Talent braucht Leidenschaft

Kulturförderpreis an zwei Schlagzeuger verliehen

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Zwei würdige Kulturförderpreisträger, da waren sich alle einig (von links): Kulturdezernent Winfried Sahm, Lukas Schrod, Jan Iser und Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

Nieder-Roden - Mit dem Kulturförderpreis 2016 zeichnete die Stadt Rodgau die Schlagzeuger Jan Iser und Lukas Schrod aus. Würdige Preisträger – da waren sich alle einig. Die Teenager teilen sich die mit 2200 Euro dotierte Auszeichnung.

Lukas Schrod am Marimbaphon. Er spielte ein Stück für Solo-Percussions and Tape von John Psathas.

Im Bürgerhaus Nieder-Roden gaben die Musiker Kostproben ihres Könnens. Jan Iser spielt das klassische Drumset, Lukas Schrod unter anderem Xylophon, Marimbaphon und Snare Drum. Als „einen furiosen Anfang“ bezeichnete Bürgermeister Jürgen Hoffmann den musikalischen Auftakt, den Jan Iser mit dem „Instrumedley Part 1“ der Progressive-Metal-Band Dream Theater gemacht hatte. Die Komposition hat ein flottes Tempo und vor allem schöne Tempiwechsel. Mit „Wow“ kommentierte der Stadtchef das Improvisationsvermögen des 14-Jährigen, der mit einem zweiten Solo beeindruckte. Ein drittes Stück spielte der Preisträger mit der Jazzband „Die Mayers“: nämlich „Spain“ von Chick Corea. Derart eingestimmt war der richtige Zeitpunkt für die öffentliche Würdigung geschaffen, die Piotr Konczewski übernahm. Der Leiter der Freien Musikschule Rodgau freut sich, dass die Einrichtung bereits mehrere Preisträger hervorgebracht hat und sieht darin eine Bestätigung der geleisteten Arbeit. Jan Isers Interesse liege bei Rock, Jazz und allen Stilen, die davon abgeleitet werden können. Popmusik interessiere den 14-Jährigen nicht: Die sei ihm zu einfach und nicht einfallsreich genug.

Jan Iser improvisierte am Schlagzeug und spielte eine Komposition von Dream Theater.

Schlagzeuglehrer Piotr Konczewski, der an diesem Abend selbst noch spielte, warf in seiner Laudatio die Frage auf, was ein Musiker selbst mitbringen müsse, um sich derart zu entwickeln. Außer Disziplin, Zielstrebigkeit und Neugier brauche es eine unglaubliche Leidenschaft antwortete der Musikschulleiter selbst. „Jan hat ohne Frage alle diese Qualitäten“, sagte er. Doch trotz seines außergewöhnlichen Talents sei Iser ein bescheidener Junge geblieben, der eigentlich nur Musik im Kopf habe. Gerald Jakoby würdigte Lukas Schrod als Freund der Familie und lieferte die eine oder andere Anekdote. So spielte Klein-Lukas trotz der elterlichen Vorprägung (Vater Dietmar ist Posaunist und Leiter der Musikschule Obertshausen, Mutter Anja ist Klarinettistin und Musikpädagogin) zum Erstaunen vieler Frager im Sandkasten mit Lego wie alle anderen Kinder – und eben nicht gleich ein Instrument.

Jakoby bescheinigte dem Jugendlichen soziale Kompetenzen, die auch einem Kulturförderpreisträger gut zu Gesicht stünden. Dann lenkte der Laudator das Augenmerk auf ein besonderes Konzert in der vergangenen Woche in Zürich: Dort ist der 16-Jährige mit Martin Grubinger, einem seiner Ausbilder in Zürich, aufgetreten. Er erwähne dies deshalb ausdrücklich, sagte Jakoby, weil Grubinger als einer der weltbesten Schlagzeuger und Multi-Perkussionisten gelte. Dann ist es auch kein Wunder, dass der Träger des Kulturförderpreises anlässlich der Osterfestspiele Baden-Baden mit dem Bundesjugendorchester unter der Leitung des berühmten Dirigenten Sir Simon Rattle auf der Bühne stehen wird. Solcher Erfolg hat seinen Preis: Dafür übt der junge Mann täglich fünf bis zehn Stunden.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Auch Lukas Schrod gab Einblicke in sein Talent: Dabei paart sich insbesondere technisches Vermögen und musikalischer Ausdruck. Er demonstrierte beeindruckend, was er aus einem rasanten Snare-Drum-Solo herauszuholen vermag, spielte einen Satz eines Stücks für Percussions and Tape von John Psathas und bewies sein Können auch noch am Xylophon. Die Jugendlichen nahmen schließlich Urkunden und Schlagzeugstöcke von Kulturdezernent Winfried Sahm und Bürgermeister Hoffmann entgegen. Sie bedankten sich bei ihren Lehrern und Eltern und trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Als besondere Überraschung für Lukas Schrod grüßten per Videobotschaft auf Leinwand Martin Grubinger und Professor Klaus Schwärzler aus der Züricher Tonhalle. Sie freuten sich für ihren Schützling und sandten die besten Wünsche. Mit einem kleinen Umtrunk klang der Abend schließlich aus. Freunde und Bekannte nutzten die Chance, den beiden Preisträgern beim Glas Sekt zu gratulieren und mit ihnen zu sprechen. Die Besucher hatten außerdem Gelegenheit, den musikalischen Werdegang von Jan Iser und Lukas Schrod in einer kleinen Ausstellung nachzuvollziehen. (siw)

Quelle: op-online.de

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