Blauer Bus als Auslaufmodell

Kritik an Einstellung der Linie OF-99

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Dieser Anblick ist ab 10. Dezember Vergangenheit: ein Bus der Linie OF-99 auf der Freiherr-vom-Stein-Straße.

Rodgau - Nicht nur aus Kostengründen stellt die Stadt die Buslinie OF-99 zwischen Jügesheim und Nieder-Roden zum 10. Dezember ein. Aber warum sonst? In der Bürgerfragestunde vom Montag gab es darauf keine eindeutige Antwort. Von Ekkehard Wolf 

Die Linie OF-99 ist ein Zwitter zwischen Regional- und Stadtbus. Als Regionallinie verbindet sie Langen und Seligenstadt. Zwischen Jügesheim und Nieder-Roden fährt sie als Stadtbus. Seit dem S-Bahn-Start im Dezember 2003 hat sich das bewährt. Im ursprünglichen Stadtbuskonzept sei dieser Streckenast nicht vorgesehen gewesen, sagt Bürgermeister Hoffmann. Dass der 99er überhaupt nach Nieder-Roden fährt, ist nach seinen Worten mehr oder weniger einem Zufall zu verdanken. Die Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF) habe 2003 einen 30-Minuten-Takt auf der Linie OF-99 zwischen Langen und Seligenstadt einführen wollen; Seligenstadt habe jedoch nur einen Stundentakt akzeptiert. Die Folge: Jeder zweite Bus aus Langen hätte in Jügesheim eine Zwangspause eingelegt. „Nichts ist teurer als ein Bus, der steht“, so Hoffmann. Deshalb habe die kvgOF damals angeboten, den 99er einmal pro Stunde nach Nieder-Roden fahren zu lassen. Die Stadt habe dies auf einen 30-Minuten-Takt aufgestockt.

Jürgen Hoffmann kennt den Sachverhalt von drei Seiten. Das hat mit seiner beruflichen Laufbahn zu tun. Als Betriebsleiter der Stadtwerke erstellte er das Stadtbuskonzept; als Geschäftsführer der kvgOF bot er der Stadt den 99er-Bus nach Nieder-Roden an; jetzt vertritt er als Bürgermeister die Einstellung der Buslinie. Am 10. Dezember ändert sich alles: Die Buslinie 99 fährt auch nach Seligenstadt im 30-Minuten-Takt, sodass für Rodgau kein Bus mehr übrig ist. Zweimal schlug die Betriebsleitung der Stadtwerke eine Fortführung der Linie zwischen Jügesheim und Nieder-Roden vor – und zweimal lehnte die Betriebskommission ab. Dieser Kommission gehören unter anderem elf Stadtverordnete und mehrere Magistratsmitglieder an. Den Vorsitz hat der Bürgermeister inne.

Zusatzfahrzeuge sollen Autofahrern helfen

Warum kappt die Betriebskommission die Busverbindung nach Nieder-Roden? Auf die Frage nach den Gründen hält sich Bürgermeister Hoffmann bedeckt: Aus den nicht öffentlichen Sitzungen dürfe er nicht berichten. „Es gab in der Sache keinen Dissens“, betont er. Und die Gründe? Die Stadt müsse sich oft den Vorwurf anhören, die Stadtbusse seien zu teuer, weicht Hoffmann aus. Die Linie nach Nieder-Roden wäre künftig voll zulasten der Stadt gegangen, weil Rodgau nach der neuen Definition im Nahverkehrsplan des Kreises durch die S-Bahn ausreichend erschlossen sei. Der Plan sehe ab Ende 2019 eine andere Linienführung in Rodgau vor. Der 99er in seiner bisherigen Form sei dann nicht mehr zulässig.

Aber warum wird die Linie jetzt schon gekappt? Auch in der Bürgerfragestunde des Stadtparlaments am Montag gab es darauf keine eindeutige Antwort. Fragestellerin Elke Cibura fokussierte sich besonders auf den Schülerverkehr von Dudenhofen zur Heinrich-Böll-Schule: „Der Bus ist morgens rappelvoll.“ Je nach Wohngebiet werde den Schülern künftig ein Fußweg von bis zu 1,6 Kilometern zugemutet. Alle anderen weiterführenden Schulen würden von der Schülerlinie OF-40 bedient. Elke Cibura schlug vor, morgens und mittags auch die Böll-Schule per Schulbus anzubinden. Für diesen Vorschlag zeigte sich Bürgermeister Jürgen Hoffmann am Dienstag vor der Presse aufgeschlossen: „Das ist etwas, worüber wir diskutieren müssen.“

Quelle: op-online.de

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