Kita-Köche sind bald überfordert

Rodgau ‐ Ganztagsplätze in den Kindertagesstätten haben Hochkonjunktur, doch der rasante Ausbau stößt an Grenzen. Bald bleiben so viele Kinder zum Mittagessen, dass die Küchen überfordert sind. Von Ekkehard Wolf

Die Folge: Statt alles frisch zu kochen, versucht es die Stadt im nächsten Jahr mit einer Kombination aus Tiefkühlware und Frischkost. Ein zweiter absehbarer Engpass lässt sich nicht so einfach lösen: Der Nachwuchs an Erzieherinnen wird knapp.

Der Rechtsanspruch auf einen Platz im Kindergarten ist erfüllt, doch der Nachfrage wird das Angebot in Rodgau noch nicht gerecht. „Alternativlos“ nennt Sozialdezernent Michael Schüßler (FDP) einen weiteren Ausbau der Ganztagsplätze: Das Kinder- und Jugendhilfegesetz verpflichte die Kommune, ein bedarfsgerechtes Angebot vorzuhalten.

Seit Jahren investiert die Stadt Rodgau kräftig in die Bildung der Kinder in den ersten Lebensjahren. Zudem strebt sie den gebührenfreien Kindergarten für alle Drei- bis Sechsjährigen an. Damit ist Rodgau ein Spitzenreiter in der Region. Der Preis dafür: Der Zuschussbedarf der Kindertageseinrichtungen klettert 2011 auf knapp 8,2 Millionen Euro. Das ist der größte Brocken des Haushaltsdefizits von 13,86 Millionen.

„Das gesamte Betreuungsangebot befindet sich in einem rasanten Wandel“, sagte Stadtrat Schüßler im Sozial- und Kulturausschuss, als er den Kita-Bedarfsplan für 2010/11 vorstellte. Neue Plätze für die Kleinsten unter drei Jahren lassen sich nur durch Neubauten schaffen. Auch die Betreuung der Grundschüler stößt an Grenzen.

Am deutlichsten wird die veränderte Nachfrage aber bei den Drei- bis Sechsjährigen. Der herkömmliche Halbtags-Kindergarten wird zum Auslaufmodell. Bereits jetzt bleiben durchschnittlich 55 Prozent der Jungen und Mädchen über Mittag. Mal sind es nur 35 Prozent, wie im Kindergarten „Eulennest“ im Herzen Dudenhofens, mal aber auch 68 Prozent in der „Burg Schlotterstein“ am Alten Weg in Jügesheim. Ginge es nach den Eltern im Neubaugebiet, hätten dort fast alle der 83 Kinder (95 %) einen Ganztagsplatz. Das aber schafft die Küche kaum.

Die städtische Jugendabteilung um Frank-Ulrich Lenz hat erstmals bei allen Kindergarten-Eltern den Betreuungsbedarf abgefragt. „Das Ergebnis hat uns in Teilen dann doch überrascht“, berichtet Michael Schüßler. 71 Prozent der Eltern meldeten Bedarf von früh bis spät an. Zum Vergleich: 2008 gab es in den Kitas erst 30 Prozent Ganztagsplätze; im Plan „Rodgau bildet Zukunft“ erschienen 50 Prozent damals als hehres Ziel. „Da hat uns das Faktische überholt, die Nachfrage ist einfach da“, gesteht der Sozialdezernent ein. Er sieht die Stadt unter einem „gewissen Handlungsdruck“. Wenn es nach den Eltern geht, muss die Stadt zu den vorhandenen 469 Ganztagsplätzen weitere 142 schaffen.

Der Gesamtkindergartenbeirat diskutierte vor zwei Wochen über Schüßlers Vorschlag, das Essen von einem externen Lieferanten zu beziehen. Drei Kindertagesstätten in Dudenhofen und Nieder-Roden werden zunächst von April bis Ende 2011 mit Tiefkühlkost beliefert, die sie vor Ort durch frisch zubereitete Bestandteile ergänzen.

Ein größeres Zukunftsproblem: Wie kann man genügend pädagogische Fachkräfte für die Kitas gewinnen? Der Ausbau der Kleinkindbetreuung und der landesweit erhöhte Personalschlüssel erfordern mehr Erzieher/innen. „Die Stadt Rodgau ist zurzeit noch in der Lage alle Stellen zu besetzen“, heißt es im neuen Kita-Bedarfsplan. Zunehmend schwierig werde die Besetzung befristeter Stellen zur Vertretung bei Elternzeit oder Krankheit. Da die Ausbildung in Rodgau bei den Fachschulen für Sozialpädagogik einen guten Ruf genieße, hoffe die Stadt junge Fachkräfte an sich zu binden. Eine Beschäftigungsgarantie nach dem Ende des Anerkennungspraktikums reicht womöglich bald nicht mehr aus, befürchtet Stadtrat Schüßler: „Die Stadt Frankfurt bezahlt bereits über Tarif.“

Quelle: op-online.de

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