Cap-Märkte als Chance?

Kürzere Wege zum Einkaufen

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Für die künftigen Bewohner des Neubaugebiets J 41 am westlichen Ortsrand Jügesheims ist Nahversorgung kein Problem: Der Rewe-Markt ist ein paar hundert Meter entfernt. In anderen Wohnvierteln sind die Menschen zum Einkaufen aufs Auto angewiesen.

Rodgau - Einkaufsmöglichkeiten in Wohnortnähe rücken in den Fokus der örtlichen Politik. Das zeigte sich jetzt im Stadtparlament in zwei Punkten. Von Ekkehard Wolf 

Erstens: Der Magistrat soll prüfen, ob und wie die Einrichtung so genannter Cap-Märkte die Nahversorgung verbessern kann.

Zweitens: Für das nächste Wohngebiet in Jügesheim-West soll es bereits Investoren geben, die einen Lebensmittelmarkt ansiedeln möchten. Cap-Märkte bieten Lebensmittel in erreichbarer Nähe und Arbeitsplätze für Behinderte oder Langzeitarbeitslose. In den letzten 15 Jahren sind bundesweit etwa 100 solcher Läden entstanden, einer davon befindet sich in Obertshausen. Träger ist meist ein Verband der Behindertenhilfe. Die Bezeichnung „Cap“ kommt vom englischen Wort „handicap“ für Behinderung.

Cap-Märkte ins Gespräch gebracht

Die CDU-Fraktion hat Cap-Märkte jetzt auch in Rodgau ins Gespräch gebracht. Mit einer Ausnahme folgten alle Stadtverordneten ihrem Prüfungsantrag an den Magistrat. „Das ist ja mal ein vernünftiger Vorschlag“, lobte Ralf Kunert (SPD), schränkte aber im gleichen Atemzug den Umfang der Fragestellung ein. Über das Warenangebot müsse der Magistrat nicht nachdenken, das sei Sache des Franchisegebers. Es sei auch unnötig, das gerade erst beschlossene Einzelhandelskonzept wegen der Cap-Märkte wieder aufzuschnüren. Kunert betonte jedoch: „Wir legen Wert darauf, dass der Stadt keine Kosten entstehen.“

Auch Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) zeigte sich aufgeschlossen. Die Stadt sei bereits seit 2012 im Gespräch mit der Dachgenossenschaft der Cap-Märkte: „Das Einzige, was uns fehlt, sind Ladenflächen in der benötigten Größe von 500 bis 600 Quadratmetern.“ Der ehemalige Norma-Markt an der Ludwigstraße in Jügesheim ist nach Angaben der Stadtverwaltung schon wieder neu vermietet. Aber in Nieder-Roden gibt es noch einen Leerstand an prominenter Stelle: den ehemaligen Kleiderladen „Kik“ am Puiseauxplatz mit 828 Quadratmetern Verkaufsfläche und neun Metern Schaufensterfront. Am Leipziger Ring stehen kleinere Geschäftsräume leer.

Die Nahversorgung mit Lebensmitteln verwendete der Magistrat auch als Argument, um für die geplante Erweiterung des Neubaugebiets J 41 höhere Grundstückspreise durchzusetzen. Statt 75 Euro pro Quadratmeter darf die Hessische Landgesellschaft (HLG) dem Eigentümer nun 85 Euro anbieten – die Parlamentsmehrheit hat es so beschlossen. Es geht um 27 600 Quadratmeter zwischen Allensteiner und Kasseler Straße. Den finanziellen Nachschlag begründet die HLG mit den guten Vermarktungschancen der Grundstücke. Der Bürgermeister erwähnt in diesem Zusammenhang das „Interesse von Investoren zur Ansiedlung eines Lebensmittelnahversorgers“. Damit meint er offenbar den Rewe-Markt an der Stettiner Straße, der in eine verkehrsgünstigere Lage umziehen will.

Quelle: op-online.de

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