Sender seit zwei Wochen tot

LTE-Funknetz in Weiskirchen funktioniert nicht

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Der Mobilfunkmast an der Autobahn bei Froschhausen versorgt Weiskirchen mit LTE-Internet, wenn er nicht gestört ist.

Weiskirchen - Was nützt das schnellste Funk-Internet, wenn die Verbindung tot ist? Das fragen sich Kunden der Firma Vodafone in Weiskirchen, die einen der neuen LTE-Tarife abgeschlossen haben. Seit zwei Wochen können sie weder telefonieren noch „surfen“. Von Ekkehard Wolf

Die Basisstation in Froschhausen, die auch Weiskirchen versorgt, ist gestört. Wie lange die Störung noch andauert, ist ungewiss.

Als „Internet der vierten Generation“ bewirbt Vodafone den neuen Mobilfunkstandard LTE, der seit dem Frühjahr auch in Weiskirchen verfügbar ist. Der Netzanbieter verspricht „Surfen mit Lichtgeschwindigkeit“. Das ist eine Verlockung im Norden Rodgaus, der von Anbietern kabelgebundener Internet-Anschlüsse (DSL) bisher stiefmütterlich behandelt wurde. „DSL 1000“ mit einer Übertragungsrate von einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) ist dort noch Standard. Der neue Mobilfunk-Standard LTE ermöglicht das 50-Fache. Aktuell bietet Vodafone bis zu 21,6 Mbit/s an. Tatsächlich aber herrscht in Weiskirchen tote Hose.

„Als ob man den Wasseranschluss abgestellt bekommt“

„Das ist so als ob man den Wasseranschluss abgestellt bekommt“, ärgert sich Kunde R. aus Weiskirchen, der seinen vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Erst vor kurzer Zeit ist er von seinem bisherigen Netzanbieter auf Vodafone umgestiegen. Für die neue Technik hat er sogar seinen alten Telefonanschluss gekündigt. Und jetzt? „Seit dem 20. Juni um 8.30 Uhr gibt es keine Verbindung. Der Mast in Froschhausen ist gestört. Und die nächsten Stationen in Seligenstadt und Steinheim sind zu weit entfernt.“ Die Störungs-Hotline von Vodafone hat R. als wenig hilfreich erlebt: „Erst hänge ich endlos in der Warteschleife, dann versprechen ein paar nette Mitarbeiter, dass es in drei Stunden wieder funktioniert. Aber es passiert nichts.“

Die Enttäuschung sitzt aber noch tiefer. „Versprochen waren 21.600, am Anfang liefen aber nur 4000 Kilobit pro Sekunde“, kritisiert R. „Die Antennen von Vodafone haben überhaupt nichts getaugt.“ Auch mit einer teuren Zusatzantenne sei die versprochene Bandbreite nicht erreichbar. Sein Fazit: „Im Moment kann ich keinem empfehlen, umzusteigen.“

LTE-Basisstation in Teilen gestört

„Es ist tatsächlich so, dass eine LTE-Basisstation in Teilen gestört ist“, bestätigt Vodafone-Pressesprecher Bernd Hoffmann. Grundsätzlich sei jeder Sender in drei Sektoren aufgeteilt, die zusammen in alle Richtungen (360 Grad) abstrahlen. Einer dieser Sektoren sei in Froschhausen am 20. Juni ausgefallen. Hoffmann: „Wir sind mit Hochdruck daran, das wieder zu beheben. Wir warten auf ein ganz bestimmtes Bauteil.“

Was genau ist kaputt – und warum? Wann ist mit der Lieferung zu rechnen? Wie schnell kann ein Techniker das Teil ersetzen? Einzelheiten konnte Bernd Hoffmann auf Nachfrage nicht nennen. Vielleicht gelinge es ja, die Störung bald zu beheben.

Die betroffenen Kunden

Wie viele Kunden von dem Ausfall betroffen sind, weiß Vodafone offenbar auch nicht genau. Das hänge vom jeweiligen Vertrag ab, so Hoffmann. Der Ersatz für einen Festnetzanschluss sei anders zu sehen als ein mobiles Produkt, das theoretisch bundesweit genutzt werden könne. Der Pressesprecher sichert betroffenen Kunden einen kulanten Umgang mit Reklamationen zu. Bei Kunden der „Zuhause“-Tarife werde zum Beispiel die Grundgebühr für einen Monat erlassen – vorausgesetzt, sie seien ohnehin nicht durch ein Aktionsangebot von der Grundgebühr befreit.

LTE ist der schnellste Mobilfunkstandard, den es bisher in der Bundesrepublik gibt. Die drei großen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O 2 treiben den Netzausbau rasant voran. Schon ein halbes Jahr nach der Versteigerung der Frequenzen im Mai 2010 gingen die ersten Sender in Betrieb. Bei den UMTS-Frequenzen, die im Jahr 2000 versteigert wurden, hatte es noch vier Jahre bis zur Marktreife gedauert.

Über 2900 Basisstationen

„Wir haben bundesweit über 2900 Basisstationen, damit decken wir schon über 45 Prozent der Fläche ab“, berichtet Vodafone-Sprecher Bernd Hoffmann. Laut Vorgabe der Bundesnetzagentur habe sich der Netzausbau zunächst auf die bisher unterversorgten ländlichen Regionen konzentriert. Als Nächstes kämen nun Großstädte an die Reihe. Der Vorteil der Sendefrequenzen im 800-Megahertz-Bereich seien eine hohe Reichweite und eine hohe Durchdringung. An Standorten mit besonders vielen Mobilfunk-Kunden kämen zusätzlich auch kleinere Funkzellen mit leistungsstärkeren Frequenzen um 2,6 Gigahertz infrage.

Sobald das LTE-Netz in Weiskirchen wieder funktioniert, müsste nach Einschätzung des Vodafone-Sprechers auch dort eine sehr gute Bandbreite erreichbar sein. Ein Lastentest habe ergeben, dass eine Basisstation auch in abendlichen Spitzenzeiten weit über 100 Kunden versorgen könne: „Selbst dann waren sie noch mit zehn bis 15 Megabit pro Sekunde angebunden.“ Das sei mehr als die sieben bis zehn Mbit/s, die ein Privatkunde durchschnittlich in Anspruch nehme.

Quelle: op-online.de

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