Frühjahrskonzert des Musikvereins Weiskirchen

In der Latin-Kiste gekramt

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Dem Solisten die verdiente Ehre: Nicht nur das Publikum im Weiskircher Bürgerhaus begeisterten am Sonntag Wolfgang Funk und sein Akkordeon.

Weiskirchen -   Zum Tanzen war es im Bürgerhaus-Saal etwas zu warm, auch der Platz hätte für einen Massenschwoof kaum ausgereicht. In den Füßen gezuckt haben dürfte es beim Frühjahrskonzert des Musikvereins Weiskirchen dennoch bei vielen Zuhörern.

Tanzstimmung beim Konzert des Musikvereins. Das war durchaus beabsichtigt. Denn ums Tanzen und vor allem die dazugehörige Musik herum war das knapp zweistündige Programm bewusst gestrickt. Selbst erfahrene Konzertgänger staunten, was sich daraus machen lässt.

Vor allem gab der hohe Sättigungsgrad an lateinamerikanischen Arrangements der rund 40-köpfigen Truppe um Dirigent Dietmar Schrod Gelegenheit, die Stärken des großen Orchesters auszuspielen: Authentisch swingender Big-Band-Sound, akzentuierte Rhythmik und akustische Transparenz in den Harmonien. Schon der Klassiker „Alte Kameraden“ zum Einstieg war nicht mehr der Marsch-Ohrwurm aus dem späten 19. Jahrhundert, sondern kam im Neuarrangement in Teilen ausgesprochen jazzig daher. Den „Soul Bossanova“ von Quincy Jones intonierte das Ensemble hart am reinen Rumba und mit einer Präzision in der Percussion, die sich nicht jedes Orchester zutrauen kann.

Neben dem „Samba Brazza“ hatten die Programmmacher zwei Juwelen von der Zigarreninsel aus der Latin-Kiste geklaubt und blank poliert. Nicht nur der hohe Wiedererkennungswert zeichnete ein Medley mit Hits von Gloria Estefan aus. Ganz da war Kuba dann Mit dem Song „Chan Chan“ aus dem unsterblichen Buena Vista Social Club – in der Intonation wohl die Glanzleistung dieses Nachmittags. Melancholie können die Weiskircher übrigens auch. Dass Astor Piazzollas Tango-Ballade „Adios Nonino“ mit ihrer ganzen Herzensschwere rüberkam, konnte Akkordeon-Solist Wolfgang Funk am Beifall seiner ergriffenen Zuhörer ermessen. Nicht nur in Lateinamerika wird getanzt. Die Meister der europäischen Klassik und Romantik mussten ihre einschlägigen Kompositionen der Übersicht halber manchmal sogar nummerieren – Antonin Dvorak etwa, der zum Weiskircher Programm den Slawischen Tanz Nummer acht beisteuerte. Johannes Brahms ließen die Musiker mit dessen ungarischen Tänzen Nummer fünf und sechs zu Ehren kommen. Keine Ordnungszahl brauchte Johann Strauß der Jüngere, als er seinen gefälligen Walzer 1867 mit „Künstlerleben“ überschrieb. Nach all dem Tanzen wurde noch einmal marschiert – mit einer Dosis „Berliner Luft“. Tanzbar und populär war auch das Jugendorchester an seinen Part herangegangen. Mit „Cheap Thrills“ und „Shut up and dance“ versuchte sich der Nachwuchs unter Leitung von Anja Schrod erfolgreich an zwei Party-Hits. (zrk)

Quelle: op-online.de

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