Kita-Ärger schaukelt sich hoch

Jügesheim (eh) - Der Streit um die Dachsanierung der evangelischen Kindertagesstätte Jügesheim geht in eine neue Runde. Mit der Abdichtung einer Teilfläche, die die Stadt als Hauseigentümerin zugesagt hat, gibt sich die Emmausgemeinde nicht zufrieden.

Nun versucht sie über die Eltern Druck auf die Entscheidungsträger im Rathaus auszuüben. „Liebe Eltern, wir wissen nicht weiter“, heißt es auf einem roten Handzettel, der im Ort kursiert. Der kirchliche Kita-Ausschuss ruft die Eltern auf: „Helfen Sie im Interesse der Kinder dabei, dass eine umfangreiche Sanierung der Kita bald Wirklichkeit wird.“ Gefordert werden darin eine umfassende Sanierung des Gebäudes, mehr Platz zum Mittagessen und eine Teilzeitstelle zur Koordination des Familienzentrums.

Stadtrat Michael Schüßler (FDP), als Hochbau- und Sozialdezernent doppelt zuständig, sieht in diesem „Brandbrief“ eine neue Eskalation eines schon länger schwelenden Streits. Eltern würden mit unvollständigen Informationen „bewusst instrumentalisiert“. Mit dem Papier werde die Verständigung zwischen Stadt und Kirchengemeinde zerstört. Schüßler: „Ich habe Zweifel, ob eine vertrauensvolle Zusammenarbeit weiterhin möglich ist.“

Vertrauensvolle Zusammenarbeit stehe infrage

Von einem Brandbrief will Pastor Andreas Goetze nicht sprechen. Es handele sich nur um eine Elterninformation, die längst fällig sei: „Die Eltern fallen jetzt aus allen Wolken. Sie haben seit drei Jahren alles in Kauf genommen. Jetzt erleben sie, ihr ganzes Stillhalten hat nichts genutzt.“ Der Kirchenvorstand werde auch an die Fraktionsvorsitzenden des Stadtparlaments schreiben.

Eine Dachabdichtung, wie sie der Magistrat für den Sommer plant, ist dem Pastor zu wenig: „Es geht uns darum, dass das Dach ganz saniert wird und dass die 40 Jahre alten Fenster ausgetauscht werden.“ Die Kirchengemeinde beruft sich auf den städtischen Haushaltsplan, in dem Mittel für die Kita Berliner Straße bereitstehen - allerdings zur „Aufstockung für Kleinkindbetreuung“. Diese Aufstockung war im Gespräch, ist der Stadt aber nun zu teuer. Das Geld lasse sich nicht ohne Weiteres auf ein Sanierungsvorhaben übertragen, sagt Stadtrat Schüßler. „Das Dach wäre schon längst erledigt, wenn wir uns nicht im Herbst auf eine Diskussion mit dem Kirchenvorstand eingelassen hätten“, meint Bürgermeister Hoffmann.

In einem Punkt sind sich Pastor Goetze und Stadtrat Schüßler einig: Die vertrauensvolle Zusammenarbeit sei infrage gestellt - natürlich von der jeweils eigenen Seite. Michael Schüßler sprach gestern vor der Presse erstmals die Möglichkeit an, die Kita Berliner Straße künftig nicht mehr als kirchliche, sondern als städtische Einrichtung zu führen. Der Vertrag zwischen Stadt und Kirche kann frühestens zum Jahresende 2012 gekündigt werden.

Quelle: op-online.de

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