lustigen Situationen: „Wenn ich im Ortskern Jügesheim unterwegs bin und mein Telefon klingelt, dann drehen sich die Leute um und fragen: Was ist denn hier los?“ Andere machen ähnliche Erfahrungen: „Ab und zu hört man‘s bimmeln, dann lacht man sich an und weiß: Aha, ein echter Fan.“

Zu diesen Fans zählt auch Roland Walden, der ebenfalls dem Verwaltungsrat angehört: „Wenn die Glocken läuten, schauen alle anderen nach oben - und ich greife in die Jackentasche.“ Auf der Internetseite findet man die Klingeltöne beim „virtuellen Kirchenrundgang“ neben Bildern beider Kirchen und der Erklärung jedes einzelnen Nikolausfensters. Auch die Glocken des Mainzer Doms kann man im MP3-Format läuten hören: zwei Minuten und 16 Sekunden lang.

Orgelmusik mehrerer Epochen

Mehr Genuss fürs Ohr bietet die katholische Kirchengemeinde St. Matthias in Nieder-Roden, unter anderem Orgelmusik mehrerer Epochen. Zwei Dutzend Musikstücke haben Michael Schultheis und Björn Simon aufgenommen, alle auf der Schlimbach-Orgel von 1901, die laut Homepage „eine seltene Kostbarkeit, eine musikhistorische Rarität“ ist. Nur Erbsenzähler stören sich daran, dass manche Orgelstücke in den MP3-Dateien als Musikrichtung „Pop“ gekennzeichnet sind. Auch die Melodie des St.-Matthias-Liedes kann man sich via Internet anhören – den Text gibt‘s zum Mitlesen auf der Homepage.

Der Kirchenchor singt Händels berühmtes „Halleluja“ sowie „My Lord“ und 20 andere Chorwerke. Die Band „Komet“ ist mit rund 30 ausgewählten Gesangsstücken vor allem aus dem Sacropop vertreten, etwa „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ und „Ins Wasser fällt ein Stein“. Einige Songs weisen allerdings eine spartanische Tonqualität auf. Die reichhaltige Download-Sektion von St. Matthias bietet unter anderem zwei Kreuzwege mit Gebeten und Liedern, das Leitbild der Gemeinde und die Fastnachtspredigt von 2011. Besucher der Internetseite können auch elektronische Ansichtskarten versenden.

Bei der katholischen Pfarrgruppe Hainhausen/Weiskirchen kann man in einer „virtuellen Kapelle“ eine ebenso virtuelle Kerze entzünden. Das Anliegen, das man damit verbindet, ist auch für andere Besucher sichtbar – ein wesentlicher Unterschied zur echten Kerze in einer Kirche. Die virtuellen Kerzen brennen außerdem etwa zehn Tage lang. Neben den Internetseiten der beiden Gemeinden pflegt Pfarrer Ulrich Engel auch seine persönliche Homepage www.echt-katholisch.de: eine Fundgrube an Gedanken über Gott und die Welt. Engel bezeichnet sich dort als „kompetent - herzlich - unbequem“. Er weiß sich „dem katholischen Lehramt verpflichtet“.

Predigt als MP3-Datei

Wer die Gottesdienste versäumt hat, kann dort zahlreiche Predigten als MP3-Dateien herunterladen und nachhören. Neben den Sonntagspredigten der Lesejahre A (2010/11) und B (2011/12) gibt es auch Festtagspredigten zu 19 verschiedenen katholischen Festtagen von A (Allerheiligen) bis U (Unbefleckte Empfängnis). Trotz des oft großen Umfangs der Predigten sind die Tondateien recht klein, eine 26-Minuten-Predigt nimmt nur 6,5 Megabyte in Anspruch. Die Sprachqualität ist dennoch gut verständlich. Wer lieber lesen als hören möchte, kann viele Predigten als PDF-Dateien ausdrucken. Sie reichen zurück bis zum Lesejahr C (2009/10).

Neben Vorträgen und Bußandachten hat Pfarrer Engel auch einige theologische Schriften ins Netz gestellt: über den „Verlust des Mysteriums in der Liturgie“ (20 Seiten), zur „Vorbereitung auf die Feier der Krankenkommunion“ und „Über den Empfang der Heiligen Kommunion“. Umfangreichere Abhandlungen aus Engels Feder sind im Buchhandel erhältlich.

Ausgewählte Predigten zum Nachlesen gibt es auch bei der evangelischen Emmausgemeinde Jügesheim. Sie stammen aus den Jahren 2003 bis 2012. Dazu gehören unter anderem die Traueransprache für einen gestorbenen Jungen und Pfarrer Andreas Goetzes Abschiedspredigt vom Pfingstmontag 2012. Die Predigttexte sind technisch allerdings nicht für den Druck optimiert. Wer sie ausdruckt, erhält nur eine schmale Textspalte in sehr kleiner Schrift.

Diskussionsforum für Austausch und Trauerarbeit

Als einzige Kirchengemeinde in Rodgau bietet die Emmausgemeinde ein „vertrauliches“ Kontaktformular mit dem Versprechen, dass das Anliegen des Absenders ausschließlich bei Pfarrer Axel Mittelstädt landet.

Die drei anderen evangelischen Kirchengemeinden bieten im Internet allenfalls ein Standardprogramm: Gottesdienst- und Gruppentermine, Telefonnummern, Sprechstunden, ein bisschen Chronik. Bei der Trinitatisgemeinde Rodgau-Rembrücken funktioniert noch nicht einmal das Kontaktformular. Die evangelische Kirchengemeinde Nieder-Roden berichtet von den jüngsten Unternehmungen und beschränkt sich ansonsten auf ein paar dürre Sätze. Die Ratschläge „Was ist zu tun bei...“ (Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Todesfall) gipfeln fast immer darin, sich ans Gemeindebüro zu wenden. Bei der evangelischen Kirchengemeinde Dudenhofen kann man immerhin den Gemeindebrief „Brücke“ sowie Plakate längst vergangener Veranstaltungen herunterladen. Diese Gemeinde war die erste in Rodgau, die die interaktiven Möglichkeiten des Internets nutzte: Nach dem Weggang einer Gemeindepädagogin vor einigen Jahren bot ein Diskussionsforum Raum für Meinungsaustausch und Trauerarbeit.

Quelle: op-online.de

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