Krautschneide-Wettbewerb war beim Herbstmarkt des Gewerbevereins eine schweißtreibende Gaudi

Zentnerweise Kohl gehobelt

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Während der Nachwuchs des Gewerbevereins am Samstag beim Keltern reichlich Zeit hatte, war gestern Nachmittag beim Krautschneide-Wettbewerb volles Tempo angesagt. 650 Kilo Kohlköpfe hatten die Organisatoren allein dafür eingekauft. 

Dudenhofen - 1,2 Tonnen Kohlköpfe wurden zu Sauerkraut, aus 15 Zentner Äpfeln entstand Most.

Der zehnte Herbstmarkt des Gewerbevereins war ein Großmarkt hessischer Spezialitäten und hatte gestern Nachmittag mit Krautschneide-Meisterschaft einen Wettbewerb, bei dem die Gemüsestreifen nur so flogen. Sauerkraut selber machen ist eine einfache Sache - wenn andere die Vorarbeit erledigt haben. Diesen Service genoss Elke Kratz am Samstagmittag beim Herbstmarkt des Gewerbevereins Rodgau Dudenhofen. Dessen Vorsitzender Berthold Schüßler und seine Mitstreiter hatten im Odenwald 1200 Kilo Weißkraut bestellt und knapp die Hälfte davon schneiden und in Fünf-Kilo-Portionen verpacken lassen. Jeweils drei solcher Säcke vermengte Schüßler mit 150 Gramm Salz sowie Lorbeerblättern und Wachholderbeeren nach Augenmaß. Dann begann die Arbeit für Elke Kratz und andere Freunde deftiger heimischer Kost.

Was Schüßler zu Kindertagen noch barfuß in einer großen Bütt erledigt hatte, taten sie in Gläsern und mit einem Holzstampfer: Sie drückten den Kohl dicht zusammen. Sechs Wochen müssen die Gläser gut verschlossen lagern, dann kommt das Sauerkraut in den Topf. Schüßler serviert es gern als hessische Rotkohl-Alternative zur Martinsgans. Elke Kratz schwört auf die klassischen „Beilagen“ gesalzener Stich, Bauchfleisch, Blut- und Leberwürste sowie Leberknödel. „Wir haben Freunde aus Amerika. Die kommen immer im Januar und lechzen nach Sauerkraut“, kann Ur-Dudenhöferin Kratz nachvollziehen, warum die Deutschen im englischen Sprachraum als „Krauts“ bezeichnet werden.
Angefangen hat der damalige Gewerbeverein Dudenhofen vor zehn Jahren übrigens mit 250 Kilo Kohlköpfen. Die 750 Kilo Äpfel, die am Wochenende gekeltert wurden, hatte Schüßler problemlos im Bayrischen gekommen. Dort hingen - anders als nach dem späten Frühjahrsfrost hier in der Region - die Bäume brechend voll.

Herbstmarkt in Dudenhofen: Bilder

Gegen Kälte helfen die unzähligen selbst gebackenen Kuchen und Torten, die Edith Koch und die Damen der Evangelischen Frauenhilfe verkauften. Vom Erlös wollen sie Fleecedecken anschaffen, die die Gottesdienstbesucher im Winter über die Knie legen können. Die evangelische Kirche wird der Sparsamkeit zuliebe nicht mehr so geheizt wie früher.

Gestern Nachmittag herrschte Volksfeststimmung auf dem Ludwig-Erhard-Platz. 15 Dreier-Teams hobelten Weißkraut um die Wette. Der Freundeskreis „Kohl & the Gang“ siegte mit 36,5 Kilo vor den „Giesemer Maibaumdieben“, die 35,6 Kilogramm Kraut schnitten. (lö)

Quelle: op-online.de

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