Kluger Kopf aus Dudenhofen

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Die „Dicke Tanne“ auf dem Gelände des Opel-Testzentrums schützt Förster Hans-Albert Kaspar (Zellhausen) als Naturdenkmal. Schon vor 150 Jahren sah der damalige Dudenhöfer Oberförster Martin Faustmann diese Kiefer wachsen. Von den großen Kiefernbeständen aus Faustmanns Zeit im Dudenhöfer Wald sind noch etwa 50 Hektar erhalten.

Dudenhofen (eh) ‐ Mehr als 50 Forstwissenschaftler aus vielen Ländern starten am Samstag an der Gänsbrüh zu einer Exkursion durch den Stadtwald Rodgau und den Wald bei Seligenstadt. Anlass ist das dritte internationale Faustmann-Symposium, das gestern im Jagdschloss Kranichstein begonnen hat.

Der Name der Tagung erinnert an den Dudenhöfer Oberförster Martin Faustmann, dem vor genau 160 Jahren eine bahnbrechende Entdeckung gelang: Er stellte eine mathematische Formel auf, mit der man den Ertragswert eines Waldbodens berechnen konnte. Die Faustmann-Formel ist weltbekannt, auch wenn sich Forstwirte heute nicht mehr ausschließlich daran orientieren.

Als Großherzoglich Hessischer Oberförster war Martin Faustmann von 1857 bis 1876 für Dudenhofen zuständig. Sein Dienstsitz war im Schloss von Babenhausen. Aus seiner Zeit stehen noch rund 50 Hektar an Kiefernbeständen, vor allem am Opel-Testzentrum. Zu seiner Oberförsterei gehörten auch Nieder-Roden, Ober-Roden, Eppertshausen, Hergershausen, Dietzenbach, Sickenhofen und Messenhausen.

Reisigbündel fürs Heizen produziert

Im Gegensatz zu heute, wo wertvolles Stammholz im Mittelpunkt steht, war zu Faustmanns Zeiten Scheit- und Prügelholz als Brennstoff gefragt. Außerdem wurden Reisigbündel („Wellen“) zur Beheizung der Backöfen und Waldstreu für die Viehställe produziert. Stammholz wurde nur in geringem Umfang als Bauholz geschlagen. Neue Kiefernwälder wurden dann mit den Samen begründet, die zuvor in den alten Beständen geerntet worden waren.

Den Ertragswert eines Waldbodens hat Martin Faustmann 1849 in einer Formel zusammengefasst, die viele Kennzahlen berücksichtigt.

Sein hohes Ansehen in der Fachwelt erwarb sich Martin Faustmann aber nicht mit der Alltagsarbeit, sondern mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten. Er setzte sich mit Rentabilitätsmodellen auseinander, vor allem mit der „Bodenreinertragstheorie“. Diese Theorie geht von dem Grundgedanken aus, Wald dann zu nutzen, wenn das Kapital aus eingesetztem Boden und Baumbestand den größten Zinsgewinn verspricht. Das wäre nach heutigen Maßstäben nach 50 bis 70 Jahren. Bei strenger Anwendung dieser Theorie gäbe es jetzt keine alten Waldbestände mehr.

Aufgaben des Waldes haben sich verändert

Lesen Sie mehr zu Formel und Symposium auf der Internetseite des Lehrstuhls für Forstliche Wirtschaftslehre der TU München.

Heute dient der Wald nicht mehr allein der „lucrativen Holzzucht“, wie zu Faustmanns Zeiten, sondern hat noch viele andere Aufgaben: Erholung, Naturschutz, Grundwasserhaltung, Lärmschutz… Faustmanns Theorie hat deshalb hier zu Lande nicht mehr die hohe Bedeutung wie etwa in Schwellenländern. „Forstökonomie in einer dynamischen und sich ändernden Welt“ ist das Thema der wissenschaftlichen Fachtagung, die nur noch im Namen an den klugen Kopf aus Dudenhofen erinnert.

Quelle: op-online.de

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