Klima setzt Bäumen zu

+
Dass sich Platanen häuten wie eine Schlange, gilt unter Baum-Kennern als normal. „So schlimm wie in diesem Sommer war es aber noch nie“, sagt Christina Breuninger vom städtischen Bauhof. Eine zu Rat gezogene Fachfirma führt das Phänomen auf die Wetter-Extreme zurück und versichert, die Bäume würden sich regenerieren.

Rodgau - (bp) Die Platanen an der Heinrich-Böll-Schule sehen zum Erbarmen aus. In großen Fetzen hängt ihre Rinde vom Stamm herab. Als häute sich der Baum wie eine Schlange. Dieses Phänomen ist bei Platanen zwar normal.

Denn die Borke wächst mit dem Stamm nicht mit und platzt deshalb ab. „Aber so schlimm war es noch nie“, sorgt sich Christina Breuninger vom städtischen Bauhof. Sie hält engen Kontakt zu Experten von Gartenbaufachbetrieben. Die Baum-Kenner sagen, das Klima habe den Platanen zugesetzt. Sie würden sich allerdings ganz sicher wieder erholen.

Das auffällige Phänomen an der Wiesbadener Straße in Nieder-Roden ist in Rodgau kein Einzelfall. Der Bauhof beobachtet massenweise solche Probleme. Die Witterungsschwankungen in diesem Jahr waren „auffällig“, heißt es in einem Schadensbericht des Bauhofs. Nach dem extrem kalten und langen Winter mit teils minus 20 Grad und einem schnellen und „extremen Temperaturanstieg im April“ mit 20 Grad und mehr präsentiert die Natur nun die Rechnung. Klimaschwankungen verursachen bei den Bäumen Stress. Sie haben es „immer schwerer, mit den inzwischen vorherrschenden mediterranen Bedingungen zurechtzukommen.“ Überdies leiden viele Bäume unter ihren ungünstigen Standortbedingungen. Baumscheiben sind zu klein, der Boden verdichtet und versiegelt. Tiefbauabteilung und Bauhof bemühen sich, diese Nachteile zu beseitigen.

„Früher und umfangreicher Fruchtstand“

Auffallend sei in diesem Jahr „der extrem frühe und umfangreiche Fruchtstand“. Dadurch verlören Bäume frühzeitig ihre Blätter, „weil die Kraft der Wurzeln in die Fruchtstände wandert“. Dies habe nichts mit Trockenheit zu tun, versichert der Bauhof. Nach Rücksprache mit „anerkannten Baumpflegefirmen“ sei gewiss, „dass sich die Bäume wieder regenerieren“.

DATEN, FAKTEN 

- 5 000 Bäume sind im städtischem Baumkataster erfasst. Sie werden einmal im Jahr - etwa auf ihre Standsicherheit hin - untersucht.

- Die Stadt appelliert an ihre Bürger, Baumpatenschaften zu übernehmen. Das bedeutet: wässern, Baumscheibe von Unkraut und Müll befreien, Schäden am Baum oder seinen Halte-Pfählen (bei jungen Gehölzen) sofort dem Bauhof melden. Kontakt: Christina Breuninger, Tel: 8296 4365 und Siegfried Baumann, Tel: 8296 4325.

Bei den Platanen habe die „Zweigdürre“ den „extrem frühen Blattabwurf verursacht“. Experten geben aber Entwarnung: „Aufgrund der Erfahrungen aus südlichen Regionen ist zu erwarten, dass sich die Platanen wieder regenerieren.“
Die Laubmengen so früh im Sommer haben den Bauhof und die von der Stadt beauftragten Gartenbaubetriebe aber stark beansprucht. Die Menge an Laub im Sommer „hat sich gegenüber den vergangenen Jahren auffallend erhöht“, heißt es in dem Bericht weiter.

Ahorn und Linde leiden dieses Jahr besonders unter Mehltau und Blattläusen. Und Pilze infizieren die Wurzeln von Linden (etwa der Luther-Linde an der evangelischen Kirche in Dudenhofen). Diese Infektion verschließt die Hauptleitbahnen. Ganze Astpartien sterben deshalb ab.

Eine große Herausforderung war die Beseitigung der zahlreichen Nester des Eichenprozessionsspinners. Der Bauhof plagte sich mit 1 000 Nestern herum!

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare