Königin ist ab zwölf Euro zu haben

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Beim Imkerverein Maingau treffen erfahrene Bienenfreunde auf Neueinsteiger. Im Garten von Arnold Werner tauschen Alois Okon (Waldacker), Rudolf Beck (Obertshausen), Berthold Scholdis (Heusenstamm) und Heribert Schwab (Dudenhofen) Wissenswertes über die Königinnenzucht aus.

Jügesheim - Ein Staatsoberhaupt aus der Nähe zu betrachten, dafür bedarf es langer Wartezeiten oder der Listigkeit der Paparazzi. Beim Imkerverein Maingau finden sich Hunderte von gekrönten Häuptern. Allerdings sitzen diese den lieben langen Tag in dunklen Bienenkörben. Von Andreas Pulwey

Bis das Oberhaupt eines Bienenvolkes beim Imkerverein Maingau ankommt, hat es eine lange Reise hinter sich. Beim Hessischen Bieneninstitut eingekauft, gehen die 15 bis 18 Millimeter kleinen Insekten auf die Reise zur Nordseeinsel Norderney – zur Begattung. Denn dort sitzen die ausgesuchten Vatervölker, wie Arnold Werner erklärt. In seinem Garten an der Eisenbahnstraße lauschen 16 Neu-Imker und erfahrene Kollegen seinem Vortrag über die Königinnenzucht. Schließlich sollen die „Royals“ in der Region ihre Erbinformationen tausendfach weitergeben.

Arnold Werner nimmt ein winziges Löffelchen und setzt eine Bienenmade in eine spezielle Königinnenzelle. Nur so füttern die Arbeiterinnen die Made mit dem besonderen Gelée Royal - eine Königin entsteht.

Ab zwölf Euro ist eine neue Herrscherin zu haben. Aber was nützt das beste Staatsoberhaupt, wenn kein Volk vorhanden ist?

Wegen der abnehmenden Anzahl von Imkern und Bienenvölkern in Deutschland trat der Deutsche Imkerbund 2007 die Flucht nach vorne an. An der Aktion „Neuimkergewinnung“ beteiligte sich auch der Imkerverein Maingau um den heutigen Vorsitzenden Günter Keim. Mit riesigem Erfolg. Die Zahl der Aktiven verdoppelte sich in zwei Jahren. Die Erfahrenen im Klub kümmern sich intensiv um die Neulinge, sogar ein Vorstandsposten „Neuimkerbetreuung“ wurde durch Erhard Henz besetzt.

Ein sehr gutes Zeugnis stellen die „Neuen“ unter den Honigproduzenten ihrem neuen Verein unisono aus: Sie fühlen sich gut betreut und aufgehoben.

Aber was fasziniert die neuen Bienenfreunde so sehr an dem Hobby? Vincent Winter sieht die Imkerei wissenschaftlich. Der 14-Jährige begeistert sich für die Zusammenarbeit der Staaten bildenden Insekten. Versucht eine Hornisse in den Stock einzudringen, so erklärt Vincent Winter, fallen die viel kleineren und schwächeren Bienen über den Eindringling her. Da die Hornisse wärmeempfindlicher als die Verteidiger ist, heizen diese dem Gegner ein, bis dieser am einem Hitzschlag stirbt.

Die Möglichkeiten zur Schulung in Sachen Imkerei nimmt auch Robert Schilke aus Sickenhofen wahr. Die Zucht der Königinnen hat es ihm besonders angetan.

Durch die erhöhte Zahl an Imkern steht der Honigproduktion und der Bestäubung der Obstblüten in den nächsten Jahren nichts mehr im Wege. Für Arnold Werner eine Ehrensache, sich weiter um diesen Baustein im Baukasten der Natur zu kümmern. „Wir haben nur diese Natur“ sagt er. „Die Imkerei ist mein Beitrag zum Erhalt.“

Quelle: op-online.de

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