Blüten und Blätter aufs Butterbrot

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Auch Birkenblätter kann man essen: Die jungen Blätter haben ein zartbitteres Aroma. Nach der Kräuterwanderung vom Samstag bietet Morgane Bannöhr (rechts) am 18. Mai auch einen Kochkurs „Kochen mit Wildkräutern“ in Dudenhofen an.

Dudenhofen - Der Salat wächst auf der Wiese, die Kräuter fürs Frühstücksbrot findet man am Wegesrand: Bei der Kräuterwanderung des Gewerbevereins Dudenhofen konnte man am Samstag erleben, wie gut die Natur schmeckt.

Unglaublich, wie viel Essbares an der Gänsbrüh wächst! Kräuterpädagogin Morgane Bannöhr blieb alle paar Schritte stehen, um die Aufmerksamkeit auf eine weitere Pflanze zu lenken. Nach einer Stunde hatten die „Wanderer“ auf dem Waldweg gerade mal 250 Meter zurückgelegt. Insgesamt kamen sie während des zweistündigen Spaziergangs einen guten Kilometer weit.

Zwei Grundregeln für Kräutersammler legte die Kräuterfrau aus dem Spessart ihren Zuhörern ans Herz. Erstens: Nur pflücken, was man kennt. Zweitens: Nur so viel mitnehmen, wie man braucht. „Der nächste Spaziergänger soll nicht sehen, dass da jemand gesammelt hat“, appellierte Morgana Bannöhr und nannte gleich ein Negativbeispiel: „Es gibt Bärlauchfelder, die sind so abgeerntet, dass nichts mehr davon übrig ist.“

„Ich liebe Unkräuter“

Für den Genuss muss man sich nicht immer bücken. Auch Bäume bieten Essbares. Junge Birkenblätter passen in den Salat oder aufs Butterbrot. Ein Stück weiter biegt die Kräuterpädagogin einen Buchenzweig herab: „Möchte jemand Buchenblätter probieren? Sie sind noch ganz zart und flaumig.“ Im Mund fühlen sie sich zunächst wie Seidenpapier an, beim Kauen entfalten sie einen angenehm „kräuterigen“ und kaum bitteren Geschmack.

Der Blick wendet sich wieder zu Boden. „Ich liebe Unkräuter“, betont Morgane Bannöhr.„Das beste Unkraut überhaupt“ ist für sie der Löwenzahn: „Man kann wirklich alles davon verwenden.“ Die jungen Blätter ergeben Salat, die Blütenknospen genießt man überbacken als Gemüse-Gratin. Aus den Blütenblättern kann man einen honigartigen Sirup kochen - oder man würzt damit ein Chutney. Die Wurzeln schließlich eignen sich als Kaffee-Ersatz: klein hacken, trocknen, rösten, mahlen – fertig ist der Muckefuck.

Am Wegrand finden Wanderer den Breitwegerich, der das Wort „Weg“ ja schon im Namen trägt. Die Blätter enthalten antibiotische Wirkstoffe und eignen sich als „Wanderer-Pflaster“ - als Wundauflage oder als Blasenpflaster im Schuh. Ein Stück weiter in der Wiese wächst der Spitzwegerich, aus dem man mit Honig ein traditionelles Hustenmittel herstellen kann. Auch die schwarzen, knopfartigen Knospen des Spitzwegerichs sind essbar. „Sie schmecken wie Champignons“, verrät Morgane Bannöhr.

Als Alternative zum Spinat bieten sich mindestens zwei Kräuter an: die Brennnessel und der Giersch. Die Kräuterpädagogin zeigt, wie man Brennnesseln pflücken kann, ohne sich zu verbrennen. Ein Mann aus der Gruppe weiß es besser: „Das ist der Monat, in dem die Brennnessel noch nicht brennt“, sagt er und stopft sich mutig einige Blätter in den Mund.

Sehr aromatisch sind die Blätter der Schafgarbe

„Aus allen Kräutern können Sie auch Grüne Soße machen“, erklärt die Kräuterpädagogin, die am 18. Mai auch einen Kochkurs in Dudenhofen anbietet: „Die Grüne Soße ist viel älter als Goethe.“ Da passt zum Beispiel die Vogelmiere hinein. Das unscheinbare Kraut mit seinen kleinen, weißen Blüten schmeckt wie junger Mais. Im Nutzgarten ärgern sich manche Leute, wenn die Vogelmiere als ungebetener Gast im Salatbeet gedeiht. Andere schnippeln die Vogelmiere einfach in den Salat.

Auch der Giersch ist vielen Gartenbesitzern zu Unrecht verhasst. Er schmeckt wie Spinat, ist mindestens ebenso gesund und wächst ohne aufwändige Pflege. Das Schönste: Wenn man ihn aberntet, wächst er immer wieder nach.

Sehr aromatisch sind die federartigen Blätter der Schafgarbe. „Klein gehackt auf Butterbrot mit etwas Salz – himmlisch!“, schwärmt eine Frau aus der Runde: „Das haben wir schon als Kinder gegessen.“ Allerdings ist das bittere Aroma nicht jedermanns Sache. Dabei sind Bitterstoffe für die Verdauung wichtig, wie Morgane Bannöhr erklärt: Ein bitterer Salat vor dem Hauptgericht rege die Verdauungssäfte an. Deshalb gehöre auch ein Magenbitter, wenn überhaupt, eher an den Anfang als ans Ende einer Mahlzeit. „Wenn wir mehr Bitteres essen würden, gäbe es weniger Übergewichtige“, erklärt die Kräuterfrau. Es koste nur wenig Überwindung, die Geschmacks-Gewohnheiten umzustellen: „Die Vorliebe für das Bittere kann man sich auch wieder antrainieren.“ 

eh

Quelle: op-online.de

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