Küken im Korb

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Ein Herz und eine Seele: Annika Netz und ihr Lieblingshuhn „Tschenni“. Opa Ernst Reichenbach übernimmt gerne den größten Teil der Arbeit, um das Mädchen zu begeistern.

Rodgau - (pul) Die örtlichen Geflügelzuchtvereine haben Nachwuchssorgen. Nicht im Stall, aber unter den Mitgliedern. Kinder und Jugendliche interessieren sich kaum für das Hobby. Eine löbliche Ausnahme ist Annika Netz.

Die Sechsjährige geht zwar noch eher spielerisch an die Sache heran. Aber sie liebt ihre porzellanfarbigen Zwerg-Italienern geradezu. Als jüngste Züchterin von Rodgau hat sie mit ihrer Vorliebe fürs Federvieh beim Rassegeflügelzuchtverein Nieder-Roden offene Türen eingerannt und erste Erfolge gefeiert.

Warme, weiche Federn gefallen dem Mädchen

Bei ihrer Ausstellungs-Premiere Ende September in Langenselbold bekam sie vom Preisrichter die Höchstnote „Vorzüglich mit Pokal“. Zwar zieht es das kleine Mädchen hauptsächlich zu den warmen, weichen Federn der Vögel, während den Großteil der Arbeit Großvater Ernst Reichenbach übernimmt. Aber immerhin hat die Kleine schon einen Blick für das Wesentliche: „Die haben so ein schönes Muster“, freut sie sich und streicht spielerisch über das zarte Gefieder. Ab und zu ist sogar ein Kuss für Lieblingshuhn „Tschenni“ drin. Neben Annika sind Maike Dries und Marco Weber aktiv bei den Nieder-Rödern.

Mit Mario und Mauricio Wipfler stehen zwei junge Männer in den Reihen der Jügesheimer Geflügelfreunde, die schon hervorragende Erfolge aufzuweisen haben. Mauricio errang 2006 mit seinen Zwerg-Hühnern der Rasse Sebright-gold gar den Europameistertitel. Michael Jäger ist der dritte im Bunde, soeben als 18-Jähriger in die Liga der alten Hasen aufgestiegen. Zu den erfahrenen Züchtern zählen auch Ex-Jugendliche in Dudenhofen. Durch deren Volljährigkeit ist die „einst stärkste Jugendgruppe des Kreises“, so Manfred Kratz, zurzeit verwaist.

Neunjähriger mit „orientalischen Rollern“ erfolgreich

Nachwuchsmangel auch beim Weiskircher Kleintierzuchtverein: Hahn im Korb ist dort der neunjährige Lucas Ricker. Mit drei Pärchen seiner Orientalischen Roller in Gelb begann er vor vier Jahren und trat bei der Taubenzucht erfolgreich in die Fußstapfen seines Vaters Sven.

Statt Tauben hat es Annika Netz lieber mit den Hühnern. Die Freude, mit der das kleine Mädchen an ihr Hobby heran geht, macht dem Vorsitzenden der Nieder-Röder Rassegeflügelzüchter Mut.

Eltern müssen hinter Engagement stehen

Wir sind guter Hoffnung, dass wir Nachwuchs finden“, blickt Klaus Wagner optimistisch in die Zukunft. Natürlich kämpft der Verein, wie viele andere Clubs auch, mit einem hohen Durchschnittsalter der Züchter. So in den hohen 60-ern dürfte der Altersschnitt liegen, rechnet Klaus Wagner schnell durch. Dabei haben viele Kinder Lust an der Zucht und würden ihre Freizeit gerne für die Pflege der Tiere opfern. Aber auch die Eltern müssen unbedingt dahinter stehen, so Wagner. Die Zukunft liegt deshalb in erster Linie in den Nachkommen der alteingesessenen Hühnerfreunde, wie Annika Netz beweist. Großvater Ernst Reichenbach, immerhin seit 56 Jahren erfolgreicher Züchter, hat noch einen zweiten Trumpf in der Hand: die kleine Enkelin Alisa. Sie ist aber erst zwei.

Quelle: op-online.de

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