Lächeln hat noch nie geschadet

Rodgau - (pul) Verhaltensregeln für den guten Start ins Bewerbungsgespräch zeigt ein Unterrichtsfilm, der an der Geschwister-Scholl-Schule entstanden ist. Initiatorin ist die Deutschlehrerin Esther Everling.

Bei simulierten Gesprächen im Unterricht entpuppen sich die Jugendlichen regelmäßig eher als Clowns denn als seriöse Bewerber um den Ausbildungsplatz. Der in Eigenregie erstellte Lehrfilm zeigt nun Pannen und Patzer eines Bewerbungsgesprächs.

Der große Augenblick ist gekommen. Mit feuchten Händen sitzt die jugendliche Bewerberin im obersten Stockwerk des Glaspalastes einer Frankfurter Großbank. Die Fragen des Personalchefs zu ihren Zeugnisnoten passen der Realschülerin gar nicht. Zurückgelehnt im Stuhl, verschränkt sie die Arme. „Niemals die Arme verschränken“, rät Johannes Kohaupt von der Georg-Büchner-Schule, der als Ko-Autor an dem 35-minütigen Lehrfilm mitgewirkt hat: „Dies interpretiert das Gegenüber immer als Ablehnung.“ Eine aufrechte Sitzposition, Brust raus und Schultern zurück, sowie die Hände locker auf der Tischkante aufgelegt, kommt deutlich besser an.

Ein Lächeln hat bekanntlich noch nie geschadet und auch der Tonfall sollte höflich und freundlich sein, rät Esther Everling. In ihrem Film zeigt sie auf, dass der Gesprächspartner 23 Prozent aller Informationen über die Satzmelodie und Betonung aufschnappt. Nur zu sieben Prozent kommunizieren die Menschen über das gesprochene Wort. Das Gros der Informationsvermittlung liegt mit 70 Prozent im nonverbalen Bereich. Das zeigt die hohe Bedeutung der Körpersprache in einer wichtigen Sitzung.

Was alles zur Körpersprache zählt und welchen Anteil sie am Erfolg oder Misserfolg eines Zweiergesprächs hat, vermittelte Johannes Kohaupt im Frühjahr in der Projektwoche der Büchner-Schule, die Projektteilnehmer Stefan Lang (15) in einem Vortrag zusammenfasste. Zur Körpersprache zählen im Wesentlichen Mimik und Gestik, aber auch allgemeines Auftreten wie Kleidung, Gang und Händedruck. Johannes Kohaupt: „Bewerber sollten die Hand zum Gruß nicht als erste ausstrecken.“
Um den Handschlag des Personalchefs entgegenzunehmen, gehört zunächst einmal Pünktlichkeit. Dies gelingt am Besten, wenn der Weg zur Firma bekannt ist. Warum bin gerade ich der geeignete Bewerber und warum möchte ich bei der Firma arbeiten? Diese Fragen müssen sich Bewerber in der Gesprächsvorbereitung stellen.

Wissen um die eigenen Stärken und Schwächen

Für Johannes Kohaupt ist das Wissen über die eigenen Stärken und Schwächen elementar. Wofür gab es in der Vergangenheit Lob oder Kritik? Diese „Hausaufgaben“ eines Lehrstellenbewerbers klären sich sehr gut in Gesprächen mit den Eltern, Freunden und dem Lehrer.

Nicht nur der Blick nach innen ebnet den Weg zur Lehrstelle. Das Internet, Broschüren oder Informationen von der Bundesanstalt für Arbeit helfen bei der Informationsbeschaffung bezüglich des Unternehmens, der Branche oder der Konjunktur. Dann erkennt der vermeintliche Arbeitgeber sehr leicht ob Interesse und Eigeninitiative beim Bewerber gegeben sind.

Der professionelle Unterrichtsfilm „Vorstellungsgespräch und Körpersprache“, von einem ARD-Fernsehteam gedreht und mit Schülern der Scholl-Schule besetzt, steht Schulen bei 28 Stadt- und Kreisbildstellen in Hessen zur Verfügung.

Daten und Fakten

- Große Unternehmen suchen bereits jetzt Bewerber für das Ausbildungsjahr 2010. Ein Beispiel: Beim Flughafenbetreiber Fraport muss man sich bis zum 15. September bewerben.

- Laut Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juli noch 156 500 Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz, 34 500 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der noch unbesetzten Ausbildungsstellen lag zum gleichen Stichtag mit 99 000 um 13 900 unter dem Vorjahreswert.

- Trotz der Zusage der Arbeitgeberverbände, jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung zu machen, will die Arbeitsagentur nicht ausschließen, dass viele Betriebe nicht wieder auf dem Niveau der Vorjahre ausbilden.

- Im Jahr 2008 absolvierten 939 311 junge Menschen in Deutschland eine betriebliche Ausbildung. 333 421 nahmen im vergangenen Jahr an einer IHK-Abschlussprüfung teil, 299 268 mit Erfolg. 365 430 junge Leute begannen im vergangenen Jahr eine Berufsausbildung.

Quelle: op-online.de

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