Landwirt verkauft seine Ökopunkte

Annäherungen im Streit um Biogas-Anlage Weiskirchen

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Anstelle der ehemaligen Sendergebäude des Hessischen Rundfunks will ein Landwirt eine Biogasanlage errichten. Der Wald im Hintergrund gehört zum Naturschutzgebiet „Im Hengstern“.

Weiskirchen - Wie wichtig sogenannte Ökopunkte für Kommunen sind, zeigt sich im Tauziehen um das Gelände der ehemaligen Sendegebäude des Hessischen Rundfunks in Weiskirchen.

Will die Stadt an einer bestimmten Stelle ein konkretes Bauvorhaben umsetzten, auf dessen Kosten die Natur in irgendeiner Form beeinträchtig wird, muss sie an anderer Stelle sogenannte Ausgleichflächen schaffen. Eine weitere Möglichkeit, Eingriffe in Natur und Landschaft zu kompensieren, sind Wertpunkte, die umgangssprachlich als „Ökopunkte“ bezeichnet werden. Mit Hilfe von im Voraus umgesetzten Arbeiten, können diese Punkte auf einem „Ökokonto“ gutgeschrieben werden. Statt Schäden an der Natur nachträglich wieder gut zu machen, können Maßnahmen vor dem eigentlichen Eingriff ausgeführt werden

Die etwa 20 Hektar große Wiesenfläche im Umfeld der ehemaligen Sendeanlage des Hessischen Rundfunks sollte ebenfalls solch einen naturschutzfachlichen Ausgleich bringen. Der Käufer, ein Landwirt aus Weiskirchen, wollte darauf jedoch eine Biogasanlage errichten. Im Streit um das Gelände ist nun ein Aufeinander-Zugehen in Sicht: Der Landwirt verkauft 2,5 Millionen Ökopunkte an Opel. Beim Bau des Testzentrums kann der Automobil-Hersteller den Naturverlust auf diese Art und Weise ausgleichen. Die Fläche für den Bau einer Biogas-Anlage sollte jedoch immer noch ausreichen. Der Magistrat rechnet für das gesamte Gelände mit einem Ökopunkte-Wert von 3,9 Millionen.

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Der Verkauf dürfte trotzdem für alle Beteiligten eine positive Wendung darstellen. Die Stadt profitiert davon, dass der Ausgleich in Rodgau selbst stattfindet. Opel kann sein Testcenter ausbauen, ohne andernorts Ökopunkte kaufen zu müssen und der Landwirt erhält Geld. Ob die Stadtverordnetenversammlung die über das Areal im Dezember beschlossene Veränderungssperre aufheben wird, ist unklar. Hierfür müsste der Bauherr weitere Bedingungen (wie die Erschließung lückenhafter Zufahrtswege) erfüllen. Auch ob der Landwirt seinen Antrag auf Genehmigung der Anlage beim Regierungspräsidium Darmstadt neu stellt, wird sich zeigen. Diesen hatte er vor etwa zwei Wochen zurückgezogen.

jk

Quelle: op-online.de

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