Kurs des DRK

Im Notfall zählt jede Sekunde

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Beim Abnehmen des Helmes ist es wichtig, den Kopf mit den Händen bestmöglich abzustützen und den Helm vorsichtig und gleichmäßig ohne ruckartige Bewegungen abzuziehen.

Rodgau - Die Temperaturen steigen, die Sonne zeigt sich immer öfter, und mit dem Frühling beginnt auch wieder die Motorradsaison. Doch so schön die luftige Fahrfreude auch sein kann, bei Unfällen trifft es die Fahrer der motorisierten Zweiräder besonders hart. Von Peter Petrat 

Wie man am Unfallort richtig hilft, zeigt das DRK in speziellen Kursen. „Ich traue mich nicht zu helfen, ich will nichts falsch machen“, sagen viele. Sie haben Angst davor, beim Abnehmen des Helms eines verunglückten Motorradfahrers etwas falsch zu machen und dem Verletzten mehr zu schaden als zu helfen. „Das ist Unsinn“, betont Ausbilder Knut Werner vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) an einem Übungsabend mit seinen Kollegen. „Bei solchen Unfällen sind die Schädigungen an der Wirbelsäule in der Regel bereits durch den eigentlichen Aufprall eingetreten, also gerade nicht durch die spätere Hilfeleistung“, führt er aus und mahnt eindringlich: „Bitte keine Angst vorm Helfen haben, Nichtstun ist immer falsch!“

Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass es zu einer zusätzlichen Verletzung komme, habe das Überleben stets Vorrang. Denn leicht könne ein bewusstloser Motorradfahrer ersticken, sofern dessen Zunge oder Erbrochenes die Atemwege blockieren. Bis die Rettungskräfte eintreffen, kann es dann schon zu spät sein. Wer einen bewusstlosen Motorradfahrer am Unfallort vorfindet, sollte ihm deshalb unbedingt den Helm abnehmen. Ist der verunglückte Motorradfahrer ansprechbar und bei Bewusstsein, so reicht Knut Werner zufolge die Versorgung möglicher Verletzungen und das Absetzen des Notrufes aus. Das ist aber in jedem Fall zu tun und in Deutschland sogar gesetzlich vorgeschrieben. Wer das nicht beherzigt, kann sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar machen. Ist der Verunglückte aber bewusstlos - und wirklich nur in diesem Fall - muss man ihm den Helm abnehmen. Dann haben freie Atemwege absolute Priorität.

Idealerweise teilen sich dabei zwei Ersthelfer die Arbeit, aber auch alleine ist das Prozedere möglich. Sind zwei Personen vor Ort, kniet sich einer der beiden an den Kopf des Verletzten. Zuerst muss man für Luft sorgen und das Visier öffnen. Sofern eine Brille vorhanden ist - absetzen. Der zweite Helfer, der sich seitlich des Verletzten befindet, öffnet dann den Verschluss des Helms. Der Verschluss ist an der roten Signalfarbe zu erkennen. Während der am Kopfende sitzende Helfer den Helm langsam und vorsichtig abzieht, greift die zweite Person von unten in den Helm hinein und versucht den Kopf des Unfallopfers zu stützen und festzuhalten. Es muss auf jeden Fall verhindert werden, dass der Kopf auf den Boden sackt. Dabei ist zu beachten, dass der Kopf sehr schwer ist, was selbst die Retter vom DRK immer wieder überrascht.

Spätestens wenn der Helm bis zur Nase abgezogen ist, muss der Kopf abgestützt sein. Dann kann der Helm komplett abgezogen werden. Dabei gilt: nicht rustikal rütteln, sondern behutsam und gleichmäßig ziehen. Erst wenn der Helfer am Kopfende den Helm beiseitegelegt hat, darf der andere den Kopf vorsichtig ablegen. Muss man den Helm alleine abnehmen, gestaltet sich der ganze Vorgang schwieriger, der Ablauf bleibt aber gleich. Bei den Profis folgt dann der sogenannte „Bodycheck“, also die Überprüfung nach Verletzungen. Für den Laien reicht es aus, offensichtliche Verletzungen insoweit zu berücksichtigen, als dass der Verunglückte idealerweise bei der anschließenden stabilen Seitenlage nicht auf verletzte Körperteile gedreht wird. Aber auch hier gilt wieder, dass die stabile Seitenlage Vorrang vor allen anderen Bedenken hat.

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„Wünschenswert wäre eine Erste-Hilfe-Auffrischung alle drei bis fünf Jahre“, rät DRK-Ausbilder Knut Werner. Speziell für Motorradfahrer bietet das Rote Kreuz einen auf die Gefahren des Zweiradfahrens abgestimmten Kurs an. Vorsitzende Ellen Abröll wirbt nicht nur für solche Kurse, sondern auch für die generelle Mitarbeit im DRK. Jugendliche und Erwachsene seien stets willkommen. „Wer Freude am Umgang mit Menschen hat, oder sich besonders für die medizinischen oder technischen Aspekte interessiert, findet bei uns viele Möglichkeiten sich weiterzubilden“, erklärt sie.

Quelle: op-online.de

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