In Krise wird saniert

+
Trotz Rezession können Ilija Orec (rechts, Baudekoration Orec) und Dachdeckermeister Dominik Frisch von Zilch und Fritsch nicht über eine schlechte Auftragslage klagen. Dämmmaterial für Hauswände (Foto) ist zuweilen schon schwer zu bekommen.

Rodgau - (pul) Die Wirtschaft steckt weltweit in der schwersten Krise seit den 30-er Jahren. Trotzdem klagt kaum eines der hiesigen Handwerksbetriebe über mangelnde Aufträge. Es hat den Anschein, als investierten die Rodgauer lieber in ein schönes Zuhause, als mitten in der Bankenkrise das Geld auf die hohe Kante zu legen oder gar in Aktien zu investieren. Trotzdem ist das Bild gemischt.

Die Europäische Zentralbank erwartet erst wieder Mitte 2010 wirtschaftliche Wachstumsraten im Euro-Raum. Kein leichtes Umfeld für die Rodgauer Handwerker. Trotzdem sind die Auftragsbücher bei vielen Betrieben voll. Michael Hügel, Vorsitzender des Gewerbevereins Hainhausen/Weiskirchen, sieht die Auftragslage bei der Werbetechnik Hügel sogar besser als 2008.

Auch Ilija Orec hat gut gefüllte Auftragsbücher. Bei dem Meister des Jügesheimer Maler- und Lackiererhandwerks floriert zurzeit mit 80 Prozent des Umsatzes der Geschäftsbereich Vollwärmeschutz an Häusern. „Die Förderung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau hilft hier enorm“, erklärt der Handwerker die gestiegene Nachfrage.

Diese Investitionsfreudigkeit mancher Rodgauer Bürger mag aber auch eng mit der weltweiten Finanzkrise zusammen hängen. Das Vertrauen der Sparer in schlingernde Groß-Banken ist gering. Da landet das sauer verdiente Geld seltener im Sparstrumpf oder Aktienfonds und wird bevorzugt in die Verschönerung der vier Wände oder in Energiesparmaßnahmen investiert.

Dass Banken um Einlagengelder kämpfen müssen, ließ Michael Mengler als Vorstandssprecher der Vereinigten Volksbank Maingau bei der jährlichen Vertreterversammlung Mitte Juni erkennen: Der Wettbewerb um die Einlagen sei sehr aggressiv und weiter von einem harten Konditionswettbewerb geprägt. Trotzdem profitieren nicht alle Handwerksbetriebe von der Ausgabebereitschaft der Bevölkerung. Helmut Geyer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft für Stadt und Kreis Offenbach, sieht die Landschaft gar nicht Rosarot. Die 6 000 angeschlossenen Betriebe blicken im ersten Quartal auf einen durchschnittlich 50-prozentigen Rückgang des Auftragsbestandes zurück. „Die Privatkunden warten ab“, betont Geyer. „Die konsumieren eher.“ Geyer setzt seine Hoffnungen voll auf die jetzt anlaufenden Konjunkturpakete der Bundesregierung: „Die müssen aber unten bei den Betrieben ankommen.“

Berthold Schüßler, Gewerbevereinsvorsitzender in Dudenhofen, sieht die Konsumlaune differenziert: „Luxusgüter wie eine Sauna werden nicht gekauft.“ Laut seiner Aussage investieren die Bürger da, wo sie selber sparen können - etwa in die Modernisierung ihrer Heizung.

Die schwierigsten Zeiten könnten dem Handwerk könnten noch bevor stehen. Als konjunktureller Spätindikator dürfte die Arbeitslosenquote noch bis Frühjahr 2011 steigen, so Norbert Walter , Chef-Volkswirt der Deutschen Bank.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare