Krawalle bei Fußball-EM

Kirche bleibt auf Schaden sitzen

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Das Fallrohr wurde mit roher Gewalt aus der Wand gerissen.

Jügesheim (eh) - Knapp acht Wochen nach dem Finale hat die Fußball-Europameisterschaft ein unangenehmes Nachspiel. Nach mutwilligen Zerstörungen am Haus der Begegnung bleibt die katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus auf den Handwerkerkosten sitzen.

„Wir müssen 1 200 Euro für etwas ausgeben, für das wir nichts können“, ärgert sich Dietmar Wilhelm vom Verwaltungsrat der Gemeinde. Bisher scheiterten alle Versuche, wenigstens einen Teil des Geldes erstattet zu bekommen. Wilhelm: „Es wird damit enden, dass wir irgendein soziales Projekt kürzen müssen.“

Nach dem ersten Spiel mit deutscher Beteiligung am 9. Juni kam es zu ersten Beschädigungen am Gemeindehaus. Vier Tage später nach dem zweiten Gruppenspiel waren weitere Schäden zu beklagen.

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Das Fallrohr einer Regenrinne wurde zerbeult und meterweit von der Wand gerissen. Auch eine Laterne vor dem „Haus 53“ wurde beschädigt. Dazu kamen unappetitliche Verunreinigungen, weil ungebetene Gäste auf dem Kleinkinderspielplatz ihre Notdurft verrichteten. Ehrenamtliche Helfer putzten am nächsten Tag mühsam die nach Urin stinkende Rutsche. Eine Nachbarin entfernte Exkremente aus einem Spielhaus aus Kunststoff.

Sicherheitsdienst ab dem Halbfinale

Die Verursacher sind unbekannt. Nach dem ersten Deutschland-Spiel hatten sich auswärtige Krawallmacher unter die einheimischen Fans gemischt. Am nächsten Morgen ging rund um die Rodgau-Passage das große Aufräumen los.

Der Verwaltungsrat von St. Nikolaus macht Gäste der örtlichen Gastronomie für die Schäden am Gemeindehaus verantwortlich. In mehreren Lokalen und Biergärten trafen sich regelmäßig Fußballfans, um die Spiele gemeinsam zu verfolgen. Im Haus der Begegnung selbst fand kein Public Viewing statt.

„Es kann nicht auf einen Betrieb allein zurückzuführen sein“, meint Marcel Gotta vom Wirtshaus Einsfünf, dessen Biergarten eine beliebte Anlaufstelle beim Public Viewing war. Während der Spiele seien Gruppen von 14- bis 17-Jährigen im Ort unterwegs gewesen, die die Übertragung zeitweise als Zaungäste verfolgten. Zum Halbfinale und Finale habe er eigens einen Sicherheitsdienst beauftragt, um Ausschreitungen zu vermeiden, berichtet Gotta. Allerdings dürfe der Sicherheitsdienst nur auf dem Betriebsgelände eingreifen: „Auf der Straße sind uns die Hände gebunden.“

Versicherung: Ansprüche bei Tätern geltend machen

„Es kann doch nicht sein, dass 300 Leute einen lustigen Abend haben und wir dafür zahlen müssen“, poltert Dietmar Wilhelm. Erfolglos versuchte er den finanziellen Schaden von einem Gastwirt oder der Stadt Rodgau ersetzt zu bekommen. Das städtische Ordnungsamt hatte das Public Viewing genehmigt.

„Wir genehmigen Veranstaltungen im Hinblick auf die ordnungsrechtliche Korrektheit. Wir übernehmen damit keine Verantwortung für das Verhalten der Gäste“, erklärt die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer. Ihr Fazit: „Wir bedauern, dass da Schäden entstanden sind, aber wir sind nicht dafür verantwortlich.“

So sieht es auch die GVV Kommunalversicherung: Die Sachbeschädigungen während der Fußball-EM seien „außerordentlich bedauerlich“, von einer Haftung der Stadt könne jedoch keine Rede sein. Die Versicherung rät dem Pfarramt: „Wenn Sie Glück haben und die Strafverfolgungsbehörden die Täter ausfindig machen können, sollten Sie Ihre Regressansprüche dort anmelden.“ Für Wilhelm klingen solche Ratschläge wie Hohn: „Als Geschädigter ist man der Depp.“

„Wir haben Verständnis dafür, dass die Pfarrgemeinde versucht, von irgend jemandem die Kosten erstattet zu bekommen“, sagt Stadt-Sprecherin Sabine Fischer. „Aber eine Mitschuld der Stadt an der Zerstörungswut von Menschen herzuleiten, von denen wir noch nicht einmal wissen, ob sie wirklich Gäste waren, finde ich einfach schwierig.“

Quelle: op-online.de

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