Kleine Paradiese im Grünen

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Marianne und Alfred Bruder inmitten ihres 1 200 Quadratmeter großen Gartens in Jügesheim.

Rodgau ‐ In Gärten von 13 Gartenbegeisterten und beim Kleingärtnerverein Dudenhofen konnten interessierte Hobbygärtner am dritten Tag der offenen Gärten in Rodgau Anregungen und Ideen sammeln. Von Peter Petrat

Bei bestem Wetter bewunderten sie die Schönheit der Natur. Viele Besucher unternahmen eine kleine Fahrradtour durch die Stadt, um möglichst viele Gärten zu sehen. Erkennbar waren die Stationen bereits von weitem durch eine gelbe Fahne.  In England, den Niederlanden und Norddeutschland haben offene Gärten bereits eine lange Tradition. Privatleute präsentieren ihre Gärten der Öffentlichkeit, um ins Gespräch zu kommen, andere Garteninteressierte kennen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen. Abgerundet wurde die Gartenschau getreu dem Motto „gARTen 2010“ von vielen Künstlern, die ihre Werke zur Schau stellten.

Mit 1.805 Quadratmetern war der Naturgarten von Ingrid Brunner eine der größeren Anlagen am Tag der offenen Gärten. Seit sechs Jahren hat die Besitzerin für sich und ihren Mann eine von außen unscheinbare eigene Oase mit vielen Sitzecken geschaffen. Doch zuvor mussten fast 40 Bäume auf dem Gelände weichen. Mit einem kleinen Keller als Vorratsraum und mehreren Hütten ist genügend Platz für Gäste, die Ingrid Brunner gerne einlädt. Aber manchmal sei es auch schön, die Stille zu genießen, meint sie.

Trotz eines Platzes für einen Pool und einem Sau na häus chen bekommt die Natur in diesem Garten eine Menge zurück. Ein Katzenhaus, viele Vogelhäuschen und Igelhütten zum Überwintern sowie ein Insektenhotel zeigen die Naturverbundenheit. Die Besitzerin, die ganz in der Nähe ihres Gartens wohnt, liebt Blumen, allen voran Dahlien. Aber auch Bohnen, Tomaten, Erdbeeren, Gurken, Radieschen und vieles mehr wächst auf dem hinteren Teil des großen Grundstücks rund um ein kleines Gewächshaus herum.

Die gute Beziehung zu den Nachbarn ist Ingrid Brunner besonders viel wert. Einer der Künstler, der in diesem beeindruckenden Umfeld seine Werke präsentierte, war der Holzkünstler Karl Menge. Wurzeln und Holzstücke, die er aufwändig gereinigt und bearbeitet hat, stehen auf einem Granitsockel. Welche Figuren der Betrachter darin sieht, ist seiner Phantasie überlassen.

Pflanzen unterstützen sich gegenseitig

Achim Jaeger und sein Lebensgefährte Dieter Mergenthal haben sich im Altort Nieder-Roden ihr eigenes grünes Reich geschaffen. Auf rund 300 Quadratmetern zwischen Scheunen und Fachwerkhäusern ist den letzten acht Jahren ein mit Stauden und Blumen bepflanzter Innenhof entstanden. Auch hier wurde darauf geachtet, mehrere unterschiedliche Sitzmöglichkeiten einzurichten.

Auch wenn jeder der Mieter eingeladen ist, sich einen Flecken auszusuchen, übernehmen die beiden Eigentümer die Gesamtpflege. Sie versuchen so zu pflanzen, dass sich die Pflanzen gegenseitig stützen und man nicht mit Schnur oder Holzstäben nachhelfen muss. Sandsteinskulpturen von Dieter Mergenthal waren inmitten des Grüns zu sehen.

Ein lauschiges Plätzen direkt am Gartenteich haben sich und Jutta und Norbert Koser hinter ihrem Haus eingerichtet.

Achim Jaeger und Dieter Mergenthal hatten den Tag der offenen Gärten 2005 ins Leben gerufen, damals noch auf Nieder-Roden beschränkt. Ein Jahr später übernahm Karin Köhler in Jügesheim die Idee. Nun öffneten zum dritten Mal in ganz Rodgau die Gärten ihre Tore. Der Austausch an Erfahrung komme der Gartenkultur insgesamt zu Gute, so Jaeger: Die Aktion steigere die Motivation und die Sorgfalt, um den Garten vorzeigen zu können.

Ganz unscheinbar und von der Straße aus erst nicht zu erkennen, liegt der Garten von Jutta und Norbert Koser in Jügesheim. Seit knapp 25 Jahren leben die beiden im ehemaligen Elternhaus auf dem 500 Quadratmeter großen Grundstück. Während sich Norbert Koser um die groben Erdarbeiten kümmert, plant Ehefrau Jutta und entfaltet sich kreativ beim Anpflanzen. Der Garten ist dem englischen Stil nachempfunden. Auf Gift wird komplett verzichtet, stattdessen setzt man auf natürliche Hausmittelchen gegen Schädlinge.

Besonders der 20 Jahre alte Teich macht viel Arbeit, gibt dem Garten aber zusammen mit den vielen verteilten alten Sammlerobjekten auch etwas Besonderes. Auch das Ehepaar Koser, das nun zum dritten Mal mitgemacht hat, hat mehrere lauschige Sitzplätze in ihrem Garten, um vom Stress des Alltags einfach mal abschalten zu können. „Auch im Regen kann ein Garten einen besonderen Charme entwickeln“, schwärmen die beiden, „etwa wenn man aus dem Fenster der Werkstatt mitten in den Garten blickt.“

Die offenen Gärten blühen auch im Internet.

Aus einem ehemaligen Gemüsegarten haben Marianne und Alfred Bruder in den letzten Jahren einen wunderschönen und gepflegten Garten auf 1 200 Quadratmetern entstehen lassen. Das Grundstück erstreckt sich von der Mühlstraße bis hinab zur Rodau. Trotz der Größe ist jedes Stück mit viel Liebe gestaltet und gehegt. „Es macht natürlich viel Arbeit, aber auch sehr viel Spaß, weil ich gestalten kann“, erklärt Marianne Bruder. Was ihr nicht mehr gefällt, wird einfach geändert und neue Ideen werden ausprobiert.

Als Freundin mediterraner Pflanzen hat Marianne Bruder neben Kräutern auch Oliven, Feigen, Zitronen und Oleander gepflanzt. Einige der empfindlichen Pflanzen kommen über den Winter in das eigens gebaute Blumenhaus. Das Fachwissen hat sie sich selbst beigebracht oder aus Büchern und Zeitschriften angelesen. Die hilfreichsten und verständlichsten Tipps gebe es jedoch von anderen Gärtnern, betont Marianne Bruder. Die Eheleute, die zum ersten Mal teilnehmen, waren von den vielen Besuchern überrascht. Bereits am Mittag waren über 300 Besucher auf dem Rasen herumspaziert, hatten Fragen gestellt und Lob und Anerkennung ausgesprochen.

Quelle: op-online.de

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