Benefizradtour nach Barcelona

Kraftakt macht MS-Kranken Mut

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Schon die erste Etappe, auf die Bürgermeister Jürgen Hoffmann gestern Morgen Andreas Beseler und seine Radfahrfreunde geschickt hat, hatte es in sich: 126 Kilometer und 1 800 Höhenmeter.

Jügesheim - Sonntagmorgen, 8. 39 Uhr - an die 200 Menschen, eben noch voller Vorfreude und Spannung, sind auf einen Schlag mucksmäuschenstill. Vielen steckt ein Kloß im Hals. Andreas Beseler hat gerade verkündet, dass Stefan Kramers Traum nicht wahr wurde. Von Michael Löw 

Kramer hatte gehofft, an Beselers 1 773 Kilometer langer Benefizradtour nach Barcelona teilnehmen zu können. Vorige Woche starb er an einem Hirntumor, hat den Kampf gegen einen übermächtigen Gegner verloren. Andreas Beseler hat ihn gewonnen - dank des Sports. „Rad statt Rollstuhl“ heißt seine (Über)-Lebensmaxime seit 1992. Damals hatten die Ärzte bei ihm Multiple Sklerose diagnostiziert. Er ist am Boden zerstört, fühlt sich als Krüppel, das Wasserglas scheint bleischwer. Andreas Beseler gibt nicht auf, zwei Glücksfälle helfen ihm: Der Verkäufer im Sanitätsgeschäft rät ihm, den bestellten Rollstuhl erst einmal stehen zu lassen und einen Krückstock zu nehmen. Wenig später setzt ihn ein Freund, mit dem er vor der Krankheit Mountainbiketouren unternommen hat, aufs Fahrrad.

Besis Friends sind wirklich international. Asmash Abarkam war früher in Eritrea zu Hause.

Andreas Beseler ist inzwischen Extremsportler. Gestern morgen startete er an der Jügesheimer Radsporthalle sein neuestes Benefizprojekt: knapp 1 800 Kilometer auf dem Rennrad nach Barcelona. „Besi & Friends“ heißt die Truppe, deren Teilnehmer aus ganz Deutschland kommen. Beseler kennt die sowohl die 33, die ihn die nächsten zwölf Tage begleiten, als auch die knapp 40, die einzelne Etappen unter die schmalen Reifen nehmen. Roland Schweipert, Dieter Blößer, Klaus Schwentke und Volker Kutscher aus Griesheim bei Darmstadt gehören zu dieser zweiten Gruppe. „Ich habe den Besi 2009 kennen gelernt, als er einen vierten Mann für seine Alpen-Überquerung suchte, erzählt Schweipert. Seither fahren sie zusammen Bike-Marathons.

Michael Manus fand Beselers 2013er Tour durch Kanada (3 800 Kilometer, mehr als 26.000 Euro Spenden) „eine geile Aktion“. Der Nieder-Röder Sportfreak wollte mehr als nur spenden und meldete sich an. Wenig später kamen die Zweifel: „Diese Strecke in dieser Zeit, das schaffst Du nie! Doch dann fing der Besi an, mich zu bearbeiten.“ Was Michael Manus im kumpelhaften Radler-Ton bearbeiten nennt, formulierte Bürgermeister Jürgen Hoffmann staatstragender: „Das wichtigste ist, dass Du die Menschen mitreißt. Wir sind stolz, dass Du unser Sportler des Jahres bist.“ Ein wenig von diesem Glanz strahlt auch über unsere Zeitung. Denn wir überreichten den Pokal. Beseler hat nicht nur Fahrrad-Verrückte motiviert. Zu den Freunden von „Besi & Friends“ zählen Sonja Feil und Hans Wehner. Das Vorstandsmitglied des TSV Dudenhofen hat die Frau aus Goslar gestern Morgen zum ersten Mal gesehen. Schon eine Stunde später arbeiten sie bei der Ausgabe der Teilnehmer-Pakete als würden sie sich ewig kennen. Sie investieren wie acht weitere Freunde Urlaub und begleiten die Radfahrer im Auto. Jeden Mittag bauen sie irgendwo auf der Strecke das Verpflegungszelt auf.

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Was auf Tisch kommt, hat der Selgros-Markt (früher Fegro) aus Weiskirchen gespendet. Außerdem finanziert Geschäftsleiter Harald Quellmelz einen der vier Begleitbusse. Die drei anderen steuert Opel bei, den Rückflug bezahlt die Lufthansa. Auch hier hat Beseler mitgerissen. Sponsoren gewinnen ist für ein solches Projekt wichtig. Wenn man aber hört, wie sein Vorbild eine alte Reiterin mit schwerer Arthritis in den Händen mitgerissen hat, weiß man, was Andreas Beseler am Herzen liegt: „Wenn Du trotz Deiner Krankheit Rad fährst, kann ich ja wohl wieder die Zügel halten!“

Quelle: op-online.de

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