Unterschriften gegen geplantes Doppelhaus

„Letzte Grünfläche wird zerstört“

Jügesheim - Der geplante Bau eines Doppelhauses auf einer Wiese an der Eugen-Roth-Straße ruft Protest bei Anwohnern hervor. Zwei Familien im Wohngebiet J 26 sammeln Unterschriften. Der Magistrat versteht die Aufregung nicht.

Die Stadt will das brach liegende Grundstück als Bauplatz verkaufen. Auf 597 Quadratmetern ist Platz für ein Doppelhaus. Das Gelände war ursprünglich für spielende Kinder vorgesehen. Der Spielplatz wurde jedoch nie ausgebaut. Stattdessen gibt es einen Sandkasten mit Spielgeräten neben der Turnhalle der Wilhelm-Busch-Schule, rund 60 Meter entfernt. Das im Dezember 2011 beschlossene Spielplatzkonzept der Stadt sieht vor, das Grundstück als Bauland zu verkaufen. Dabei ist mit einem Erlös von 245.000 Euro zu rechnen. Mit der Hälfte des Geldes will die Stadt andere Spielplätze verbessern.

Die Familien Schindler und Zinn befürchten Schlimmes, wenn die Wiese tatsächlich bebaut wird: Gefahr für spielende Kinder auf der Spielstraße sowie eine erhöhte Gefahr tödlicher Unfälle auf dem einzigen Weg zur Schule und zum Hort. Ein Neubau zerstöre die letzte Grünfläche im Wohngebiet, nehme Kindern und Jugendlichen den einzigen Platz für Ballspiele, verringere den Wert umliegender Gebäude und verschärfe die angespannte Parkplatzsituation.

Sechs-Parteien-Haus befürchtet

Die protestierenden Anlieger befürchten ein Sechs-Parteien-Haus. Der Entwurf zur Änderung des Bebauungsplans (J 26.1) sieht jedoch nur zwei Doppelhaushälften vor. „Eine ähnliche Situation wie im Forschheimer See“ erwartet Bürgermeister Jürgen Hoffmann, wenn der Protest der beiden Familien Kreise zieht. In Nieder-Roden hatten Bürger eines Wohngebiets ebenfalls gegen den Verkauf einiger Spielplatz-Grundstücke protestiert. Sie erreichten eine Korrektur des Bebauungsplans. Die Neubauten orientieren sich nun an der vorhandenen Bebauung.

Zumindest diesen Konfliktpunkt soll es an der Eugen-Roth-Straße nicht geben. Die Bebauung werde sich an den Nachbarhäusern orientieren, kündigte der Bürgermeister gestern vor der Presse an.Das Spielplatzkonzept sei daraus entstanden, dass die Stadt den Handlungsbedarf an ihren Spielplätzen nicht aus eigenen Mitteln decken könne, ruft Erster Stadtrat Michael Schüßler in Erinnerung. Die Bebauung nicht benötigter Flächen sei eine „kluge Form der Refinanzierung“. „Es geht nicht darum, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen“, betont Bürgermeister Hoffmann. Das Spielplatzkonzept sei Ergebnis einer intensiven Abwägung.

„Stadtentwicklung bedeutet heute auch Verdichtung“, erklärt Peter Kämmerling, der neue Leiter des städtischen Fachdienstes für Stadtplanung. Es sei besser, Baulücken zu schließen als neue Baugebiete auszuweisen: „Wir machen eigentlich das Richtige, was man mit einer solchen Fläche tun muss.“

Quelle: op-online.de

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