„Wir sind nicht wie Don Quijote“

Magistrat erklärt Umbau der Innenstadt für gescheitert

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Einen Einkaufsmarkt als Nahversorger will die Stadt auf dem Gelände des früheren Feuerwehrhauses Jügesheim ansiedeln. Der Platz gehört der Stadt. Sie hat also freie Hand bei der Planung.

Jügesheim - Nach mehr als drei Jahren zieht die Stadt einen Schlussstrich unter die Idee einer Innenstadtentwicklung Jügesheims. Nun konzentriert sich der Magistrat darauf, einen Lebensmittelmarkt auf dem ehemaligen Feuerwehrplatz anzusiedeln. Von Ekkehard Wolf 

„Eine lebendige Innenstadt mit Aufenthaltsqualität“ sollte zwischen Kirche und Ostring entstehen. „Kein Einkaufszentrum“, betont Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Er kritisiert, „dass das immer uminterpretiert wurde, um es dann abzulehnen“. Die Eigentümer der Grundstücke zwischen Kirche und Ludwigstraße hätten keine Bereitschaft gezeigt, ihre Flächen zu verkaufen. Auch die Bürger seien gegen eine Veränderung.

Für den Magistrat ist die Sache damit gelaufen. Hoffmann: „Wir sind nicht diejenigen, die wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfen. Wir werden diesen toten Gaul nicht mehr durch Rodgau reiten.“

In einem Gespräch mit den Eigentümern zog der Magistrat jetzt einen Schlussstrich für das Gebiet zwischen Kirche und Ludwigstraße. „Gefreut haben sie sich darüber nicht“, berichtet der Bürgermeister. Er betont: „Die Verantwortung für die weitere Entwicklung liegt jetzt in den Händen der privaten Eigentümer.“ Neue Standorte für Einzelhandel und Dienstleister werde man nun woanders suchen. Die Stadt werde auch in Zukunft eine Entwicklung in Jügesheim unterstützen. Die Initiative dazu müsse aber von privater Seite kommen.

Mit dem Auftrag an einen unabhängigen Projektentwickler habe die Stadt bewusst Rücksicht auf die Eigentümer und den örtlichen Einzelhandel genommen, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler. Dies sei aber gründlich missverstanden worden. Kulturdezernent Winno Sahm erklärt das Scheitern des Innenstadtprojekts mit einer missglückten Kommunikation: „Es ist uns nicht gelungen, dieses Urbanitätsverständnis zu vermitteln. Stattdessen wurden Projektionsflächen aufgemacht, auf denen allerhand Scharmützel ausgetragen wurden.“

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„Wir haben ein Angebot gemacht und Perspektiven aufgezeigt“, resümiert Bürgermeister Hoffmann. Trotz der Geschäftsschließungen der letzten Jahre gehe es nicht voran: „Jedes Mal, wenn ein Laden zumacht, jammert man vier Wochen, nur um dann zu sagen, alles soll so bleiben wie bisher.“

Dass Veränderungen notwendig sind, hatte ein Einzelhandelsgutachten im Jahr 2013 aufgezeigt. „Das Stadtteilzentrum Jügesheim verfügt über keine großflächigen Magnetbetriebe, die Kundenfrequenzen für die sonstigen bestehenden Einzelhandelsbetriebe generieren“, hieß es darin. Und weiter: Das Zentrum könne mit „zusätzlichen Verkaufsflächen aus allen Bedarfsbereichen“ ausgebaut werden. Das Stadtparlament beschloss daraufhin, den Projektentwickler Guido Berndt zu beauftragen. Zwei Vorschläge à la Rathauscenter Dietzenbach wurden einhellig abgelehnt.

Berndts Schlussbericht will der Magistrat nun den Stadtverordneten vorstellen. Das nächste Ziel ist die Ansiedlung eines Nahversorgers auf dem ehemaligen Feuerwehrplatz. Dafür werde die Stadt aber keine große Beteiligungsaktion mehr starten, kündigt der Bürgermeister an: „Da wird ein Konzept draufgelegt und es wird politisch abgestimmt.“

Quelle: op-online.de

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