Landwirte lernen dazu

Rodgau (eh) - Spargelbauern können noch etwas dazulernen. Nicht nur sparsames und gezieltes Düngen kann die Belastung des Grundwassers beim Spargelanbau verringern.

Ein Pilotprojekt des Wasserwerks mit zwei Landwirten zeigt, dass es auch auf die Arbeitsweise bei der Neuanlage und beim Ende einer Spargelkultur ankommt. Das Projekt hat 2009 begonnen und dauert sechs Jahre. Jetzt, zur Halbzeit, liegt ein Zwischenbericht vor.

Bei der Vorbereitung eines Spargelackers wird erst einmal tüchtig gedüngt. Zehn Jahre später werden die erschöpften Pflanzen untergepflügt. Bei beiden Gelegenheiten werden Nährstoffe in den sandigen Boden abgegeben, so dass sie letztlich im Grundwasser landen. Wie viel Stickstoffverbindungen (Nitrate) dabei tatsächlich ausgewaschen werden, ist aber bisher kaum untersucht. Der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) betritt mit dieser Studie Neuland.

Erste Spargelernte steht an

Sebastian Würfl (Gründau) und Leonhard Becker (Obertshausen) haben zwei Flächen als Forschungsobjekte zur Verfügung gestellt. Eines davon ist ein neues Spargelfeld bei Hainhausen. Bauer Würfl hat dort im April 2010 junge Spargelpflanzen eingesetzt, nun steht die erste Ernte an. Leonhard Becker hingegen hat auf seinem Feld zwischen Rembrücken und Obertshausen im Juni 2010 die letzten Spargelstangen gestochen. Jetzt wächst dort Roggen.

Es gibt mindestens drei Möglichkeiten, um zu verhindern, dass der Regen Nährstoffe aus dem Boden auswäscht:

- Man düngt weniger;

- man sorgt dafür, dass Pflanzen die Nährstoffe speichern;

- man holt überzählige Nährstoffe aus dem Boden heraus.

Alle drei Wege wurden auf den Musterflächen praktiziert und haben messbare Ergebnisse gebracht.

Grünpflanzen nehmen überschüssige Nährstoffe auf

Für die Erstdüngung verwendete Sebastian Würfl einen nitratarmen Kompost aus Rodgau, der nur ein Drittel der üblichen Nitratmenge enthält. Die Ernte in diesem Frühjahr wird zeigen, ob diese Nährstoffmenge ausreicht. Bei der Düngung musste sich Würfl nicht einschränken, da er Stickstoffdünger ohnehin sehr sparsam anwendet, wie ihm die Gutachter bescheinigen. Im Sommer ist zusätzlich geplant, Ölrettich und Senf zwischen den Spargeldämmen zu säen. Die Grünpflanzen sollen überschüssige Nährstoffe aufnehmen.

Auch die Spargelpflanzen speichern Nährstoffe. Zum Problem wird das am Ende der etwa zehnjährigen Anbauperiode. Wenn man die Pflanzen unterpflügt, bleiben etwa 260 Kilogramm Nitrat pro Hektar im Boden. Leonhard Becker hat bewiesen, dass es auch anders geht: Er hat nach dem Umbruch des Ackers Ölrettich eingesät und im Herbst geerntet. Ergebnis: 84 Kilo Nitrat pro Hektar waren nun in dem Grünschnitt - ein prima Dünger für ein anderes, nährstoffärmeres Feld.

Quelle: op-online.de

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