Liebe überwindet Grenzen

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Ihre Lebenswege kreuzten sich, wie die Fahnen auf unserem Foto: Christine und Ferdinand Klotz.

Rodgau - Diese Woche feierte die Nation 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft. Von Erzfeinden zu Partnern. Besonders wörtlich genommen haben das Christine und Ferdinand Klotz aus Jügesheim. Sie ist Französin, er Deutscher. Beide sind seit 27 Jahren ein Ehepaar. Von Bernhard Pelka

Seit 1985 leben sie in Rodgau. Eine Liebesgeschichte, fast zu schön, um wahr zu sein. Er ein beruflich aufstrebender junger Mann aus Bitburg in der Eifel, sie eine neugierige, junge Frau Anfang 20 aus der Gegend von Biarritz in der französischen Region Aquitanien. Beide verbindet zunächst nichts - nur das Interesse am Beruf.

„Ich kam aus Neugier nach Deutschland.“ Das glaubt man der temperamentvollen Frau mit den aufgeweckt leuchtenden Augen sofort. „Ich kannte weder Sprache noch Leute - außer eine Spedition.“ Das war das internationale Transportunternehmen Pracht in Frankfurt.

Die Liebe kam dazwischen

Dort arbeitete Ferdinand Klotz in der Spanienabteilung, und die Firma konnte eine junge Frau mit guten Sprachkenntnissen in Französisch, Spanisch und Englisch bestens gebrauchen. „Also landete ich in der Exportabteilung.“ Dort hat es dann irgendwie zwischen den beiden gefunkt. Anfangs hat sich das junge Paar nur auf Englisch unterhalten. Das erledigte sich mit den Jahren dann allerdings. Dabei war alles - zumindest von ihrer Seite aus - ganz anders geplant.

„Ich wollte nur ein paar Monate bleiben“, erinnert sich Christine Klotz. Dann kam die Liebe dazwischen.

Spannend war die erste Begegnung zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn in Frankreich. „Das werde ich nie vergessen. Als ich meinen Schwiegervater kennen lernte, sagte er, er möge die Deutschen zwar, aber nur, wenn sie einzeln kommen und nicht alle gleichzeitig.“

Aus der Ehe ist Sohn Nicolas hervorgegangen. Der 23-Jährige studiert abwechselnd in Deutschland und in Frankreich. Auch hat er beide Pässe, während seine Mutter allein französische Staatsbürgerin geblieben ist. Ihr Wahlrecht übt sie stets im Konsulat in Frankfurt aus.

„Hollande und Merkel fremdeln noch“

Die Klotz’s haben die umfangreichen Feierlichkeiten zum großen Jubiläum natürlich aufmerksam und mit Emotionen verfolgt.

„Es ist wichtig, öffentlich daran zu erinnern, wie schwierig das Verhältnis beider Staaten einmal war. Das gerät heute sonst zu schnell in Vergessenheit, wie kompliziert das mal war“, ist Christine Klotz überzeugt. Da schadete es aus ihrer Sicht auch nicht, dass gleich alle 577 Abgeordneten der Französischen Nationalversammlung nach Berlin zur Feier im Bundestag reisten. „Nein. Übertrieben war das nicht. Eher dem Anlass angemessen“, meint auch ihr Ehemann Ferdinand.

„Hollande und Merkel fremdeln zur Zeit zwar noch ein bisschen. Aber sie können ja gar nicht anders als eng zusammenzuarbeiten. Deutschland und Frankreich sind der Motor der EU“, sind die Jügesheimer Eheleute überzeugt.

Ganz europäisch gefeiert

Wie ist man in der besonderen deutsch-französischen Beziehung mit den typischen Charakterzügen des jeweils anderen die ganzen Jahre zurechtgekommen? Deutsche Gründlichkeit und Besserwisserei gegen französisches Laissez-faire? Das war bei den beiden offenbar nie ein Thema. „Das liegt immer an den Menschen und nicht an der Nationalität. Es gibt nicht die Deutschen oder die Franzosen, sondern verschiedene Charaktere“, sagt Christine Klotz salomonisch - und hat damit wohl recht.

Gefeiert hat das internationale Paar die deutsch-französische Freundschaft diese Woche natürlich auch. Unter anderem mit einem leckeren Essen beim Italiener. Eben ganz europäisch.

Quelle: op-online.de

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