Konkurrenz am Kamin

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Viele Hausbesitzer erhalten Post vom Schornsteinfeger. Er weist darin auf Neuerungen hin.

Rodgau (pul) - Der Schornsteinfeger kommt, auch ohne dass man ihn eigens anruft. In Zukunft soll das anders sein. Ab 2013 haben Hauseigentümer die Wahl, wer den Schornstein kehren und die Heizung kontrollieren soll.

Dafür bleiben aber auch die bürokratischen Arbeiten am Bürger hängen.

Anfang des Jahrtausends stellten die EU-Bürokraten fest: Das deutsche System der an einen bestimmten Bezirk gebundenen Schornsteinfeger ist nicht EU-konform. Brüssel erwartet seitdem Änderungen von der Bundesregierung. Erst Ende 2008 stellte der Bund mit einem neuen Gesetzestext die Weichen für die Liberalisierung des Marktes, berichtet Peter Hoffmann, Obmann in der Kreisgruppe Offenbach der Schornsteinfegerinnung Darmstadt.

Künftig suchen sich Hausbesitzer Schornsteinfeger des Vertrauens selbst aus

Deshalb fällt am 1. Januar 2013 die Monopolstellung der Schornsteinfeger in Deutschland. Bisher arbeiteten die schwarz gekleideten Glücksbringer konkurrenzlos bis zu ihrem Ruhestand in einem der ihnen zugewiesenen 7800 Kehrbezirke in Deutschland. Künftig suchen sich Hausbesitzer bei Arbeiten wie Schornsteinfegen und Überprüfen und Messen der Heizungsanlage ihren Schornsteinfeger des Vertrauens selber aus.

Fällt die Wahl auf einen anderen qualifizierten Marktteilnehmer, bleiben aber die bürokratischen Arbeiten am Eigentümer hängen. Als Nachweis, dass er die gesetzlich vorgeschriebenen Tätigkeiten des Kaminkehrers auch tatsächlich ausführen ließ, hat er dies schriftlich festzuhalten. Das ausgefüllte Formular geht dann an den Bezirksschornsteinfeger.

Versicherungstechnische Verantwortung liegt nicht mehr am Schornsteinfeger

Welche Arbeiten regelmäßig durchgeführt werden müssen, steht im so genannten Feuerstättenbescheid, den die Eigentümer bis Ende 2012 erhalten. Die Überwachung der turnusmäßigen Kaminreinigung und Heizungsprüfung obliegt dann dem Hauseigentümer. Somit liegt auch die versicherungstechnische Verantwortung nicht mehr am Schornsteinfeger, sondern beim Eigentümer, erklärt Peter Hoffmann weiter.

Als Erweiterung ihres Angebots ließen sich viele Schornsteinfeger als Energieberater ausbilden. Sie stellen den Energieausweis aus, der neuen Mietern und Immobilienkäufern vorgelegt werden muss, oder beraten bei Haussanierungen. Gerade Gebäude aus den 50-er und 60-er Jahren haben Defizite bei der Energiebilanz, so Peter Hoffmann. Alte Fenster, fehlende Dachdämmung oder alte und viel zu große Heizkessel blasen bares Geld durch den Kamin.

In der Praxis hat Peter Hoffmann oft mit alten Ölheizungen zu tun, die zu selten vom Ruß befreit werden und selbigen in die Umwelt abgeben.

Auch Kaminbesitzer müssen sich auf Änderungen einstellen. Eine Verordnung aus dem Jahr 2010 regelt neue Grenzwerte, deren Einhaltung der Schornsteinfeger überprüft und bei Bedarf misst. Bläst der Ofen zu viel Schmutz in die Luft, ist er bis zu einem bestimmten Datum außer Betrieb zu nehmen oder mit einem Staubfilter nachzurüsten.

Quelle: op-online.de

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