Kirchenneubau kann beginnen

Die Letzten machen die Kerzen aus

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20 Buntglasflügel wurden von den Helfern in Windeseile aus dem Kirchenraum ausgebaut – jedoch ohne die Rahmen, um den Kontakt zu den asbesthaltigen Baumaterialien zu vermeiden.

Rollwald - Mit großer Freude warten die Mitglieder der katholischen Pfarrgemeinde St. Matthias in Nieder-Roden und die Bürger von Rollwald auf den Neubau der Heilig-Kreuz-Kirche im kleinen Ortsteil Rollwald. Davor wird aber am 4. Von Christine Ziesecke

März der Bagger den alten Kirchenbau abtragen, der jetzt mit zahlreichen Helfern ausgeräumt und anschließend entweiht wurde.

„Schon um neun Uhr früh war eine große Anzahl von Menschen hier“, freute sich Heribert Söllner (66), Bauingenieur im Ruhestand, der 14 Jahre lang das Bauamt der Stadt Rodgau geleitet hat und auch seit langem Obmann und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Pfarrgemeinde und in dieser Funktion derzeit absolut unersetzlich ist. „Es ist sehr viel Arbeit derzeit“, gibt er zu, freut sich aber wie die ganze Gemeinde auf den bevorstehenden Neubau.

Das Ausräumen ging schnell

Vor kurzem noch unerlässliche Ausstattung einer Kirche, jetzt vorbereitet für den Sperrmüll: vom Kirchenstuhl bis zur alten Bank wird vieles im neuen Gotteshaus nicht mehr gebraucht.

Das Ausräumen ging schnell. Die Gemeinde ist mit dem angrenzenden Pavillon in der glücklichen Lage, alle weiterhin benötigten Materialien zu stapeln. Der Pavillon wird erst abgerissen, wenn der Kirchenneubau ganz abgeschlossen ist, nach Hoffnung von Heribert Söllner also etwa Ostern kommenden Jahres. Vieles wird dann in den neuen Kirchenraum zurückkommen.

Der Pavillon ist derzeit ein echter Segen, zumal die Küche weiter genutzt werden kann. „Schließlich haben wir vor, das Rollwaldfest auf dem Freigelände auch in diesem Jahr zu feiern. Hier ist schließlich der einzige Treffpunkt für die Menschen im Ortsteil.“ Deshalb wünscht sich die Pfarrgemeinde für den Neubau auch finanzielle Unterstützung von der Stadt Rodgau. Geplant sind statt der beiden derzeitigen Pavillons ein rund 100 Quadratmeter großer Kirchenbau mit rund 80 Sitzplätzen sowie ein angeschlossener kleiner Saal mit etwa 50 Quadratmetern, dazu Sakristei, kleine Küche, Abstellraum, Foyer und behindertengerechte Toiletten.

Pfarrei kommt mit 200.000 Euro für den Neubau auf

Von den 800.000 Euro Bausumme trägt das Bischöfliche Ordinariat Mainz 600 .00 Euro; der Rest ist von der Pfarrei zu leisten. Ein Zuschussantrag an die Stadt Rodgau ist unterwegs, aber bisher unbeantwortet geblieben. Die Zuschüsse werden nur zu den Kosten für den „weltlichen Teil“, also etwa alle Kommunikationsebenen, erbeten, zumal der neue Kirchenbau wie schon der alte tatsächlich viele Bereiche städtischer Sorge für ihre Bürger abdecken wird. „Schließlich haben wir gerade hier in Rollwald, wo sich so viele Einrichtungen und Geschäfte zurückziehen, eine soziale Verantwortung, die eigene Identität des Rollwalds zu bewahren“, hatte es Pfarrer Dr. Peter Eckstein im letzten Jahr formuliert.

Schon jetzt helfen viele Menschen außerhalb der Kerngemeinde mit. Ein Gemeindeglied hatte angefragt, ob es die Marienstatue solange aufbewahren solle – „Ja gerne, aber bitte wieder zurück“, schmunzelte Organisationschef Söllner.

Orgelabbau dauerte sechs Stunden

Die Orgel ist vom Organisten und einigen Helfern in sechsstündiger Arbeit abgebaut und im Pavillon wieder zusammengebaut worden. Der Beichtstuhl wird abgebaut und zunächst aufbewahrt, soll jedoch nicht wieder aufgebaut werden – im neuen Zentrum wird es keine Beichte mehr geben.

Die 20 Bleiglas-Fensterflügel wurden zuerst ausgebaut, aber ohne die Rahmen, um den Helfern den Kontakt mit dem asbesthaltigen Baumaterial zu ersparen. Der Glockenturm steht noch. Er wird von der Baufirma abgebaut. Erst während des Neubaus wird entscheiden, wo er wieder aufgebaut werden soll. Nach dem Abriss am 4. März ist der erste Spatenstich für den Neubau für Ende März geplant.

Um Abriss und Neubau kümmern sich Fachfirmen

„Wir hoffen, dass bis dahin auch Pfarrer Eckstein wieder bei uns sein kann, der zurzeit in einer Klinik weilt“, wünscht sich Heribert Söllner. Auch Diakon Walter Habdank, nach längerer Krankheit auf dem Weg der Genesung, fehlt der Gemeinde sehr.

Die meisten der vielen Helfer haben jetzt erst mal etwas Ruhe – Abriss und Neubau werden von Fachfirmen ausgeführt. Die allerletzten Stücke wurden nach der Entweihung ausgeräumt.

Die Räumaktion der Heilig-Geist-Kirche in Bildern

Heilig-Kreuz-Kirche vor Neubau ausgeräumt

Für den eigens angereisten Ehrendomkapitular Klaus Forster vom Bischöflichen Ordinariat in Mainz war es ebenso die erste Entweihung – fachmännisch „Profanierung“ – wie für die Anwesenden: „So etwas kommt sehr selten vor, dass eine Kirche abgerissen und neu erbaut wird.“ Im Sinne des Kanonischen Rechtes muss dieser Schritt vollzogen werden – der nächste wird dann die Weihe des neuen Zentrums sein. Derweil besuchen die katholischen Bürger aus Rollwald den Gottesdienst in Nieder-Roden.

Quelle: op-online.de

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