Amtsgericht muss weitere Zeugen hören

Konflikt in der Rodgau-Passage endet vor Gericht

Rodgau - Ein spektakulärer Fall vom August 2015 beschäftigt derzeit das Offenbacher Amtsgericht. Damals jagte ein heute 51-jähriger Angeklagter einen Mann mit einem Vierkantholz durch die Rodgau-Passage in Jügesheim. So sieht es jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Von Stefan Mangold

Weil noch Zeugen befragt werden sollen, gibt es noch kein Urteil. Auch ein psychiatrisches Gutachten steht noch aus. Aus acht Punkten besteht die Liste, die der Staatsanwalt vor dem Schöffengericht in Offenbach dem Angeklagten vorliest. Der Rodgauer soll 2015 seine Nachbarn mehrfach beleidigt und körperlich attackiert haben, außerdem den ehemaligen Mieter seiner Privatwohnung massiv bedroht und versucht haben, ihn mit einem Vierkantholz zu verletzten.

Der gutbürgerlich wirkende Angeklagte kommentiert gegenüber Richter Manfred Beck und den beiden Schöffen die Anklagepunkte mit den Worten: „Es ist mir suspekt, wie man mich in so einem Licht darstellen kann“. Anfangs habe er zu den Nachbarn ein gutes Verhältnis gepflegt, auch gemeinsam gefeiert. Dann hätten sich Probleme entwickelt. Der 51-Jährige schildert Klassiker des deutschen Nachbarschaftsstreits: Grundstücksverlauf, Hecke, Teich, Zaun, verwilderter Garten. Sätze wie „Du Arschloch, ich mach Dich kalt“, habe er partout nie formuliert. Das einzige, was er sich vorstellen könne, sei, dass die Nachbarn von ihrer Terrasse aus gelauscht hätten, wie er zu seiner Frau vielleicht tatsächlich einmal etwas in der Qualität von „so ein Wichser“ sagte – sich außer Hörweite wähnend.

Außerdem geht es um das Ereignis vom August 2015, als der Angeklagte einen Ladenbesitzer mit einem Vierkantholz und den Worten, „Ich mach dich kalt“, mehrfach um die Passage verfolgt haben soll. Er habe tatsächlich mit dem Mann das Gespräch gesucht, „weil der meiner betagten Mutter 17.000 Euro Hotelkosten abnahm, weil die Mietwohnung angeblich nicht mehr bewohnbar gewesen sei“.

Ein Zeuge erklärt, er habe gesehen, wie der Angeklagte erst in der Ladentüre gestanden und den Mann dann bedroht habe. Er habe auf seinen Einwand zu hören bekommen: „Willst du auch eine rein?“ Dann sei der Inhaber weggerannt, der Angeklagte hinter her. Ein Vierkantholz habe er aber nicht bemerkt. Der Angeklagte wirft ein, den Zeugen „in meinem Leben noch nie gesehen zu haben“. Das Problem: Der Ladeninhaber als Betroffener folgte der Ladung des Gerichts nicht. Als Richter Beck ihn anruft, erklärt er, gerade beim Arzt zu sitzen.

Ein Polizist erinnert sich, der Angeklagte sei in der Rodgau-Passage erst mal ruhig auf sie zu gegangen, habe dann aber erklärt, sich bei seinem Anwalt erkundigt zu haben, „was ich bekomme, wenn ich dem den Schädel einschlage“. Letztlich habe er einen Eindruck hinterlassen, der Anlass gab, den Mann zunächst einmal in die Psychiatrie zu bringen.

Ein weiterer Zeuge der Geschehnisse, zufällig ein früherer Nachbar des Angeklagten, sagt aus, der Angeklagte habe den Arm um den Ladenbesitzer gelegt, der daraufhin auf die Hauptstraße geflohen sei. Auf die Frage des Richters, wie der Angeklagte sich während der langen Zeit der Nachbarschaft verhalten habe, antwortet der Mann: „Unauffällig. Streit gab es nie“. Zum nächsten Sitzungstermin sollen die aktuellen Nachbarn und der Ladenbesitzer im Zeugenstand erscheinen. Das psychiatrische Gutachten steht ebenfalls noch aus.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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