Im Laufschritt zur Leistungsspange

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Landrat Oliver Quilling steckt Mathias Menghistu die Leistungsspange an. Der Jugendliche aus Heusenstamm war mit der Mannschaft der Jugendfeuerwehr Rodgau-Süd gestartet.

Dudenhofen (eh) - Das Sportzentrum Dudenhofen war am Samstag fest in der Hand der Jugendfeuerwehr. Etwa 150 Kinder und Jugendliche aus dem Kreis Offenbach trafen sich zum sportlichen Kräftemessen. Auch Straße und Feldweg wurden zu Wettkampfstrecken.

Während 15- bis 17-Jährige aus sechs Städten die Prüfungen zur Leistungsspange absolvierten, traten die Jüngeren aus elf Jugendfeuerwehren zum ersten KJF-Cup der Kreisjugendfeuerwehr an.

Bilder zur Veranstaltung

Leistungsspange und KJF-Cup

46 Jugendliche aus Rodgau, Dietzenbach, Heusenstamm, Mühlheim, Obertshausen und Dreieich haben am Samstag in Dudenhofen erfolgreich die Prüfungen zur Leistungsspange abgelegt. Das höchste Abzeichen der deutschen Jugendfeuerwehr erleichtert ihnen den Übergang in den aktiven Dienst: Wer die Leistungsspange hat, muss nur eine verkürzte Grundausbildung absolvieren. Man wird dann nicht als „Anwärter“, sondern gleich als „Feuerwehrmann“ oder -frau in die Einsatzabteilung aufgenommen.

Schnelligkeit und Ausdauer, Stärke und Gewandtheit sind bei vier der fünf Aufgaben gefragt. In einem theoretischen Teil müssen die Kandidaten ihr Wissen über Feuerwehrtechnik, Politik und Gesellschaft beweisen. Neun Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren bilden ein Team. Für die Teilnehmer ist das eine ernste Sache. Sie trainieren drei bis sechs Monate, damit bei der Abnahme alles klappt.

Königsdisziplin ist der Aufbau eines Löschangriffs

An die Schläuche, fertig, los! In nur 75 Sekunden müssen die Jugendlichen acht Schläuche auslegen und so verbinden, dass sie sich nicht verdrehen.

Auf die Gemeinschaftsleistung kommt es an. So müssen die Gruppen in 75 Sekunden acht Feuerwehrschläuche auslegen und zu einem 120 Meter langen Schlauch verkuppeln, der nicht verdreht sein darf. In 4:10 Minuten müssen sie einen Staffellauf von 1500 Metern absolvieren. Wie viel jeder Einzelne dabei zurücklegt, entscheidet die Gruppe selbst. Auch beim Kugelstoßen zählen Stärkere und Schwächere zusammen: Gemeinsam müssen sie mindestens 55 Meter erreichen, je mehr, desto besser.

Die Königsdisziplin ist der Aufbau eines Löschangriffs. Da muss alles genau nach Vorschrift gehen: Klare Kommandos, jeder erfüllt seine Aufgaben, jeder Handgriff sitzt und am Ende könnte Wasser aus den Rohren spritzen. Zum Leidwesen von Zuschauern und Fotografen findet die Übung trocken statt. Sie ist dennoch enorm wichtig, wie Katrin Rebell, die Fachgebietsleiterin Wettbewerbe der Kreisjugendfeuerwehr, berichtet: „Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 3 ist die Grundlage für alles, was wir tun.“

Und so hört man denn kratzig klingende Jungmännerstimmen über den Festplatz am TC Blau-Weiß rufen: „Saugleitung fertig! Saugleitung zu Wasser!“ Andere Kommandos klingen für unbedarfte Ohren eher sperrig: „Wassertrupp mit zweitem C-Rohr zur Brandbekämpfung des rechten Brandabschnitts über den Platz vor!“ Da ist kein Wort zu viel. Aber die künftigen Feuerwehrleute wissen, was gemeint ist.

„Wir brauchen euch für die Feuerwehr der Zukunft“

Die vier Wertungsrichter schauen genau hin, denn sie sind auch in der Feuerwehr-Ausbildung tätig. Über kurz oder lang werden sie die jungen Leute im Grundlehrgang wiedersehen.

„Wir brauchen euch für die Feuerwehr der Zukunft“, ruft Landrat Oliver Quilling (CDU) den 46 Absolventen der Leistungsspange zu, bevor er dem ersten die Nadel ansteckt. Ehrenamtliche gewährleisten den Brandschutz außerhalb der Großstädte. Die Freiwillige Feuerwehr, die sich ihren Nachwuchs selbst heranzieht, ist für die Gesellschaft unbezahlbar. Das wissen auch die anderen Politiker, die beim Anstecken der Leistungsspangen assistieren: Bundestagsabgeordnete Patricia Lips (CDU), die Landtagsabgeordneten Frank Lortz und Ismail Tipi (beide CDU) sowie Ortsvorsteher Gerald Klein (SPD).

Spiel und Spaß prägen den Wettstreit um den KJF-Cup, den die Kreisjugendfeuerwehr in diesem Jahr erstmals ausgerichtet hat. Beim überdimensionalen Tischfußball mit lebenden Figuren („Human Table Soccer“) fliegen die Bälle und beim Wassertransport auf dem Bobby-Car mit verbundenen Augen spritzt das Wasser.

Ganz schön knifflig

Ganz schön knifflig ist die Aufgabe, in nur drei Minuten ein kompliziertes Gebilde aus Rohren, Schläuchen und Armaturen nachzubauen. Die Kinder haben 60 Sekunden Zeit, sich ein Foto der aberwitzigen Konstruktion einzuprägen. Danach müssen sie die Teile auswendig zusammenbauen. Kaum jemand schafft das fehlerfrei.

Nach der Auswertung der fünf Spiele jubelt die Jugendfeuerwehr Rembrücken über den Siegerpokal, die Mannschaften aus Egelsbach und Zellhausen erhalten etwas kleinere Pokale. Auf den weiteren Plätzen folgen Mainflingen, Dietzenbach, Rodgau-Süd, Obertshausen, Seligenstadt mit Froschhausen, Ober-Roden, Heusenstamm und Rodgau-Nord.

Der Sanitätsdienst der Johanniter-Unfallhilfe hat innerhalb der sechs Stunden wenig zu tun: Ein Mädchen verletzt sich beim Hinfallen am Handgelenk, eine andere Teilnehmerin hat Kreislaufprobleme in der Hitze. „Aber nichts Ernstes“, berichtet wie Kreisjugendfeuerwehrwart Oliver Meyer.

Quelle: op-online.de

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