Preisträger vor neuem Großprojekt

Nieder-Roden (eh) - Der letzte Ton verklingt. „Bravo!“, ruft eine Stimme aus der ersten Reihe. Dann brandet der Applaus los. Die Stimme gehört dem pensionierten Landrat Josef Lach.

Sein „Bravo!“ gilt dem Gesamthor der Sängervereinigung Sängerkranz Polyhymnia, der soeben mit rund 70 Personen das fulminante „Richte mich, Gott“ von Felix-Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt hat. Der kurz als „Polyhymnia“ bekannte Verein feiert in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag. Am Mittwoch hat er den Kulturpreis der Stadt Rodgau erhalten - „unser schönstes Geburtstagsgeschenk“, wie Vorsitzender Udo Koser sagt.

In der Laudatio würdigte Josef Lach die „jahrelange engagierte und sehr erfolgreiche kulturelle Arbeit“ des Vereins, der sich in den letzten 15 Jahren mehrfach an Gesamtwerke der musikalischen Weltliteratur wagte. Auch die leichte Muse hält Herausforderungen bereit. Eine davon meisterte der Popchor des Vereins 2010 mit dem umjubelten Musical „Tanz der Vampire“.

Das nächste Großprojekt steht schon auf der Agenda: Am 25. und 26. Mai 2013 wollen die Polyhymnia-Chöre die „Carmina Burana“ aufführen, eine szenische Kantate von Carl Orff aus den Jahren 1935/36. Die Texte in lateinischer und mittelhochdeutscher Sprache stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Ähnlich wie beim Oratorium „Elias“ im Jahr 2007 werden die „Carmina Burana“ ein offenes Projekt, bei dem jeder mitmachen kann, der gern singt.

Bilder von der Zeremonie

Sängerkranz Polyhymnia bekommt Kulturpreis

Dirigent Gottfried Kärner schafft es immer wieder, seine Sängerinnen und Sänger zu Höchstleistungen zu motivieren. Einen Eindruck davon erhielten am Mittwoch auch die rund 150 Zuhörer im Saal, denn die Preisträger umrahmten ihre Ehrung selbst. Die Chöre präsentierten sich punktgenau in Spitzenklasse, ob beim Chor der Geier aus dem „Dschungelbuch“ oder dem pfiffig arrangierten „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“. Dabei mussten die Mitwirkenden mit erschwerten Bedingungen zurechtkommen, wie ein Sänger erzählt: „Auf der Bühne hören wir uns selbst nicht. Wir können nur hoffen, dass wir so gut sind wie bei der Probe.“

„Gesang, der begeistert“, lobte Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Die Frauen und Männer strahlten eine spürbare Leidenschaft für das Singen aus. Der Verein sei auch ein Vorreiter bei der Nachwuchsförderung: „Wenn der Chorgesang in diesem Land eine Zukunft hat, dann ist das auch Ihr Verdienst“, so Hoffmann. Vorsitzender Udo Koser berichtete in diesem Zusammenhang von einer Kooperation mit der Heinrich-Böll-Schule (HBS), „damit Singen für Schüler wieder interessant wird“.

Einen Teil des Preisgeldes von 2 200 Euro gab der Verein gleich an die HBS weiter, um einen Beitrag zu einem besseren Musikunterricht zu leisten. Koser überreichte einen Scheck in Höhe von 500 Euro an Schulleiterin Andrea Haus. Die Gesamtschule will im nächsten Schuljahr erreichen, dass jeder Fünftklässler ein Instrument erlernt.

Die städtische Kulturpreisjury hatte sich einstimmig für die Polyhymnia entschieden, wie Bürgermeister Hoffmann berichtete. 22 Bürger hatten elf mögliche Preisträger vorgeschlagen. Doch der Gesangverein wurde als Einziger mehrfach genannt - von stolzen zwölf Einsendern.

Quelle: op-online.de

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