Kunden geht ein Licht auf - Städte investieren ins Sparen

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Gudrun Roth (Elektro Rossbach) präsentiert eine kleine Auswahl Energiesparlampen. Viele Kunden sind auf diese Produkte bereits umgestiegen. Andere hamstern alte Glühbirnen, die aus dem Sortiment verschwinden.

Rodgau - Die EU dreht der Glühbirne den Saft ab. Schon im September sollen wegen des hohen Stromverbrauchs bestimmte Glühlampen aus den Verkaufsregalen verschwinden. So langsam geht Verbrauchern nun ein Licht auf und sie decken sich noch einmal mit der 130 Jahre alten Erfindung ein. Von Bernhard Pelka

Von Hamsterkäufen berichtet Gudrun Roth bei Elektro Rossbach in Jügesheim. „Erst kürzlich war ein Kunde hier, der für 180 Euro Glühbirnen gekauft hat“, erinnert sich die Ehefrau des Rossbach-Geschäftsführers Gunter Roth. „Das waren einige Tüten voll.“

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An der Wand hinter der Kasse hängt in dem seit 1928 an der Schwesternstraße beheimateten Fachgeschäft das Merkblatt „Abschied von der Glühbirne“. Es dient Gudrun Roth als Leitfaden. Denn die gute alte Glühlampe verschwindet stufenweise. Ab September ist gibt es zunächst keine matten Birnen sowie klare 100-Watt-Lampen mehr. September 2010 folgen klare 75-Watt-Birnen, ein Jahr darauf die 60-Watt-Leuchten. Ab September 2012 werden die letzten 40- und 25-Watt-Birnen vom Markt genommen. Bedeutet: dann gibt es EU-weit nur noch Energiesparlampen zu kaufen. Und auf die steigen schon jetzt viele Kunden um. Es gibt derzeit also nicht nur Hamsterkäufe, um möglichst lange der Glühbirne treu bleiben zu können, sondern auch vorauseilenden Gehorsam.

Gudrun Roth weiß, dass die Skepsis gegenüber Energiesparlampen nicht angebracht ist. „Da ist viel entwickelt worden. Jetzt gibt es sogar welche, deren Helligkeit sich stufenlos mit einem Dimmer regeln lässt. Das war früher manchmal ein Problem.“

Weitere Infos gibt es unter www.energiesparaktion.de

Was ist mit Halogenstrahlern mit Niedervoltspannung? „Auch für die wird es eine Energiesparvariante geben“, versichert die Fachfrau. Die Sorgen, nun in der kompletten Wohnung alle Lampen austauschen zu müssen, weil es keine Energiesparbirnen dafür gibt, scheint also unbegründet. Dies erklärt vielleicht das Käuferverhalten im Dudenhöfer Toom-Baumarkt, der neuerdings unter „Zuhause-Markt“ firmiert. Karl Schwalm berichtet, die Kunden seien in Sachen Glühbirnen vollkommen unaufgeregt. „Bei uns gibt es einen normalen Abverkauf des Bestands“, sagt der Marktleiter. „Manche kaufen mehr, manche weniger.“ Entgegen komme den Käufern, „dass die Energiesparlampen nicht mehr so teuer und im Design besser geworden sind“.

Edisons Glühbirne setzt nur fünf Prozent des Stroms in Licht um, der Rest verpufft als Wärme. Moderne Energiesparbirnen verbrauchen 65 bis 80 Prozent weniger und halten sechsmal länger. Mit der Umstellung auf Energiesparbirnen will die EU dem Beispiel von Australien und Kalifornien folgen und zur Erfüllung ihrer Klimaziele beitragen.

Daten und Fakten

- Fünf EVO-Energieberater bieten Kunden ihre Dienste an. Kontakt: 08009181499 (kostenlos).

- Im Jahr kommen sie auf 6 000 Beratungen. Mit allen Schulen in Stadt und Kreis besteht eine Bildungspartnerschaft. Bedeutet: Berater gehen in die Klassen.

- Wer Erfinder der Glühbirne war, ist schwer zu beantworten. Fakt ist, dass der US-amerikanische Forscher Thomas Alva Edison (1847-1931) im Jahr 1879 ein serienreifes Exemplar entwickelt hatte, das letztlich den Durchbruch schaffte.

- Vor ihm waren aber bereits andere Wissenschaftler auf die zündende Idee gekommen. Unter ihnen der deutsche Uhrmacher Heinrich Göbel. Sein Birnenmodell entstand um 1850.

Städte investieren ins Sparen

- Mit dem Austausch alter Birnen begnügen sich die Städte Rodgau und Rödermark nicht. Vielmehr ermöglichen die Konjunkturpakete von Bund und Land viel effektivere Energiesparmaßnahmen. Beispiele:

- 204000 Euro sind für Wärmedämmung, Dacherneuerung und neue Fenster im Bürgerhaus Weiskirchen vorgesehen. Für 800 000 Euro bekommt die Sporthalle in Nieder-Roden ein neues Dach, eine neue Heizung und eine gedämmte Fassade.

- 74750 Euro fließen in die Modernisierung der Alten Apotheke in Jügesheim. Das Dach wird neu eingedeckt und gedämmt.

- In Rödermark gilt das Hauptaugenmerk der Halle Urberach und dort insbesondere dem Mehrzweckraum. 68 200 Euro verschlingt die neue Heizung, 148 500 Euro kostet die Wärmedämmung des Dachs der Halle.

- In den Mehrzweckraum steckt die Kommune fast 400 000 Euro. Lüftung, Decke, Fußbodenbelag, Toiletten, Wände: alles renovierungsbedürftig.

Quelle: op-online.de

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