Rodgau

VdK kritisiert „Windbeutel“ des Magistrats

Als „Windbeutel“ bezeichnet der Sozialverband VdK Rodgau das Angebot eines Windelcontainers auf dem Recyclinghof. Was Erste Stadträtin Hildegard Ripper nun als bürgernahe Lösung darstelle, sei ein alter Hut.

Rodgau (eh) - Bereits im September habe der VdK diesen Vorschlag einer zentralen Entsorgungsstation zurückgewiesen.

Die betroffenen Behinderten, vorwiegend ältere Menschen, seien kaum in der Lage, ihre Fäkalien zum Recyclinghof zu transportieren, betont VdK-Sprecher Jürgen Duchscherer. Auch für Familien mit Babys sei es unzumutbar, mit stinkender Fracht durch die Stadt zu fahren. Insgesamt müssen nach VdK-Recherchen mindestens 1 300 Rodgauer Bürger Windeln oder Stomabeutel entsorgen. Karl-Heinz Dauth von den Freien Wählern / Bürger für Rodgau spricht sogar von rund 2 000 Betroffenen. Die Vierer-Kooperation im Rathaus (SPD, Grüne, FDP, FWG) wolle in der anstehenden Sitzungsrunde eine befriedigende Lösung herbeiführen. Die Junge Union hatte Anfang des Jahres kostenlose Windelsäcke gefordert, wie es sie in Rödermark und Obertshausen bereits gibt.

Das Thema „Windeltonne“ zieht Kreise. 280 Personen haben sich in der Internetcommunity „Wer kennt wen“ bereits zur Gruppe „Windeltonne für Rodgau“ angemeldet. Eine Unterschriftenaktion fordert die Wiedereinführung der kostenlosen Windeltonne; Listen liegen bei Ärzten, in Kindergärten und einigen Ladengeschäften aus.

„Wir haben ungefähr 140 bis 170 Unterschriften, aber die Sammlung hat ja auch erst angefangen“, sagt Marion Krause, die die Unterschriftenaktion mit initiiert hat. Der Sammelcontainer könne nur ein erster Schritt sein: „Was machen Oma und Opa, die in Rollwald wohnen? Sollen die sich etwa in den Rodgau-Bus setzen, um ihre Windelsäcke nach Jügesheim zu bringen?“ Es könne nicht im Sinn einer familienfreundlichen Gesellschaft sein, dass Eltern ihre zehn Euro mehr Kindergeld für höhere Müllgebühren ausgeben müssen.

„Die jungen Mütter haben das gleiche Problem wie die Behinderten: Wenn die Windeln da stehen, stinken sie barbarisch“, sagt Duchscherer. Als unzumutbar bezeichnet er die Folgen für Menschen mit künstlichem Darm aus gang (Stoma): Schon bei wöchentlicher Abfuhr rieche es im Sommer trotz fest verschlossener Beutel wie in einer Fäkalienverarbeitungsanlage. Durch entstehende Gase könnten die Beutel bei zu langer Lagerung platzen. Dies hatte der VdK-Sprecher der Ersten Stadträtin schon am 1. Oktober schriftlich mitgeteilt.

Quelle: op-online.de

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