Spektakel in Ortsmitte

Jügesheim glänzt im Lichterschein

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Für Lagerfeuerromantik auf der Weiskircher Straße sorgte der Förderverein der Carl-Orff-Schule.

Jügesheim - Windlichter, Feuerstellen und Hunderte von Kerzen tauchten die Jügesheimer Ortsmitte am Samstagabend in anheimelndes Licht. Das fünfte Lichterfest lockte die Besucher scharenweise zur Hintergasse und Weiskircher Straße.

Der Herbstmarkt eine Woche zuvor tat der guten Resonanz keinen Abbruch. Für Susanne Schäfer, die das Lichterfest organisierte, ist das ein klares Zeichen: „Diese Stadt kann zwei solche Veranstaltungen nacheinander vertragen.“ 61 Verkaufs- und Bewirtungsstände sowie 20 offene Geschäfte boten Abwechslung. Die Lücken zwischen den Ständen waren wetterbedingt: Weil es am Vormittag regnete, hatten rund 20 Aussteller abgesagt. „Am Vormittag ist das Telefon kaum stillgestanden“, berichtete Susanne Schäfer: „Ich habe allen gesagt, um 18 Uhr ist wieder gutes Wetter, aber viele haben es nicht geglaubt.“

Zwischenfälle beim Aufbau vergraulten einige Aussteller in letzter Minute. Das eine oder andere Zelt wurde vom Wind weggeweht. Schäfer: „Und dann kam es vor, dass trotz Absperrung einer durch die Straße heizte und ein Zelt umbügelte – das war dann wieder ein Teilnehmer weniger.“ Die gute Atmosphäre beim Lichterfest ließ solche Erinnerungen aber rasch wieder verblassen. Entspannt und ausgeruht schlenderten die Besucher die Straße entlang und blieben immer wieder stehen, um mit Freunden oder Bekannten zu reden. Auch einige Anwohner der Weiskircher Straße trugen ihren Teil zum freundlichen Ambiente bei: Sie stellten Lichter ans Fenster oder öffneten das Hoftor mit Blick auf einen stimmungsvoll beleuchteten Garten.

Aussteller-Vielfalt

Nach der regnerischen ersten Tageshälfte zeigte sich das Wetter von seiner angenehmen Seite. Es war nicht nur trocken, sondern auch relativ mild, so dass man gut zu einem Schwätzchen stehen bleiben konnte. Dennoch war es erkennbar November: Ein heißer Eintopf war durchaus willkommen. Die meisten Aussteller kamen aus der Region: aus dem Kreis Offenbach, aber auch bis nach Dieburg und Hanau. Einige waren aber auch weit gereist. So ist der Crêpes-Wagen aus Bergisch Gladbach seit dem ersten Mal dabei. Auch ein Weingut aus Undenheim gehört zu den Teilnehmern der ersten Stunde.

Durch familiäre Bindungen kam Lydia Resch aus Lörrach (Schwarzwald) nach Jügesheim - ihre Tochter lebt hier. Vor zwei Jahren hatte sie zum ersten Mal auf dem Lichterfest ihre kunsthandwerklichen Arbeiten angeboten. Die Atmosphäre gefiel ihr so gut, dass sie wiederkam. Lydia Resch verkaufte kleine Marienkäfer aus Filz, weiche Nickypuppen für Kleinkinder und Zipfelpüppchen. Der Blickfang an ihrem Stand waren Engelfiguren aus Brennholz. Selbst Gemachtes bot auch die Jugendfeuerwehr Rodgau-Mitte. Die Kinder und Jugendlichen hatten Pralinen hergestellt und Kerzengläser mit Scherenschnitten beklebt. Wer nicht so seht auf Süßes steht, konnte sich an Spießbraten mit Knoblauchsoße stärken.

Vor seinem Haus an der Weiskircher Straße stand Helmut Winter an einem holzbefeuerten Kessel, in dem man früher sowohl Kartoffeln als auch Wäsche kochte. Diesmal schwamm Fleischwurst in der Brühe. „Die Fleischwurst hole ich immer von einem Metzger von der Bergstraße, weil da mehr Rindfleisch drin ist“, erzählte Winter. Für die kleine Hofwirtschaft am Lichterfest ließ er vor ein paar Jahren eigens ein Schild anfertigen: „Weck, Worscht und Weu“. Mit Strohballen hatten die beiden Jügesheimer Reitvereine ihre Stände dekoriert. Die großen Rundballen eigneten sich sogar als improvisierter Stehtisch zum Biertrinken aus der Bügelflasche.

Lichterfest in Jügesheim

Lichterfest in Jügesheim

Im Kerzenschein schenkten zwei Frauen einen bayerischer Kräuterschnaps namens „Gürtler“ aus. Monika Bausewein aus Jügesheim hatte ihre Freundin Elisabeth Schmidt aus der Oberpfalz zu Gast, die selbst angesetzten Magenbitter mitbrachte - „nach einem bayerischen Ur-Rezept“, wie sie betonte. Nur wenige Kerzen erhellten den Stand von Eva Lindner und Isabelle Deutschbein. Sie verkauften Hundeplätzchen: selbst gebackene Leckerlis Quark und Petersilie, mit Lachs oder Pute, mit Leberknödel oder Parmesan. Den Erlös spenden die beiden Tierfreundinnen an die Organisation „Vier Pfoten“.

Süßen Genuss für Zweibeiner boten Kinder der Carl-Orff-Schule. Frisch gebackene Waffeln gaben sie gegen eine Spende für den Schulförderverein ab. Nebenan köchelte Suppe im Kessel über einem Lagerfeuer. Ein Anziehungspunkt waren die Afrika-Trommler bei Gerd Oczko an der Ecke Hochstädter Straße. Gleich nebenan gab es die exotischste Speise des Abends: Hähnchen mit Erdnusssoße.

(eh)

Quelle: op-online.de

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