Kriegsbunker macht einem Neubau Platz

+
Bis zu zwei Meter dick war die Stahlbetondecke des nach dem Krieg gesprengten Bunkers an der Weiskircher Straße.

Jügesheim (bp) - Die Bauarbeiten für ein neues Mehrfamilienhaus an der Weiskircher Straße 53 haben ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet: Die gesprengten Reste eines der letzten Rodgauer Kriegsbürger müssen für den Neubau zerlegt werden.

Um das Baufeld freimachen zu können, nahm sich die Urberacher Firma Rügemer dem Kriegsbunker mit schwerem Gerät an. Der Schlaghammer arbeitete sich tagelang lautstark durch bis zu zwei Meter Stahlbeton.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte der Bauherr, die Henkel/Werner Bau GmbH mit, das Grundstück von der Familie Eberhard/Ochs erworben zu haben. Es entstehe dort ein Neunfamilienhaus mit Aufzug und Tiefgarage (neun Stellplätze). Die Fertigstellung sei für den Sommer 2012 geplant. Mit dem Verkauf der schlüsselfertigen Wohnungen von etwa 60 bis 140 Quadratmeter habe man das Jügesheimer Maklerbüro Karlheinz Kratz betraut.

Von den gesprengten Resten des Bunkers (Fundament und Teile der Decke) war vor Beginn der Bauarbeiten fast nichts zu sehen. Über die Sache waren im wahrsten Wortsinn Gras (und Hecken) gewachsen.

Zeitzeugen erinnern sich an Luftangriffe, vor denen der Bunker Schutz bot

Es gibt heute nur noch wenige Zeitzeugen wie Horst Gossmann aus der Weiskircher Straße 57, die sich an das massive Gebäude erinnern. „Bei jedem Luftangriff habe ich dort mit meinen Eltern und meinem Bruder Erich drin gesessen. Wir hatten unser Köfferchen immer griffbereit“, erzählt der 78-Jährige. Dort war nach seinen Angaben Platz für bis zu 50 Menschen.

Entstanden ist der Schutzraum wohl 1942/43 in zwei Bauabschnitten, zunächst im vorderen Teil des Geländes, später auch im hinteren. Horst Gossmann berichtet, das Gelände habe zur Lederwarenfirma Reinhard & Eberhard gehört, bis der Betrieb beschlagnahmt worden sei. Die VDO Tachometer AG aus Frankfurt habe in den Kriegsjahren dann dort Steuerungen für deutsche Langstreckenraketen produziert. Der Bunker sei von der Firma für VDO-Mitarbeiter und die Nachbarschaft gebaut worden. Die Familie Gossmann hatte gegenüber dem Bunker ebenfalls eine Lederwarenwerkstatt. Auch diese wurde beschlagnahmt.

Weitere Bunkerreste befinden sich Gossmann zufolge in Jügesheim im Dreieck Babenhäuser Straße / Ostring und in der Unteren Sände. Das Baufeld an der Weiskircher Straße ist inzwischen frei, der Aushub für Keller und Tiefgarage beginnt.

Quelle: op-online.de

Kommentare