Luther-Linde an der Kirche sterbenskrank

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Ringsum stehen Bäume und Büsche in üppigem Grün, doch die alte Kirchenlinde trägt nur ein paar kümmerliche Blätter. Selbst die Knospen verwelken. Die Biologische Bundesanstalt untersucht, ob eine Pilzerkrankung die Ursache ist. Falls ja, wäre der Baum wohl nicht mehr zu retten. Kleines Bild: Die Rinde ist eine Brutstätte für Feuerwanzen.

Dudenhofen - (eh) Nach der Flatterulme am Bahnhof, die letzten Herbst gefällt werden musste, ist ein weiterer ortsbildprägender Baum in Dudenhofen von der Motorsäge bedroht. Eine stattliche Linde an der evangelischen Kirche ist offenbar sterbenskrank. Sie ist kein Einzelfall: An mehreren Stellen im Stadtgebiet sind Bäume von schädlichen Pilzen befallen.

Die Linde zwischen Kirche, Backhaus und Rektor-Geißler-Haus ist weit über 100 Jahre alt. Sie soll am 10. November 1883 zum 400. Geburtstag Martin Luthers gepflanzt worden sein. Nach Ansicht von Ortsvorsteher Karl-Heinz Kühnle handelt es sich um den „meist fotografieren Baum Dudenhofens“.

Auf unzähligen Bildern von Konfirmanden oder Hochzeitspaaren ist er im Hintergrund zu sehen. Und nun: „Er treibt nicht mehr aus. Da sind zwar kleine Triebe, aber die entwickeln sich nicht mehr.“ Siegfried Baumann von der Grünflächenabteilung der Stadtwerke Rodgau bestätigt diese Beobachtung: „Der Baum hat viele Knospen, aber nur vereinzelt kommt ein Trieb hoch. Die meisten Knospen werden welk, weil der Saftdruck fehlt.“ Vermutlich habe ein Pilz die Leitbahnen des Baumes befallen. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, hat der Bauhof nun Wurzel-, Ast- und Rindenproben an die Biologische Bundesanstalt geschickt.

Schon vor Wochen hatte der Bauhof versucht, in der alten Kirchenlinde die Lebensgeister zu wecken: Erst gab‘s eine Extraportion Dünger, dann wurde der Erdboden aufgelockert. Da ging man noch von normalen Startschwierigkeiten aus, wie sie auch andere Bäume zeigten. Vor wenigen Tagen wurde nochmals mit Flüssigdünger nachgeholfen. Noch ist das Todesurteil nicht gesprochen. „Wir warten mal ab, was die Untersuchung bringt“, sagt Siegfried Baumann. Es gebe wenig Hoffnung, dass der Baum noch zu retten sei. Eine Sturzgefahr bestehe aber auf keinen Fall. Die Linde an der Kirche ist nicht allein betroffen. „Pilzkrankheiten sind stark im Kommen, auch bei den Platanen auf dem Friedhof“, weiß Baumann.

Es handele sich um einen Pilz, der die Leitbahnen zusetzt und die Nährstoffversorgung unterbricht. Folge: Die Bäume verkümmern, trocknen und sterben schließlich ab. Ein Gegenmittel gibt es nicht: Nur gute Pflege als Vorsorge macht die Bäume robust.

Quelle: op-online.de

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