Besuchergruppen beim Landwirt

Kinder im Kuhstall

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Neugierig reagieren die zwölf bis 14 Monate alten Jungkühe auf die Besuchergruppe im Stall.

Jügesheim - Auf dem Bauernhof von Harald und Svenja Löw im Ostweiler geben sich die Besucher die Klinke in die Hand. Gestern war die Klasse 5 b der Heinrich-Böll-Schule zu Gast, für nächsten Mittwoch hat sich die Georg-Büchner-Schule angesagt. Von Ekkehard Wolf 

Morgen, Sonntag, kommen erstmals Studenten der Agrarwissenschaft. Die Studenten der Georg-August-Universität Göttingen hatten den Milchviehbetrieb im Internet entdeckt, wie Harald Löw berichtet. Die Studierenden aus 40 Ländern wollten sich gezielt einen Produktionsbetrieb mit Direktvermarktung anschauen. Etwa 250 Rinder stehen derzeit in den Ställen, davon 130 Kühe und 120 Tiere der weiblichen Nachzucht. Etwa 15 Kühe geben derzeit keine Milch, weil sie bald kalben.

Eine Kuh gibt 30 bis 50 Liter Milch am Tag. Zusammen sind das rund 3 500 Liter. Alle zwei Tage kommt der Tanklaster der Molkerei und holt die gekühlte Milch ab. Einen kleinen Teil der Produktion verkauft der Bauernhof direkt an Endverbraucher. Seit knapp zwei Jahren ist die Milchtankstelle an der verlängerten Philipp-Reis-Straße in Betrieb. Sie läuft besser als erwartet. An einem durchschnittlichen Tag werden 60 Liter Milch gezapft. Das ist zwar nicht mal zwei Prozent der Tagesproduktion, stellt aber doch eine stabile, kleine Einnahmequelle dar. Ein Liter Rohmilch am Automaten bringt einen Euro in die Kasse. Die Molkerei bezahlt dafür nur 30 Cent.

Das Auf und Ab der Milchpreise erlebt Harald Löw seit vielen Jahren. Europäische Agrarvorschriften und der Preiskampf der Discounter wirken sich auf seine Ertragslage aus. „Normalerweise müssten wir 40 Cent haben, um über die Runden zu kommen“, sagt er. Die jüngste Preissenkung bei Aldi sei „für manche Betriebe der Todesstoß“.

Das Melken ist nicht mehr mühsam: Zwei Melkroboter säubern die Zitzen und saugen die Milch ab.

Trotz schwerer Arbeit für wenig Geld gibt es weiterhin junge Leute, die in der Landwirtschaft ihre berufliche Zukunft sehen. Ein Beispiel dafür ist Svenja Löw, die vor einigen Jahren in den Betrieb ihrer Eltern eingestiegen ist. Routiniert und überzeugend zeigte sie den Schülern gestern den Bauernhof: von der Siloanlage mit dem Futtervorrat für ein ganzes Jahr bis zu den beiden vollautomatischen Melkrobotern, die den Menschen eine einst mühsame Arbeit abnehmen. „Die Kühe entscheiden selber, wann sie zum Melken gehen“, erklärte sie. Der Computer erkennt jede einzelne Kuh, berechnet die erwartete Milchmenge und steuert mit dem Greifarm die eingescannte Position der Zitzen an. Fünf bis sieben Minuten später kann die Kuh wieder ihrer Wege gehen.

Neue Bauernregeln für eine Landwirtschaft mit Zukunft: Fotos

Die Fünftklässler hatten viele Fragen: Wann kalbt eine Kuh das erste Mal? (Mit etwa 27 Monaten.) Wie stellt man fest, ob sie trächtig ist? (Per Ultraschall.) Kann man Rohmilch trinken? (Ja, aber man sollte sie vorsichtshalber abkochen.) Wie viele Kälber bekommt eine Kuh im Lauf ihres Lebens? (Meist zwei bis vier, in Einzelfällen bis zu acht Kälber.)

Nicht alle Schüler sind so wissbegierig wie diese Klasse 5 b. Schmunzelnd erzählt Harald Löw von einer anderen Schulklasse, die am Ende ihres Besuchs mit frisch gekochtem Kakao bewirtet wurde: „Ein Kind hat damals gefragt: Frau Löw, wo haben Sie denn so schnell so viel Milch herbekommen? Die Lehrerin hat einen ganz roten Kopf gekriegt.“ (eh)

Quelle: op-online.de

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